III.Reich Paar Steigfelle für Skier
Die Steigfelle für Skier (auch Skifelle genannt) waren ein unverzichtbares Ausrüstungsstück der Gebirgstruppen und winterkampferfahrenen Einheiten der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Diese speziellen Felle ermöglichten es Soldaten, mit Skiern auch steile Aufstiege zu bewältigen, ohne rückwärts zu rutschen – eine Fähigkeit, die in den Winterkampfgebieten Nordeuropas, des Alpenraums und besonders an der Ostfront von entscheidender Bedeutung war.
Technische Konstruktion und Funktion
Das vorliegende Paar Steigfelle zeigt die typische Konstruktion dieser Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit des Dritten Reichs. Die Unterseite bestand aus echtem Tierfell, meist von Seehunden oder Ziegen, dessen Haare in eine bestimmte Richtung wiesen. Diese natürliche Eigenschaft ermöglichte es, dass die Skier beim Vorwärtsschieben und beim Aufstieg glitten, während sie beim Rückwärtsrutschen durch die gegen den Strich stehenden Haare Halt boten. Die Oberseite war aus strapazierfähigem Leinen gefertigt, das die nötige Stabilität und Haltbarkeit gewährleistete. Mit einer Länge von etwa 170 Zentimetern (inklusive der vorderen Schlaufe) entsprachen diese Felle den Standardmaßen der damaligen Militärskier.
Befestigungssystem
Die Befestigung erfolgte durch ein durchdachtes System aus Schlaufen und Schnallen. Die vordere Schlaufe wurde um die Skispitze gelegt, während die Schnallen – in diesem Fall vollständig erhalten – an den Seiten und am hinteren Ende für einen festen Sitz sorgten. Diese Befestigungsmethode musste auch bei extremen Wetterbedingungen und mit steifen, gefrorenen Fingern funktionieren, weshalb Einfachheit und Zuverlässigkeit oberste Priorität hatten.
Historischer Kontext und militärische Bedeutung
Die Entwicklung und der Einsatz von Steigfellen in der deutschen Wehrmacht basierten auf jahrhundertealten alpinen Traditionen. Bereits im Ersten Weltkrieg hatten die österreichisch-ungarischen und deutschen Gebirgstruppen im Alpenkrieg gegen Italien die Bedeutung der Winterausrüstung erkannt. Diese Erfahrungen flossen in die Aufstellung und Ausrüstung der Gebirgsjäger-Divisionen der Wehrmacht ein.
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und dem darauffolgenden Russlandfeldzug gewann die Winterausrüstung dramatisch an Bedeutung. Der erste Winter 1941/42 traf die deutsche Wehrmacht weitgehend unvorbereitet, und der Mangel an geeigneter Winterausrüstung führte zu katastrophalen Verlusten. In den Folgejahren wurde die Produktion von Winterkampfausrüstung, einschließlich Skiern und Steigfellen, massiv ausgeweitet.
Einsatzgebiete
Steigfelle kamen in verschiedenen Kriegsschauplätzen zum Einsatz: In Norwegen und Finnland, wo deutsche Truppen bis 1945 stationiert waren, im Alpenraum bei Ausbildung und Grenzsicherung, sowie an der Ostfront, besonders in den Wintermonaten. Die 1. Gebirgs-Division, die 4. Gebirgs-Division und andere spezialisierte Einheiten waren regelmäßig auf diese Ausrüstung angewiesen. Auch die SS-Gebirgs-Divisionen und spezielle Skijaeger-Bataillone nutzten vergleichbare Ausrüstung.
Produktion und Materialbeschaffung
Die Herstellung von Steigfellen war arbeitsintensiv und erforderte spezielle Materialien. Das Fell musste sorgfältig ausgewählt, gegerbt und auf die richtige Länge zugeschnitten werden. Die Leinenrückseite musste wasserdicht oder zumindest wasserabweisend behandelt werden. Angesichts der kriegsbedingten Materialknappheit wurde die Beschaffung hochwertiger Felle zunehmend schwieriger, was sich in der Qualität späterer Produktionen niederschlug.
Erhaltungszustand und Sammlerwert
Ein Paar Steigfelle in Zustand 2 mit allen vorhandenen Schnallen und intakten Schlaufen ist heute als militärhistorisches Objekt von beachtlichem Interesse. Die meisten Steigfelle wurden während des Krieges intensiv genutzt und zeigten entsprechende Verschleißerscheinungen, oder sie gingen in den Kriegswirren verloren. Erhaltene Exemplare dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung der Winterkampfausrüstung, sondern auch die extremen Bedingungen, unter denen Soldaten im Zweiten Weltkrieg kämpfen mussten.
Fazit
Diese Steigfelle repräsentieren einen wichtigen Aspekt der militärischen Ausrüstungstechnik des Dritten Reichs. Sie zeigen, wie traditionelle alpine Techniken für militärische Zwecke adaptiert wurden und illustrieren die Bedeutung der Logistik und der materialgerechten Ausrüstung für die Kampfkraft von Truppen unter extremen klimatischen Bedingungen. Als Studienobjekt bieten sie Einblick in die Alltagsrealität der Gebirgskriegsführung zwischen 1939 und 1945.