Luftwaffe Fallschirmjägerhelm M38 – Ein Relikt der legendären deutschen Luftlandetruppen
Unter den Sammlerstücken des Zweiten Weltkriegs nimmt der Fallschirmjägerhelm M38 eine besondere Stellung ein. Als speziell für die Luftlandetruppen der Luftwaffe entwickelter Stahlhelm verbindet er technische Innovation mit der nahezu legendären Geschichte der deutschen Fallschirmjäger – jener Eliteeinheiten, die von den alliierten Streitkräften den Beinamen “Grüne Teufel” erhielten.
Entstehung und Entwicklung
Die erste Fallschirmjägereinheit wurde 1936 im Rahmen der neu organisierten Luftwaffe aufgestellt, was offiziell die Gründung der deutschen Luftlandewaffe markierte. 1938 wurde die Fallschirmtruppe unter General Kurt Student formal etabliert. Student trieb unbeirrt seinen Traum einer Fallschirmtruppe voran, deren militärischer Standard und Moral weit über denen gewöhnlicher Kampfeinheiten liegen sollten.
Ursprünglich verwendeten die deutschen Luftlandetruppen den Standard-Stahlhelm M35, der in der gesamten Wehrmacht verbreitet war. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass dieser Helm für Fallschirmsprünge ungeeignet war, da er beim Sprung erheblichen Luftwiderstand verursachte. Ein zu locker befestigter Helm konnte dem Springer vom Kopf gerissen werden, und war er zu fest geschnallt, drohte Erstickungsgefahr. Ab 1936 wurde daher in den Eisenhüttenwerken an einem speziell für die Luftlandetruppen bestimmten Helm gearbeitet. Das Ergebnis war ein von Ingenieur Karl Heisler entworfener Fallschirmhelm, der unter der Bezeichnung M38 von der Truppe übernommen wurde.
Technische Merkmale
Der M38 wurde vom Standard-M35 abgeleitet, war jedoch kleiner, stromlinienförmiger und mit einer deutlich reduzierten Krempe versehen. Die Helmglocke wurde in einer Reihe von Arbeitsgängen aus einem einzigen Stück Stahlblech von 1,5 mm Dicke gefertigt. Produziert wurde er in den Größen 66, 68 und 71. Bei der Größe 71, wie beim vorliegenden Exemplar, entsprach dies den Kopfweiten 59, 60 und 61.
Sämtliche Fallschirmjägerhelme wurden von der Eisenhüttenwerke AG in Thale (Fabrikcode ET) hergestellt. Helme aus der späten Kriegsproduktion tragen statt des ET-Stempels die Kennzeichnung CKL. Die Helmglocken wurden innen mit dem Herstellercode, der Größennummer und einer Losnummer am hinteren Rand gestempelt.
Die eigentliche Passform wurde durch eine Lederkappe mit runden Belüftungslöchern hergestellt. Sowohl ein Mikrogummi-Einsatz als auch die Lederkappe waren an einem Aluminiumring von 1 mm Dicke befestigt. Alle Innenausstattungsteile wurden mit vier Schrauben an der Helmglocke verschraubt. Die Helme erhielten auf der rechten Seite ein nationalfarbenes Wappenschild und auf der linken Seite ein Luftwaffe-Adler-Abziehbild. Spätere Kriegshelme wurden graugrün oder sandfarben lackiert. Helme aus der mittleren bis späten Kriegszeit trugen keine Abziehbilder mehr. Der Innenfutterhersteller Karl Heisler, Berlin ist als einer der Hauptproduzenten der M38-Innenfutter bestätigt.
Varianten und Klassifikation
Im Sammlerbereich sind drei Helmtypen bekannt: der M36 (äußerst selten), der M37 (selten) und der M38 (vergleichsweise häufig). M37-Helme wurden im Krieg häufig auf M38-Spezifikation aufgerüstet. 1942 wurde ein neues Modell eingeführt, bei dem der Rand der Helmschale scharf belassen und nicht wie bei früheren Modellen umgerollt wurde. Diese Modelle sind in der Sammlergemeinschaft als M40 und M42 bekannt. Auf diesen Helmen finden sich zwei verschiedene Typen von Luftwaffe-Abziehbildern.
Kampfeinsätze
Die Fallschirmjäger bewährten sich in einer Reihe bedeutender Operationen. Während der Invasion der Niederlande wurden über 2.000 Soldaten der 7. Flieger-Division eingesetzt, während etwa 12.000 Soldaten der 22. Luftlande-Division teilnahmen. Die Fallschirmjäger eroberten erfolgreich Brücken bei Moerdijk und Dordrecht, wobei sie bei der Einnahme von Dordrecht schwere Verluste erlitten. Zudem gelang die Eroberung der Flugplätze von Valkenburg, Ockenburg, Waalhaven und Ypenburg.
Die Schlacht um Kreta im Mai 1941 stellte einen Wendepunkt dar. Die deutschen Fallschirmjäger erlitten fast 7.000 Verluste durch den erbitterten Widerstand der kretischen Zivilbevölkerung und der alliierten Truppen. Infolge dieser schweren Verluste verbot Adolf Hitler weitere großangelegte Luftlandeoperationen. Nach Mitte 1944 wurden Fallschirmjäger nicht mehr als Fallschirmtruppen ausgebildet, behielten jedoch die ehrenvolle Bezeichnung Fallschirmjäger bei.
Reputation und Vermächtnis
General Sir John Hackett, selbst ein Luftlandeoffizier, der bei Monte Cassino und Arnhem gegen die Fallschirmjäger gekämpft hatte, bezeichnete sie als die entschlossensten deutschen Soldaten, denen er je begegnet war. Viele andere betrachteten sie als die beste leichte Infanterie der Militärgeschichte. Die Fallschirmjäger kämpften im Angriff mit außergewöhnlichem Mut und in der Verteidigung mit beispielloser Zähigkeit.
Eine bemerkenswerte Nachkriegsverwendung betrifft polnische Panzerbesatzungen des 2. Korps der Polnischen Streitkräfte im Westen, die erbeutete M38-Helme nutzten, da diese aufgrund ihrer geringen Größe und des festen Sitzes ideal für Panzerbesatzungen waren. Die Verwendung wurde jedoch streng untersagt, da es vorkam, dass die eigene Infanterie die aus ihren Fahrzeugen steigenden Panzerbesatzungen für Deutsche hielt und das Feuer auf sie eröffnete.
Sammlerwert und Nachkriegsgeschichte
Spezialisierte M38 Fallschirmjägerhelme sind außergewöhnlich selten und erzielen auf dem Sammlermarkt Spitzenpreise. Nach dem Krieg entstand in Europa ein florierender Markt für deutsche Militaria des Zweiten Weltkriegs. M38-Helme waren besonders begehrt, sowohl wegen ihrer Seltenheit als auch wegen des nahezu legendären Status der Einheiten. Dies führte dazu, dass Unternehmen in der tschechischen Region der Tschechoslowakei begannen, hochwertige Museumsreplikate von M38-Helmen sowie Innenfutter zur Restaurierung originaler Helmschalen herzustellen. Nach dem Krieg verwendeten der westdeutsche Bundesgrenzschutz und einige westdeutsche Polizeieinheiten den Stahlhelm weiterhin, wobei die Fallschirmjägervariante zeitweise von der GSG 9 genutzt wurde.
Das vorliegende Exemplar mit seinem ET 71-Stempel, dem Karl Heisler-Innenfutter in Kopfweite 61, dem erhaltenen Luftwaffe-Adler-Abziehbild und der Tarnlackierung stellt ein eindrucksvolles Zeugnis dieser außergewöhnlichen Truppe dar.