Der Preußische Rote Adlerorden 2. Klasse mit Brillanten repräsentiert eine der bedeutendsten Auszeichnungen der preußischen Monarchie und zeugt von der raffinierten Hierarchie höfischer Ehrungen im deutschen Kaiserreich. Diese besondere Ausführung mit echten Brillanten markierte eine außergewöhnliche Steigerung innerhalb der ohnehin prestigeträchtigen zweiten Klasse des Ordens.
Die Ursprünge des Ordens reichen bis zum 17. November 1705 zurück, als Markgraf Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth den Ordre de la sincérité stiftete. Nach der Übertragung Brandenburg-Bayreuths an Preußen im Dezember 1791 adoptierte König Friedrich Wilhelm II. am 12. Juni 1792 den Orden und etablierte ihn als zweithöchsten preußischen Orden nach dem Schwarzen Adlerorden. König Friedrich Wilhelm III. erweiterte die Struktur am 18. Januar 1810 um die zweite und dritte Klasse, womit die hier vorliegende Auszeichnungsform geschaffen wurde. Die zweite Klasse mit Stern wurde 1830 hinzugefügt, und im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgten zahlreiche weitere Modifikationen, darunter die Hinzufügung von Schwertern für militärische Verdienste im Jahr 1848 und des Großkreuzes durch Wilhelm I. im Jahr 1861.
Das vorliegende Exemplar stammt aus der renommierten Werkstatt J. Wagner & Sohn, Königliche Hofjuweliere in Berlin. Das Unternehmen, ursprünglich von Johann Adam Wagner gegründet, erhielt bereits vor 1818 den Titel des königlichen Hofjuweliers und bezog ab 1869 die prestigeträchtigen Geschäftsräume Unter den Linden Nr. 30. Die Firma belieferte das preußische Königshaus kontinuierlich mit Orden und Juwelen und blieb auch nach der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1888 ein bevorzugter Lieferant. Die im Deckel des Verleihungsetuis eingeprägte Goldinschrift bezeugt diese exklusive Herkunft.
Die handwerkliche Ausführung dieses Ordenskreuzes zeigt die höchste Fertigung der Berliner Goldschmiedekunst. Das 48 mm große Kreuz ist in Gold gefertigt und beidseitig fein emailliert. Im Zentrum der Vorderseite prangt auf weißem Emaillegrund der rote brandenburgische Adler, der die preußische Königskrone auf dem Haupt trägt, einen grünen Lorbeerkranz in den Fängen hält und das Hohenzollernsche Wappenschild auf der Brust zeigt. Die Rückseite des Mittelmedaillons präsentiert die königliche Chiffre FW (Friedrich Wilhelm) unter der preußischen Königskrone auf weißem Emaillegrund. Die besondere Ausführung für Brillantstücke zeigt sich im separat aufgelegten Adler und dem umlaufenden Kranz mit echten Brillanten. Der originale Bandring ist mit sieben echten Brillanten besetzt, was diese Variante deutlich von der regulären zweiten Klasse unterscheidet.
Der Orden wurde sowohl an Militärpersonen als auch an Zivilisten verliehen und diente der Anerkennung von Tapferkeit im Gefecht, hervorragender militärischer Führung, langer und treuer Dienste für das Königreich Preußen oder anderer bedeutender Leistungen. Die Verleihung war grundsätzlich auf Offiziere oder Zivilisten von annähernd gleichwertigem Status beschränkt. Die zweite Klasse war typischerweise Generaloffizieren und dem Adel vorbehalten. Die Hinzufügung von Brillanten kennzeichnete eine besondere Auszeichnung für außerordentliche Verdienste und hob den Träger nochmals deutlich hervor.
Unter den dokumentierten Empfängern der zweiten Klasse finden sich bedeutende Persönlichkeiten der preußischen Geschichte. Ernst von Pfuel, preußischer General und Ministerpräsident, erhielt 1830 die zweite Klasse mit Eichenlaub und 1831 mit Stern, bevor ihm 1842 die erste Klasse mit Brillanten verliehen wurde. Dr. Albert Sigismund Jaspis, Generalsuperintendant, empfing am 18. Januar 1863 die zweite Klasse mit Schleife von Kaiser Wilhelm I. Der Hofmaler Anton von Werner erhielt am 20. Januar 1895 die zweite Klasse und am 30. März 1902 den Bruststern der zweiten Klasse. Botschafter Johann Heinrich von Bernstorff wurde am 24. Dezember 1909 mit der zweiten Klasse ausgezeichnet. Während des Ersten Weltkriegs erhielten zahlreiche Militärgeneräle verschiedene Ausführungen der zweiten Klasse.
Das vollständige Verleihungsetui mit rotbraunem Lederüberzug außen und weinrotem Samtbett innen dokumentiert die zeremonielle Bedeutung dieser Auszeichnung. Die weinrote Seidenfütterung im Deckel und die goldgeprägte Herstellerinschrift unterstreichen den repräsentativen Charakter dieser höfischen Ehrung.
Der Orden blieb bis zum Ende der preußischen Monarchie im November 1918 in Verwendung. Mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. endete die Verleihung dieses traditionsreichen Ordens, der über zwei Jahrhunderte hinweg die Verdienste um den preußischen Staat gewürdigt hatte.