Diese Urkundengruppe umfasst vier separate Verleihungsurkunden, die einem Oberfeldwebel Burmeister der III. Gruppe des Schlachtgeschwaders 3 zwischen Februar 1943 und August 1944 verliehen wurden. Als zusammenhängendes Dokumentenkonvolut eines einzelnen Empfängers bietet diese Gruppe einen bemerkenswerten Einblick in die Laufbahn eines Luftwaffen-Besatzungsmitglieds während der intensivsten Phase der Luftkriegsoperationen an der Ostfront und im Mittelmeerraum.
Die einzelnen Dokumente
Das Konvolut besteht aus vier offiziellen Luftwaffen-Formularen auf Papier mit gedrucktem Text, Dienststempeln und Tintenunterschriften. Die erste Urkunde betrifft die Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger in der Variante für Schlachtflieger und Zerstörer, datiert auf den 26. April 1944, mit dem Stempel des Luftflottenkommandos 4, unterzeichnet von Otto Deßloch. Die zweite Urkunde dokumentiert die Verleihung der Frontflugspange für Kampfflieger in Gold, ausgestellt am 22. Februar 1943 und unterzeichnet von Oberstleutnant Karl-Gottfried Nordmann als Geschwaderkommodore. Die dritte Urkunde betrifft das Ärmelband “Kreta”, ausgestellt am 8. August 1944 und unterzeichnet vom Oberbefehlshaber der Luftflotte 4. Die vierte Urkunde dokumentiert die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, ebenfalls datiert auf den 22. Februar 1943 und von Generalmajor Karl-Gottfried Nordmann unterzeichnet.
Die Auszeichnungen und ihre Verleihungskriterien
Die Frontflugspangen wurden am 30. Januar 1941 von Hermann Göring als sichtbare Anerkennung für operationelle Flugeinsätze gestiftet. Es existierten acht Varianten für verschiedene Besatzungsspezialisierungen, darunter Jäger, Nachtjäger, Kampfflieger, Aufklärer sowie Schlachtflieger und Zerstörer. Die Goldene Stufe wurde für 110 oder mehr operative Kampfflüge verliehen, wobei die Bronzene Stufe bereits nach 20 Einsätzen und die Silberne nach 60 Einsätzen vergeben wurde. Der Anhänger zur Goldenen Stufe wurde am 26. Juni 1942 gestiftet und an Piloten verliehen, die 500 Einsatzflüge überschritten hatten. Die Tatsache, dass Oberfeldwebel Burmeister sowohl die Frontflugspange für Kampfflieger als auch jene für Jäger mit Anhänger erhielt, deutet auf einen Wechsel der Einsatzrolle während seiner Dienstzeit hin – vom Kampfflieger zum Schlachtflieger.
Das Eiserne Kreuz 1. Klasse, am 1. September 1939 erneut gestiftet, wurde für drei bis fünf Tapferkeitsakte nach Erhalt der 2. Klasse verliehen. Es war eine der am weitesten verbreiteten höheren Auszeichnungen der Wehrmacht.
Das Ärmelband “Kreta” war das erste kampagnenspezifische Ärmelband des Zweiten Weltkriegs und wurde für die Teilnahme an den Kampfhandlungen auf Kreta vom 20. bis 27. Mai 1941 verliehen. Für die Luftwaffe wurde es am 29. September 1942 gestiftet, für das Heer am 16. Oktober 1942. Etwa 22.000 Fallschirmjäger, Gebirgstruppen und Besatzungsmitglieder, die an der Invasion Kretas teilgenommen hatten, erhielten diese Auszeichnung. Die Verleihung dieses Ärmelbandes an Burmeister bestätigt seine Teilnahme an der deutschen Luft- und Luftlandeoperation auf Kreta im Mai 1941.
Das Schlachtgeschwader 3
Das Schlachtgeschwader 3 wurde am 18. Oktober 1943 in Eleusis (Griechenland) durch Umbenennung des Sturzkampfgeschwaders 3 gebildet. Das Geschwader führte Erdkampfunterstützungseinsätze vornehmlich mit dem Sturzkampfbomber Ju 87 “Stuka” durch. Die III. Gruppe wurde im Oktober 1943 aus der III./StG 3 gebildet. Diese Umbenennung spiegelte die veränderte taktische Doktrin der Luftwaffe wider, die sich zunehmend von strategischen Bombereinsätzen hin zur direkten Unterstützung der Bodentruppen verlagerte – eine Entwicklung, die durch die sich verschlechternde strategische Lage an der Ostfront bedingt war.
Die Unterzeichner
Unter den Unterzeichnern dieser Urkundengruppe befinden sich zwei bemerkenswerte Persönlichkeiten der Luftwaffe. Generaloberst Otto Deßloch war Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes (verliehen am 24. Juni 1940) und des Eichenlaubes (verliehen am 10. Mai 1944). Er kommandierte die Luftflotte 4 an der Ostfront und übernahm später das Kommando über die Luftflotte 3 sowie die Luftflotte 6.
Karl-Gottfried Nordmann war ein Jagdflieger-Ass mit 78 bestätigten Luftsiegen in über 800 Einsätzen. Er erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 1. August 1941 und das Eichenlaub am 16. September 1941. Nordmann kommandierte zunächst die IV./JG 51 und diente dann als Geschwaderkommodore des JG 51 von April 1942 bis April 1944. Ein Zusammenstoß in der Luft im Januar 1943 führte dazu, dass er nicht mehr aktiv fliegen konnte. Dass Nordmann die Urkunden für ein Schlachtgeschwader unterzeichnete, erklärt sich durch die organisatorische Umstrukturierung und seine Position innerhalb der Geschwaderführung.
Sammlungshistorischer Kontext
Nach Mai 1945 wurden Auszeichnungen der NS-Ära im besetzten Deutschland verboten. Das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 erlaubte es in der Bundesrepublik Deutschland, Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs ohne nationalsozialistische Symbole (Hakenkreuz) zu tragen. Die Frontflugspangen konnten in der entnazifizierten Fassung von 1957 getragen werden, während das Ärmelband “Kreta” unverändert getragen werden durfte, da es kein Hakenkreuz enthielt. Originale Urkundengruppen aus der Kriegszeit, die von Veteranen oder Sammlern zusammengehalten wurden, besitzen sowohl historischen als auch monetären Wert, da sie individuelle Dienstverläufe dokumentieren und die Authentizität von Auszeichnungen belegen können.