Deutscher Siedlerbund ( DSB )

Mitgliedsabzeichen, lackierte Ausführung, an Nadel, Hersteller : Aurich Dresden GES.GESCH., Zustand 2.
498663
€ 60,00

Deutscher Siedlerbund ( DSB )

Deutscher Siedlerbund (DSB) – Mitgliedsabzeichen

Das vorliegende Abzeichen repräsentiert die Mitgliedschaft im Deutschen Siedlerbund (DSB), einer Organisation, die in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle in der deutschen Siedlungspolitik spielte. Dieses lackierte Mitgliedsabzeichen wurde von der Firma Aurich Dresden hergestellt, einem bekannten Hersteller von Abzeichen und militärischen Auszeichnungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Der Deutsche Siedlerbund entstand aus der Siedlungsbewegung der 1920er Jahre, die als Reaktion auf die schwere Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weimarer Republik gegründet wurde. Die Organisation verfolgte das Ziel, deutschen Familien zu eigenem Grundbesitz und Siedlungsstätten zu verhelfen, wobei die Idee des Selbstversorgerhaushalts und der Verbindung von städtischer Arbeit mit ländlicher Lebensweise im Vordergrund stand.

Die Siedlerbewegung gewann nach 1933 unter dem nationalsozialistischen Regime eine neue, ideologisch aufgeladene Bedeutung. Der DSB wurde in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert und diente der Umsetzung der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie. Die Siedlungspolitik wurde nun mit rassenpolitischen Zielen verknüpft und sollte zur Schaffung eines “gesunden Volkskörpers” beitragen.

Das Mitgliedsabzeichen selbst zeigt die typische Verarbeitungsqualität deutscher Abzeichenhersteller der 1930er und 1940er Jahre. Die lackierte Ausführung war eine gängige Herstellungsmethode, bei der auf eine Metallbasis mehrere Schichten farbigen Lacks aufgetragen wurden. Diese Technik ermöglichte die Produktion farbiger Abzeichen zu relativ günstigen Kosten und in größeren Stückzahlen. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite war die Standardmethode zur Anbringung an der Zivilkleidung.

Die Firma Aurich Dresden, gekennzeichnet durch die Herstellermarkierung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt), war einer von vielen spezialisierten Herstellern in Dresden, einer Stadt, die für ihre Tradition in der Herstellung von Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen bekannt war. Dresden entwickelte sich im Kaiserreich und in der Weimarer Republik zu einem Zentrum der deutschen Abzeichenindustrie, wobei zahlreiche Firmen dort ansässig waren.

Die Mitgliedsabzeichen des DSB dienten mehreren Zwecken: Sie waren einerseits Ausweis der Zugehörigkeit zur Organisation und dokumentierten das Engagement des Trägers für die Siedlungsbewegung. Andererseits hatten sie auch eine repräsentative und propagandistische Funktion im Rahmen des nationalsozialistischen Organisationswesens. Das öffentliche Tragen solcher Abzeichen war Teil der Durchdringung des Alltags mit nationalsozialistischer Symbolik.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden der Deutsche Siedlerbund und alle anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst. Die Siedlerbewegung selbst erfuhr in der Nachkriegszeit eine Neuausrichtung, wobei die demokratischen Siedlerorganisationen in beiden deutschen Staaten an die Traditionen der Weimarer Zeit anknüpften, jedoch strikt von der NS-Ideologie Abstand nahmen.

Aus heutiger Sicht sind solche Abzeichen wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur und Alltagskultur der NS-Zeit geben. Sie dokumentieren die Durchdringung der Gesellschaft mit nationalsozialistischen Organisationen und die Instrumentalisierung ursprünglich unpolitischer Bewegungen für ideologische Zwecke. Für Sammler und Historiker sind sie Zeugnisse einer vergangenen Epoche, die es kritisch zu betrachten und historisch einzuordnen gilt.

Die Erhaltung solcher Objekte in Sammlungen und Museen dient der historischen Bildung und Forschung. Sie erinnern an die Mechanismen totalitärer Herrschaft und die Bedeutung der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Das vorliegende Abzeichen in seinem guten Erhaltungszustand (Zustand 2) ist ein authentisches Beispiel für die materielle Kultur der NS-Zeit und dokumentiert einen Aspekt der deutschen Sozial- und Organisationsgeschichte des 20. Jahrhunderts.