Deutsche Reichsbahn Paar Schulterstücke für Beamte des mittleren Dienst
Die Schulterstücke der Deutschen Reichsbahn für Beamte des mittleren Dienstes repräsentieren einen wichtigen Aspekt der uniformtechnischen Entwicklung des deutschen Transportwesens während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Deutsche Reichsbahn wurde 1920 aus den verschiedenen Länderbahnen des Deutschen Reiches gegründet und entwickelte sich zur größten staatlichen Eisenbahngesellschaft Europas.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die Reichsbahn zunehmend in das System des NS-Staates integriert. Die Uniformierung und Rangkennzeichnung der Reichsbahnbeamten folgte militärischen Prinzipien, obwohl die Reichsbahn formal eine zivile Institution blieb. Die Rangsterne auf den Schulterstücken dienten der Kennzeichnung der Dienststellung innerhalb der hierarchischen Struktur der Reichsbahn.
Der mittlere Dienst umfasste Beamte, die zwischen dem einfachen und dem gehobenen Dienst angesiedelt waren. Hierzu gehörten Positionen wie Zugführer, Lokomotivführer, Stationsaufseher und andere Funktionsträger, die für den reibungslosen Ablauf des Eisenbahnbetriebs unverzichtbar waren. Die Schulterstücke des mittleren Dienstes unterschieden sich in Farbe, Form und Anzahl der Rangsterne von denen anderer Dienstgrade.
Die Schulterstücke wurden typischerweise aus Tuch gefertigt und wiesen die charakteristische Form auf, die zum Einnähen in die Uniform vorgesehen war. Die Grundfarbe der Schulterstücke variierte je nach Dienststelle und Funktion. Die Rangsterne, oft aus Metall oder silberfarbenem Material, wurden aufgenäht oder aufgestickt und zeigten die genaue Dienststellung an.
Die Uniformordnungen der Reichsbahn wurden mehrfach überarbeitet, insbesondere in den Jahren 1935, 1937 und 1942. Diese Anpassungen spiegelten die zunehmende Militarisierung der Reichsbahn wider, die während des Zweiten Weltkriegs eine zentrale Rolle bei der Logistik der Wehrmacht, aber auch bei den Deportationen spielte. Die Reichsbahn transportierte Truppen, Kriegsmaterial, aber auch Millionen von Menschen in die Konzentrations- und Vernichtungslager.
Das Entfernen der Rangsterne von Schulterstücken war nach Kriegsende weit verbreitet. Dies geschah aus verschiedenen Gründen: Beamte wollten ihre Identität verbergen, Ausrüstungsgegenstände sollten für andere Zwecke verwendet werden, oder Sammler entfernten die Sterne für separate Aufbewahrung. Das vorliegende Paar mit entfernten Rangsternen ist typisch für solche nachträglichen Veränderungen.
Nach 1945 wurde die Deutsche Reichsbahn in den beiden deutschen Staaten unterschiedlich fortgeführt. In der DDR behielt sie den Namen Deutsche Reichsbahn bis zur Wiedervereinigung 1994, während in Westdeutschland die Deutsche Bundesbahn gegründet wurde. Die Uniformtraditionen wurden zwar fortgesetzt, aber von nationalsozialistischen Symbolen bereinigt.
Für Sammler und Historiker sind Schulterstücke der Reichsbahn wichtige Studienmaterialien, um die Organisation und Hierarchie des deutschen Transportwesens zu verstehen. Sie dokumentieren die Alltagsgeschichte einer Institution, die sowohl für den zivilen Verkehr als auch für die Kriegsführung und die Verbrechen des NS-Regimes zentral war.