Bayern Unterschnallgurt mit zwei Schleppriemen .

Gurt aus rotem Leinen, Schleppriemen aus rotjuchtenem Leder, bayerische Tresse, silberne Fröschel-Schnallen, getragen, in sehr guter Erhaltung. Zustand 2
470462
220,00

Bayern Unterschnallgurt mit zwei Schleppriemen .

Der bayerische Unterschnallgurt mit Schleppriemen stellt ein charakteristisches Element der militärischen Ausrüstung des Königreichs Bayern dar, das im 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Standardausstattung der bayerischen Infanterie gehörte. Dieser spezielle Gurt diente der Befestigung und dem Transport der Seitenwaffe, wobei die Schleppriemen eine zusätzliche Stabilisierung des Säbels oder Bajonetts beim Marsch ermöglichten.

Das vorliegende Exemplar zeigt die typischen Materialien und Verarbeitungsmerkmale bayerischer Militärausrüstung: Der Gurt aus rotem Leinen war ein charakteristisches Merkmal der bayerischen Armee und unterschied sich deutlich von den häufig in anderen deutschen Staaten verwendeten weißen oder schwarzen Gurten. Die Farbe Rot hatte in Bayern eine lange Tradition und ging auf historische Uniformbestimmungen zurück, die bis ins 18. Jahrhundert reichten.

Die Schleppriemen aus rotjuchtenem Leder verweisen auf die hohe Qualität der Verarbeitung. Juchtenleder, auch als Russischleder bekannt, war ein besonders haltbares, mit Birkenteer und anderen Gerbstoffen behandeltes Leder, das durch seinen charakteristischen Geruch und seine Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse geschätzt wurde. Die rote Färbung wurde durch spezielle Gerbverfahren erreicht und war aufwendig in der Herstellung.

Die bayerische Tresse, die zur Verzierung des Gurtes verwendet wurde, folgte den königlich-bayerischen Bekleidungsvorschriften. Diese Tressen waren gewebte Bänder, die je nach Truppengattung und Rang unterschiedliche Muster und Farben aufweisen konnten. Sie dienten nicht nur dekorativen Zwecken, sondern ermöglichten auch die schnelle Identifikation der Zugehörigkeit eines Soldaten zu seiner Einheit.

Die silbernen Fröschel-Schnallen waren ein weiteres wichtiges funktionales und ästhetisches Element. Der Begriff “Fröschel” bezeichnete in der militärischen Fachsprache die Lederschlaufe oder -tasche, in der die Blankwaffe am Gurt befestigt wurde. Die silbernen Schnallen waren nicht nur praktisch, sondern unterstrichen auch den repräsentativen Charakter der Ausrüstung. Bei Offizieren und Unteroffizieren waren diese Beschläge oft aufwendiger gearbeitet als bei Mannschaften.

Die Verwendung solcher Gurte lässt sich in der bayerischen Armee etwa ab den 1840er Jahren nachweisen, als im Zuge von Uniformreformen die Ausrüstung standardisiert wurde. Die Heeresreformen unter König Ludwig I. und später unter Maximilian II. führten zu detaillierten Bekleidungsvorschriften, die Material, Farbe und Ausführung aller Ausrüstungsteile genau regelten. Diese Vorschriften wurden regelmäßig aktualisiert, wobei die Grundelemente wie der rote Leinengurt über Jahrzehnte erhalten blieben.

Der Unterschnallgurt war Teil des Tragegestells für die Seitenwaffe und wurde unter dem Waffenrock getragen, wobei nur die Beschläge und das Fröschel sichtbar blieben. Die beiden Schleppriemen wurden am unteren Ende der Scheide befestigt und verhinderten, dass die Waffe beim Marschieren gegen die Beine schlug oder sich in der Bewegung verfing. Dies war besonders bei längeren Märschen von großer praktischer Bedeutung.

Während des Deutschen Krieges 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 trugen bayerische Soldaten solche Gurte. Nach der Reichsgründung 1871 behielt Bayern innerhalb des Deutschen Kaiserreichs seine eigenen Uniformtraditionen weitgehend bei, was durch Artikel 68 der Reichsverfassung garantiert wurde. Die bayerische Armee blieb bis 1918 eine eigenständige Organisation mit eigenen Uniformen und Ausrüstungsgegenständen.

Im Ersten Weltkrieg wurde die traditionelle Ausrüstung teilweise durch feldgraue, praktischere Varianten ersetzt, doch blieben die charakteristischen bayerischen Elemente in der Grundstruktur erhalten. Nach 1918 und der Auflösung der Monarchie verloren diese Ausrüstungsstücke ihre militärische Funktion und wurden zu begehrten Sammlerobjekten.

Der sehr gute Erhaltungszustand des beschriebenen Exemplars, trotz erkennbarer Tragezeichen, deutet darauf hin, dass es entweder gut gepflegt oder möglicherweise nicht im aktiven Frontdienst verwendet wurde. Solche Stücke wurden auch für Paradezwecke, Wachaufgaben oder von Reserveeinheiten getragen, wo die Beanspruchung geringer war als im Feldeinsatz.

Heute sind solche bayerischen Militaria wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte und der besonderen Stellung Bayerns innerhalb des deutschen Nationalstaates. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Militärausrüstung, sondern auch die regionalen Besonderheiten und Traditionen, die bis zum Ende der Monarchie gepflegt wurden.