Kaiserliche Marine weiße Tellermütze für den Schiffsjungen «Pattberg» auf der «S.M.S. Victoria Louise»

Kammerstück 1911. Fertigung aus weißem Baumwollstoff, sogenannte "Waschmütze", komplett mit aufgenähter Kokarde und dem Mützenband «S.M.S. Victoria Louise» in rot für Schiffsjungen. Innen der Kammerstempel «B.A.W. 1. 3. 11 57», daneben der Aufnäher «Pattberg». Größe ca. 53. Fleckig. Zustand 2.

https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_Louise
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650,00

Kaiserliche Marine weiße Tellermütze für den Schiffsjungen «Pattberg» auf der «S.M.S. Victoria Louise»

Diese weiße Tellermütze aus der Kaiserlichen Marine repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis des alltäglichen Lebens an Bord eines deutschen Kriegsschiffes im Jahr 1911. Die Mütze gehörte einem Schiffsjungen namens Pattberg, der auf der S.M.S. Victoria Louise diente, einem geschützten Kreuzer, der zu diesem Zeitpunkt als Ausbildungsschiff eingesetzt wurde.

Die S.M.S. Victoria Louise wurde 1899 in Dienst gestellt und nach Prinzessin Victoria Louise, der Tochter von Kaiser Wilhelm II., benannt. Nach ihrem aktiven Flottendienst von 1899 bis 1906 und einer anschließenden Modernisierung zwischen 1906 und 1908 diente das Schiff ab 1908 bis zum Ersten Weltkrieg als Ausbildungsschiff für Seekadetten und Schiffsjungen. In dieser Funktion unternahm die Victoria Louise Ausbildungsfahrten nach Norwegen, ins Mittelmeer, nach Nordamerika und in die Westindischen Inseln.

Die vorliegende Mütze trägt einen Kammerstempel mit der Bezeichnung "B.A.W. 1. 3. 11 57", der auf eine Ausgabe durch ein Bekleidungsamt am 1. März 1911 hinweist, wobei die Nummer 57 die Ausgabenummer von diesem Depot an diesem Datum darstellt. Das Schiff kehrte am 7. März 1911 nach Kiel von einer Mittelmeerfahrt zurück und nahm anschließend Kadetten für Ausbildungsfahrten in die Ostsee und nach norwegischen Gewässern an Bord. Der junge Pattberg erhielt seine Mütze also genau in dieser Zeit intensiver Ausbildungstätigkeit.

Die weiße Sommervariante der Tellermütze war die praktische Alternative zur standardmäßigen dunkelblauen Tuchmütze. Während die dunkelblaue Version zur Winteruniform und bei feierlichen Anlässen getragen wurde, kam die weiße Baumwollausführung während der Sommermonate und in tropischen Gewässern zum Einsatz. Diese "Waschmütze", wie sie bezeichnet wurde, war besonders praktisch für die Waschbarkeit während ausgedehnter Überseefahrten und den Einsatz in wärmeren Klimazonen.

Ein entscheidendes Merkmal dieser Mütze ist das Mützenband in roter Beschriftung. Die Farbe des Mützenbandes variierte nach Dienstgrad in der Kaiserlichen Marine: Reguläre Matrosen trugen goldene Schrift auf schwarzem Grund, technisches Personal trug silberne Beschriftung, Schiffsjungen trugen rote Beschriftung, und Offiziere trugen goldene Bänder. Die rote Farbe kennzeichnete somit die niedrigste Mannschaftsdienstgradgruppe in der Hierarchie der kaiserlichen Marine.

Schiffsjungen bildeten den untersten Dienstgrad in der Kaiserlichen Marine und waren typischerweise Jugendliche, die ihre maritime Ausbildung an Bord von Schiffen wie der Victoria Louise absolvierten. Unter den Kadetten, die auf der Victoria Louise dienten, befand sich beispielsweise Theodor Krancke im Jahr 1912, der später im Zweiten Weltkrieg den schweren Kreuzer Admiral Scheer befehligte.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde die Victoria Louise kurzzeitig bei der 5. Aufklärungsgruppe mobilisiert, dann aber Ende 1914 aus dem aktiven Dienst zurückgezogen. Bis 1919 diente sie als Minenlager und Wohnschiff in Danzig. Am 1. Oktober 1919 wurde sie aus dem Marineregister gestrichen, an die Firma Norddeutscher Tiefbau verkauft und 1920 zu einem Frachter umgebaut, der den Namen Flora Sommerfeld erhielt. In den Jahren 1922 bis 1923 wurde das Schiff schließlich verschrottet.

Der Tellermützen-Stil, der seit den 1870er Jahren von der Kaiserlichen Marine verwendet wurde, setzte sich auch bei der Reichsmarine und später der Kriegsmarine fort, wobei allerdings Insignien und Mützenbänder modifiziert wurden. Diese weiße Mütze des Schiffsjungen Pattberg bleibt somit ein authentisches Zeugnis einer Übergangszeit in der deutschen Marinegeschichte, kurz vor dem verheerenden Ersten Weltkrieg.