Königliches Schloß zu Berlin - Souvenir

Korb aus vergoldetem Blech mit 2 seitlichen Henkeln, auf dem Deckel mit aufgelegten Medaillon mit Glasabdeckung, zeigend den Blick von Südosten von der Lange Brücke auf die Südfassade (Schlossplatzflügel) mit den Portalen II (links) und I (rechts) und die Ostfassade (Spreeflügel) des Schlosses, ca. 100x75x60 mm.
497362
150,00

Königliches Schloß zu Berlin - Souvenir

Das vorliegende Souvenir-Objekt repräsentiert eine faszinierende Kategorie von Erinnerungsstücken aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs, die eng mit der monarchischen Tradition und der repräsentativen Architektur Preußens verbunden ist. Das Königliche Schloss zu Berlin, dessen Ansicht auf diesem vergoldeten Blechkörbchen verewigt ist, bildete das Zentrum der preußisch-deutschen Monarchie und diente von 1443 bis 1918 als Hauptresidenz der Hohenzollern.

Die auf dem Deckelmedaillon dargestellte Perspektive zeigt den charakteristischen Blick von Südosten, von der Langen Brücke aus gesehen. Diese steinerne Brücke über die Spree, später Kurfürstenbrücke genannt, bot einen der eindrucksvollsten Ausblicke auf die monumentale Schlossarchitektur. Die sichtbaren Portal II und Portal I sowie die Süd- und Ostfassaden repräsentieren die barocke Pracht, die unter Andreas Schlüter ab 1698 und später unter Johann Friedrich Eosander von Göthe geschaffen wurde.

Souvenirs dieser Art wurden besonders während der wilhelminischen Ära zwischen 1871 und 1918 produziert, als das neugegründete Deutsche Kaiserreich ein gesteigertes nationales Bewusstsein entwickelte. Die Verwendung von vergoldetem Blech als Material war typisch für erschwingliche Andenken der gehobenen Mittelschicht. Diese Technik ermöglichte die Massenproduktion dekorativer Gegenstände, die einerseits luxuriös wirkten, andererseits aber für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich blieben.

Die Glasabdeckung über dem Medaillon diente nicht nur dem Schutz des Bildes, sondern verstärkte auch die Wertigkeit des Objekts. Solche Souvenirs wurden häufig als Berlin-Andenken von Touristen erworben oder als Geschenke zu besonderen Anlässen überreicht. Die Reichshauptstadt Berlin zog besonders nach der Reichsgründung 1871 zahlreiche Besucher an, die sich mit Erinnerungsstücken an die kaiserliche Residenzstadt ausstatten wollten.

Das Schloss selbst hatte eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges begann unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm der Ausbau zur barocken Residenz. Unter König Friedrich I. entstand ab 1698 die prachtvolle barocke Fassadengestaltung. Friedrich Wilhelm IV. ließ zwischen 1845 und 1853 durch Friedrich August Stüler weitere Umgestaltungen im Stil der Neorenaissance vornehmen.

Die auf dem Souvenir abgebildete Südfront zum Schlossplatz mit ihren beiden Hauptportalen war das repräsentative Gesicht des Schlosses. Portal I führte in den Schlüterhof, während Portal II den Zugang zum Eosanderhof bildete. Die Ostfassade entlang der Spree zeigte mit ihren charakteristischen Fensterachsen und der plastischen Gliederung die barocke Monumentalität der Hohenzollernresidenz.

Solche Souvenir-Objekte hatten auch eine politisch-symbolische Funktion. Sie verbreiteten das Bild der monarchischen Ordnung und der kaiserlichen Macht in den Haushalten des Bürgertums. Die Darstellung der Residenz diente der Repräsentation und Legitimation der Herrschaft. In einer Zeit ohne Fotografie für die breiten Massen waren solche Bilddarstellungen wichtige Medien der visuellen Kommunikation.

Die Herstellung erfolgte vermutlich in einer der zahlreichen Berliner Metallwaren-Manufakturen, die sich auf Galanteriewaren und Souvenirs spezialisiert hatten. Das Viertel um die Königstraße und die Klosterstraße beherbergte viele solcher Betriebe. Die Vergoldung wurde in der Regel durch Feuervergoldung oder später durch galvanische Verfahren erreicht.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Ausrufung der Weimarer Republik erhielten solche Souvenirs einen nostalgischen Charakter. Das Schloss selbst wurde zum Museum umfunktioniert. Die schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg 1945 und der spätere Abriss 1950/51 durch die DDR-Führung machten solche Souvenirs zu historischen Dokumenten einer verschwundenen Architektur. Erst mit dem Wiederaufbau als Humboldt Forum (2013-2020) entstand eine teilweise Rekonstruktion der barocken Fassaden.

Heute sind solche Souvenirs begehrte Sammlerobjekte, die nicht nur kunsthandwerklich interessant sind, sondern auch wichtige Zeugnisse der Erinnerungskultur des Kaiserreichs darstellen. Sie dokumentieren, wie sich die Monarchie selbst darstellte und wie sie von der Bevölkerung wahrgenommen werden sollte.

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