Deutsche Reichsbahn - große Geschenkplakette 

Metallplakette 18,5 x 20,5 cm, vergoldet und getönt. Darstellung : Adler ( ohne Hakenkreuz ) über elektrischem Triebwagen, darunter große Lokomotive, Widmungsplakette " Verein Deutscher Lokomotivführer Bez. Mainz seinem treuen Mitgliede u. langjährigen Ortsgr. Leiter Hermann Seibert Ortsgr. Worms 1. April 1935 ", Zustand 2.
390163
130,00

Deutsche Reichsbahn - große Geschenkplakette 

Die vorliegende Geschenkplakette der Deutschen Reichsbahn repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Eisenbahngeschichte während der frühen Jahre des nationalsozialistischen Regimes. Diese vergoldete und getönte Metallplakette, datiert auf den 1. April 1935, wurde vom Verein Deutscher Lokomotivführer, Bezirk Mainz, an Hermann Seibert verliehen, einem langjährigen Mitglied und Ortsgruppenleiter in Worms.

Die Deutsche Reichsbahn war das staatliche Eisenbahnunternehmen, das 1920 aus den verschiedenen Länderbahnen des Deutschen Reiches hervorgegangen war. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Reichsbahn zunehmend in die Strukturen des NS-Staates integriert. Die Eisenbahn spielte eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung, die militärische Mobilität und die Infrastruktur des Dritten Reiches.

Der Verein Deutscher Lokomotivführer (VDL) war eine bedeutende Berufsorganisation, die die Interessen der Lokomotivführer vertrat. Diese Gewerkschaft hatte eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichte. Nach 1933 wurden alle Gewerkschaften und Berufsverbände im Rahmen der Gleichschaltung in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt oder aufgelöst. Der VDL existierte in dieser Übergangszeit noch als Organisation, wurde jedoch zunehmend nationalsozialistisch ausgerichtet.

Bemerkenswert an dieser Plakette ist die Darstellung eines Adlers ohne Hakenkreuz. Dies ist historisch bedeutsam, da ab 1935 das Hakenkreuz zunehmend zu einem obligatorischen Element der offiziellen Symbolik wurde. Die Abwesenheit des Hakenkreuzes könnte darauf hindeuten, dass die Plakette in einer Übergangsphase entstand, als ältere Designs noch verwendet wurden, oder dass bewusst auf die Einbeziehung des nationalsozialistischen Symbols verzichtet wurde. Der Reichsadler war traditionell ein Symbol deutscher Staatlichkeit, das weit über die NS-Zeit hinausreicht.

Die bildliche Darstellung zeigt einen elektrischen Triebwagen und eine große Lokomotive, was die technologische Modernisierung der Deutschen Reichsbahn in den 1930er Jahren symbolisiert. Die Elektrifizierung des Schienennetzes war ein wichtiges Projekt dieser Ära. Moderne elektrische Triebwagen wie die ET 85-Serie oder die SVT-Schnelltriebwagen (Schnellverkehrstriebwagen) repräsentierten den technischen Fortschritt und die Leistungsfähigkeit der deutschen Ingenieurkunst.

Die Verleihung solcher Ehrenplaketten war im Eisenbahnwesen weit verbreitet und diente der Anerkennung langjähriger Treue und besonderer Verdienste. Hermann Seibert wird als “treues Mitglied” und “langjähriger Ortsgruppenleiter” gewürdigt, was auf eine bedeutende Rolle in der lokalen Organisation hinweist. Solche Auszeichnungen stärkten die Bindung zwischen Mitgliedern und Organisation und förderten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des beruflichen Stolzes.

Die Ortsgruppe Worms gehörte zum Bezirk Mainz, einem wichtigen Knotenpunkt im rheinland-pfälzischen Eisenbahnnetz. Die Region war verkehrstechnisch bedeutsam für die Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Süddeutschland. Lokomotivführer waren hochqualifizierte Fachkräfte, deren Expertise für den reibungslosen Betrieb des Eisenbahnnetzes unerlässlich war.

Der historische Kontext des Jahres 1935 ist wichtig: In diesem Jahr führte das NS-Regime die allgemeine Wehrpflicht wieder ein, verkündete die Nürnberger Gesetze und intensivierte seine Rüstungspolitik. Die Reichsbahn wurde zunehmend für militärische Zwecke instrumentalisiert, was später im Zweiten Weltkrieg eine tragische Bedeutung erlangen sollte, insbesondere bei der Deportation von Verfolgten.

Solche Plaketten sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Alltagskultur, die Organisationsstrukturen und die Ehrungspraktiken der damaligen Zeit geben. Sie dokumentieren die Geschichte einer Institution, die tief in die deutsche Gesellschaft verwoben war und sowohl technologischen Fortschritt als auch die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte verkörpert.