Preußen Artillerie Wachtmeistersäbel .
Gesamtlänge 102cm
Der preußische Artillerie-Wachtmeistersäbel repräsentiert eine wichtige Kategorie militärischer Seitenwaffen des deutschen Kaiserreichs und spiegelt die besondere Stellung der Artillerie innerhalb der preußischen Armee wider. Diese Säbel dienten als Rangabzeichen und Dienstwaffe für Unteroffiziere in den Artillerieeinheiten.
Die preußische Artillerie erfuhr während des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Modernisierung und Professionalisierung. Nach den Reformen von Gerhard von Scharnhorst und den Erfahrungen der Napoleonischen Kriege wurde besonderen Wert auf die Ausbildung qualifizierter Unteroffiziere gelegt. Wachtmeister bildeten das Rückgrat der Artillerieeinheiten und trugen entsprechende Rangabzeichen, zu denen auch spezielle Säbelformen gehörten.
Die charakteristische Pandurenspitze verweist auf eine traditionelle deutsche Klingenform, die sich von den österreichischen Panduren-Einheiten des 18. Jahrhunderts ableitet. Die Hohlkehlen dienten der Gewichtsreduktion und Verstärkung der Klingenstruktur, während sie gleichzeitig die Führung der Waffe verbesserten.
Besonders bemerkenswert ist die Abnahmemarkierung “Krone W 10”, die auf die staatliche Prüfung und Zulassung während der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888-1918) hinweist. Diese Markierungen gewährleisteten die Einhaltung militärischer Standards und die Qualität der Waffenproduktion.
Der Hersteller Alexander Coppel aus Solingen gehörte zu den renommierten Klingenschmieden der Region, die seit dem Mittelalter für ihre Stahlwarenproduktion bekannt war. Solingen entwickelte sich zum Zentrum der deutschen Schwert- und Säbelproduktion, wobei Firmen wie Coppel, Eickhorn oder WKC internationale Anerkennung erlangten.
Das Messinggefäß mit Löwenkopf folgt den preußischen Uniformbestimmungen und symbolisiert Mut und Stärke. Die gekreuzten Kanonenrohre an den Parierlappen identifizieren den Träger eindeutig als Angehörigen der Artillerie und unterscheiden ihn von Infanterie- oder Kavallerieeinheiten.
Der Rochenhautgriff mit Drahtwicklung entsprach den praktischen Anforderungen des Dienstes und bot sicheren Halt auch unter schwierigen Bedingungen. Diese Griffgestaltung war typisch für deutsche Militärsäbel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Solche Säbel begleiteten ihre Träger durch bedeutende historische Ereignisse wie die Einigungskriege (1864-1871), den Ersten Weltkrieg (1914-1918) und bildeten einen integralen Bestandteil der preußisch-deutschen Militärtradition. Sie verkörpern die Entwicklung der deutschen Armee von einer feudalen zu einer modernen, industrialisierten Streitmacht.