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Eigenhändige Unterschrift Willy Liebel, Oberbürgermeister der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg. Sonderabdruck aus der Heimatzeitschrift "Das Bayerland",

Mit Geleit von Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Willy Liebel mit eigenhändiger Bleistift-Unterschrift. Im Innenteil mit zahlreichen unbekannten Unterschriften. Softcover mit 96 Seiten + Werbeanhang, bebildert. herausgegeben von L. Deubner, Verlag Müller & Sohn München. Einband leicht gelöst, Zustand 2
513263
220,00

Ein Sonderabdruck aus Das Bayerland mit der eigenhändigen Unterschrift von Oberbürgermeister Willy Liebel

Das vorliegende Objekt ist ein Sonderabdruck aus der Heimatzeitschrift Das Bayerland, versehen mit einem Geleitwort des Oberbürgermeisters der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg, Willy Liebel, und dessen eigenhändiger Bleistift-Unterschrift. Es handelt sich um ein Softcover-Heft mit 96 Seiten zuzüglich eines Werbeanhangs, reich bebildert, herausgegeben von Ludwig Deubner und gedruckt im Verlag Müller & Sohn (Buchgewerbehaus M. Müller & Sohn KG) in München. Im Innenteil finden sich zahlreiche weitere, nicht identifizierte Unterschriften.

Die Zeitschrift Das Bayerland

Die Zeitschrift Das Bayerland wurde 1889 von Heinrich Leher als “Illustrierte Wochenschrift für Bayerns Volk und Land” gegründet. Ursprünglich der bayerischen Kultur, Regionalgeschichte und Volkskunde gewidmet, enthielt sie vornehmlich historische und landeskundliche Beiträge mit reicher Bebilderung. Im Laufe der Jahre wandelte sie sich zu einer Halbmonatszeitschrift. Ab den frühen 1930er Jahren übernahm der Münchner Verleger Ludwig Deubner die Herausgeberschaft. Nach 1933 geriet die Zeitschrift zunehmend unter nationalsozialistischen Einfluss und wurde schließlich 1943 kriegsbedingt eingestellt. Die Produktion von Sonderabdrücken – also eigenständigen Nachdrucken thematisch zusammengehöriger Beiträge aus der Zeitschrift – war dabei eine gängige Praxis.

Der Verlag Müller & Sohn

Der Druck erfolgte im Buchgewerbehaus M. Müller & Sohn KG in der Münchner Schellingstraße, einem Gebäudekomplex, der verschiedene Druckereien und Verlage beherbergte, darunter auch den Bayerland Verlag. Das Verlagshaus von Adolf Müller galt bereits 1939 als das modernste Druck- und Verlagsunternehmen Deutschlands. Ab 1925 bis 1945 druckte dieses Haus unter anderem Hitlers Mein Kampf. Am 10. März 1943 wurde ein großer Teil des Buchgewerbehauses durch einen alliierten Luftangriff zerstört. Verleger Adolf Müller wurde nach Kriegsende verhaftet und am 23. Mai 1945 erhängt in seiner Zelle im Gefängnis Stadelheim aufgefunden.

Willy Liebel – Oberbürgermeister der Stadt der Reichsparteitage

Willy Liebel wurde am 31. August 1897 in Nürnberg geboren. Er trat am 5. November 1925 der NSDAP bei und erhielt die Mitgliedsnummer 23.091. Als frühes Parteimitglied wurde ihm später das Goldene Parteiabzeichen verliehen. Liebel war Mitglied der SA und erreichte im August 1941 den Rang eines SA-Obergruppenführers.

Am 16. März 1933 wurde Liebel zum Oberbürgermeister von Nürnberg ernannt, ein Amt, das er bis zu seinem Tod im April 1945 innehatte. Hitler proklamierte Nürnberg zur “Stadt der Reichsparteitage”, ein Titel, der 1936 per Ministerialerlass offiziell gemacht wurde. In seiner Funktion als Oberbürgermeister war Liebel zugleich Vorsitzender des Zweckverbands Reichsparteitag, der für die Organisation und Durchführung der jährlichen NSDAP-Reichsparteitage in Nürnberg von 1933 bis 1938 verantwortlich zeichnete.

Im Zuge des Zweiten Weltkriegs übernahm Liebel eine weitere bedeutende Funktion auf Reichsebene: Als Albert Speer im Februar 1942 die Leitung des Reichsministeriums für Bewaffnung und Kriegsproduktion übernahm, ernannte er Liebel zum Leiter der Planungsabteilung. Liebel verband somit kommunale Verwaltung mit der Rüstungsplanung des Reiches.

Willy Liebel starb am 20. April 1945 in Nürnberg – Hitlers 56. Geburtstag. Die meisten Quellen geben an, dass er in den frühen Morgenstunden dieses Tages durch Suizid mittels Kopfschuss starb. Dies berichtete Oberst Richard Wolf, ein hoher Wehrmachtskommandeur, der im Polizeibunker anwesend war.

Historische Einordnung und Sammlungsbedeutung

Dieses Stück vereint mehrere Ebenen der nationalsozialistischen Geschichte in einem einzigen Objekt. Die eigenhändige Unterschrift Liebels in Bleistift auf dem Geleitwort verleiht dem Heft einen unmittelbaren persönlichen Bezug zu einer zentralen Figur der Nürnberger Stadtgeschichte im Dritten Reich. Die Zeitschrift Das Bayerland selbst steht exemplarisch für die Gleichschaltung der bayerischen Kulturpublikationen nach 1933, während der Verlag Müller & Sohn als Drucker von Mein Kampf eine Schlüsselrolle in der Propagandamaschinerie des Regimes einnahm.

Der Sonderabdruck wurde in der Zeit zwischen 1933 und 1943 veröffentlicht – dem Zeitraum, in dem die Zeitschrift unter nationalsozialistischem Einfluss stand und Liebel als Oberbürgermeister amtierte. Die zahlreichen unbekannten Unterschriften im Innenteil des Heftes deuten darauf hin, dass das Exemplar möglicherweise bei einem offiziellen Anlass oder einer Veranstaltung kursierte, doch lassen sich Identität und Kontext dieser Signaturen nicht verifizieren.

Als zeithistorisches Dokument verbindet dieses Objekt die Geschichte einer traditionsreichen bayerischen Kulturzeitschrift, eines bedeutenden Münchner Verlagshauses und einer Schlüsselfigur der nationalsozialistischen Kommunalpolitik. Es ist ein Zeugnis der Durchdringung des kulturellen Lebens durch das Regime und ein authentisches Stück der Nürnberger Stadtgeschichte des Dritten Reiches.