Braunschweig Infanterie-Degen altes Modell für Offiziere im I. oder II. Bataillon des Infanterie-Regiment Nr. 92

Um 1885. Beidseitig doppelt gekehlte und geätzte Klinge, terzseitig mit dem braunschweigischen Wappen, auf der Fehlschärfe mit dem Hersteller "W.K&C", Länge der Klinge ca. 77.4 cm, Breite an der Wurzel ca. 2.3 cm, leicht fleckig, zum Ort hin mit ein paar Schlagkerben. Vernickeltes Stahlgefäß mit durchbrochen gearbeitetem Herrschermonogramm « ♔W», die Vernicklung gealtert, Rochenhautgriff mit vollständiger Drahtwicklung, nur eine Wicklung leicht gelockert. Vernickelte Stahlscheide, ab 1881 eingeführt, mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen, auch hier die Vernicklung stellenweise gealtert. Zustand 2-.

Gesamtlänge 92.5 cm.


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1.350,00

Braunschweig Infanterie-Degen altes Modell für Offiziere im I. oder II. Bataillon des Infanterie-Regiment Nr. 92

Der Braunschweiger Infanterie-Degen für Offiziere stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Tradition des Herzogtums Braunschweig im deutschen Kaiserreich dar. Dieses Exemplar aus der Zeit um 1885 wurde von Offizieren des I. oder II. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 92 getragen, einer Einheit, die tief in der Geschichte des braunschweigischen Militärwesens verwurzelt war.

Das Infanterie-Regiment Nr. 92 gehörte zum Kontingent des Herzogtums Braunschweig innerhalb der preußischen Armee. Nach der Reichsgründung 1871 wurden die verschiedenen deutschen Kontingente in die Struktur der kaiserlichen Armee integriert, behielten jedoch ihre regionalen Besonderheiten und Traditionen. Das Regiment trug seine Nummerierung innerhalb des preußischen Systems und war stolz auf seine braunschweigische Herkunft, was sich auch in der Ausgestaltung der Offizierswaffen widerspiegelte.

Die Klinge dieses Degens zeigt die charakteristischen Merkmale der Zeit: beidseitig doppelt gekehlt und geätzt, was sowohl funktionale als auch dekorative Zwecke erfüllte. Die Kehlung reduzierte das Gewicht der Waffe, ohne ihre Stabilität zu beeinträchtigen. Auf der Terzseite prangt das braunschweigische Wappen – das springende weiße Ross auf rotem Grund, das seit Jahrhunderten das Symbol des welfischen Herzogtums war. Die Fehlschärfe trägt die Herstellermarkierung “W.K&C”, die auf einen der zahlreichen Solingener Klingenschmiede hinweist, die für ihre Qualitätsarbeit im gesamten deutschen Reich bekannt waren.

Das Stahlgefäß mit seinem durchbrochen gearbeiteten Monogramm “W” verweist auf Herzog Wilhelm von Braunschweig, der von 1831 bis 1884 regierte. Sein Nachfolger, sein Sohn Albrecht, trat die Regentschaft erst nach Wilhelms Tod an, was die Datierung um 1885 als Übergangszeit besonders interessant macht. Das Monogramm diente nicht nur der Verzierung, sondern auch als Symbol der Treue zum Landesherrn und zur dynastischen Tradition.

Die Vernicklung des Gefäßes und der Scheide stellt eine technische Neuerung der 1870er und 1880er Jahre dar. Zuvor waren Offizierswaffen häufig vergoldet oder versilbert worden, doch die Vernicklung bot eine kostengünstigere und haltbarere Alternative. Die Einführung der vernickelten Stahlscheide ab 1881 markierte eine Modernisierung der Ausrüstung, die praktische Erwägungen mit dem repräsentativen Charakter der Offizierswaffe verband.

Der Rochenhautgriff (auch Fischgriff genannt) mit seiner vollständigen Drahtwicklung war Standard bei deutschen Offizierswaffen dieser Epoche. Die raue Oberfläche der Rochenhaut bot einen sicheren Halt, selbst bei Nässe oder schwitzenden Händen. Die Drahtwicklung, meist aus Bronzedraht gefertigt, diente sowohl funktionalen als auch ästhetischen Zwecken und war ein Zeichen handwerklicher Qualität.

Die Scheide mit ihren zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen entsprach den Vorschriften der Zeit. Diese Konstruktion ermöglichte es, den Degen mittels Portepee am Offiziersgürtel zu befestigen. Die beweglichen Ringe erlaubten eine natürliche Bewegung beim Gehen und verhinderten, dass die Waffe störend gegen das Bein schlug.

Der Infanterie-Degen war in dieser Zeit primär eine Standeswaffe und Würdezeichen des Offiziersranges. Während die praktische Bedeutung von Blankwaffen im Zeitalter der Hinterladergewehre und des Maschinengewehrs zunehmend schwand, blieb der Offiziersdegen ein unverzichtbarer Bestandteil der Uniform bei Paraden, Wachen und offiziellen Anlässen. Er symbolisierte die Ehre, Tradition und Führungsverantwortung des Offiziersstandes.

Die Unterscheidung zwischen dem “alten Modell” und späteren Varianten bezieht sich auf verschiedene Regulierungen, die im Laufe der Jahre vorgenommen wurden. Das deutsche Militär war bekannt für seine präzisen Vorschriften bezüglich Ausrüstung und Uniformierung, und selbst kleinste Details der Offizierswaffen waren genau geregelt.

Solche Waffen wurden üblicherweise von den Offizieren selbst erworben und waren oft kostbare Besitztümer, die mit Stolz getragen und manchmal über Generationen weitergegeben wurden. Sie repräsentieren nicht nur militärische Funktion, sondern auch soziale Stellung, regionale Identität und persönliche Ehre im Kaiserreich.