Dieses außergewöhnliche Uniformstück verkörpert einen faszinierenden Moment in der preußischen Militärgeschichte: den Übergang von der farbenprächtigen Friedensgarnitur zur feldgrauen Realität des Ersten Weltkriegs. Der hier vorliegende feldgraue Waffenrock Modell 1915 vereint in sich die Praktikabilität des Kriegstuchs mit den dekorativen Elementen einer projizierten Friedensuniform – ein Hybridkonzept, das auf eine Nachkriegszeit ausgerichtet war, die für das Kürassier-Regiment Nr. 2 niemals eintreten sollte.
Die Einführung der feldgrauen Friedensuniform
Die Geschichte der feldgrauen Friedensuniform mit farbigen Abzeichen beginnt bereits im Jahr 1907, als Preußen – anderen deutschen Bundesstaaten folgend – per Erlass diese Uniformgattung einführte. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde Feldgrau zur Standardfarbe aller deutschen Soldaten. Die Farbgebung entwickelte sich dabei von den hellgrauen Friedensuniformen hin zu dunkleren grüngrauen Tönen nach 1915. Am 21. September 1915 wurde in Preußen die vereinfachte M1915-Uniform eingeführt. Es existierten zwei Varianten: der Waffenrock M1915 für formelle Anlässe und die Feldgraue Bluse für den Felddienst.
Der vorliegende Waffenrock repräsentiert exakt dieses Hybridkonzept: feldgraues Material als Zugeständnis an die kriegsbedingte Notwendigkeit, kombiniert mit dekorativen Elementen in Friedensqualität – namentlich der Kollerborte mit karmesinroten Durchzügen und den farbigen Aufschlägen –, die für den künftigen Friedensdienst vorgesehen waren.
Das Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2
Das Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2 blickt auf eine lange und ruhmreiche Geschichte zurück. Sein Heimatstandort war Pasewalk in Pommern, wo es von 1721 bis 1919 mit kurzen Unterbrechungen garnisoniert war. Das Regiment gehörte organisatorisch zum II. Armee-Korps in Stettin, der 3. Division und der 3. Kavallerie-Brigade.
Am 28. Mai 1819 wurde das Regiment von einem Dragoner-Regiment zu einem Kürassier-Regiment umgewandelt. Seine endgültige Bezeichnung erhielt es am 4. Juni 1860. Die Regimentsfarbe war Karmesinrot (karmesinrote Abzeichenfarbe), die sich in den schwedischen Aufschlägen und der gesamten Garnierung manifestierte. Historische Quellen beschreiben den weißen Koller bzw. den dunkelblauen Dienst-Waffenrock mit karmesinroter Abzeichenfarbe, schwedischen Aufschlägen und silbernen Knöpfen.
Die berühmteste Waffentat des Regiments ereignete sich in der Schlacht bei Hohenfriedberg am 4. Juni 1745. Damals noch als Dragoner-Regiment Nr. 5 «Bayreuth-Dragoner» geführt, erbeutete das Regiment 67 österreichische Standarten, 5 Kanonen und nahm 2.500 Gefangene – eine Leistung, die in den Annalen der preußischen Militärgeschichte ihresgleichen sucht.
Eine besondere Ehre wurde dem Regiment zuteil, als Königin Luise von Preußen am 5. März 1806 zur Regimentschefin ernannt wurde. Nach ihrem Tod wurde am 4. August 1810 verfügt, dass das Regiment auf ewig den Namen «Regiment der Königin» tragen solle. Im Jahr 1914 war Kaiserin und Königin Auguste Victoria Regimentschefin. Der Regimentskommandeur von 1913 bis 1914 war Oberstleutnant Hans von Knobelsdorff.
Das Regiment im Ersten Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs kämpfte das Kürassier-Regiment Nr. 2 im Verbund mit dem 2. Pommerschen Ulanen-Regiment Nr. 9 als Teil der 3. Kavallerie-Brigade in der 6. Kavallerie-Division. Der Stellungskrieg machte die berittene Kavallerie zunehmend obsolet, und 1918 wurde das Regiment nach Abgabe seiner Pferde in ein Kavallerie-Schützen-Regiment umgewandelt – ein symbolisches Ende der Kürassier-Tradition auf dem Schlachtfeld.
Das Uniformstück im Detail
Der vorliegende Waffenrock ist ein elegantes Eigentumstück, gefertigt aus feldgrauem Gabardine-Tuch in feinster Offiziersqualität. Er weist einen hohen steifen Stehkragen auf. Kragen und Ärmelaufschläge sind in Karmesinrot gehalten. Die Kollerborte in Friedensqualität zeigt karmesinrote Durchzüge. Knopfleiste und Schöße sind karmesinrot paspeliert, die Knöpfe sind vernickelt. Die eingenähten Schulterstücke tragen vergoldete Auflagen einer Krone über «L» mit karmesinroter Nebenfarbe auf weißer Tuchunterlage, was den Träger als Leutnant ausweist. Das Innenfutter besteht aus feldgrünem Tuch.
Auflösung und Traditionspflege
Nach dem Waffenstillstand zog sich das Regiment nach Pommern zurück und wurde 1919 formell aufgelöst. Seine Tradition wurde in der Reichswehr von der 1. Schwadron des 6. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Pasewalk fortgeführt. In der Bundeswehr übernahmen das Panzerbataillon 153 sowie die Panzergrenadierbataillone 411 und 412 die Traditionspflege. Das Panzergrenadierbataillon 411 begeht bis heute den «Hohenfriedberg-Tag» am Jahrestag der Schlacht von 1745, und seine Kaserne trägt den Namen «Kürassier-Kaserne» zu Ehren des Regiments.
Die extreme Seltenheit dieses Uniformstücks – der anbietende Händler gibt an, in über 35 Geschäftsjahren erstmals ein solches Stück anbieten zu können und keine weitere Uniform dieses Typs zu kennen – unterstreicht den außerordentlichen Sammlerwert dieses feldgrauen Waffenrocks, der eine einzigartige Momentaufnahme der preußischen Uniformgeschichte zwischen Tradition und Moderne darstellt.