Preußen Tuch für die Schulterklappen für den Mantel Mannschaft im Füsilier-Regiment Königin (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86
Die vorliegenden Schulterklappen-Tuchabzeichen gehören zu den charakteristischen Uniformbestandteilen der preußischen Armee im Zeitalter des Deutschen Kaiserreichs. Dieses spezielle Exemplar stammt aus dem Füsilier-Regiment "Königin“ (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 86 und datiert um das Jahr 1900, eine Epoche, in der die preußische Militärtradition ihren Höhepunkt erreichte.
Das Füsilier-Regiment Nr. 86 wurde am 1. Oktober 1860 als 5. Schleswigsches Infanterie-Regiment aufgestellt und war zunächst in Flensburg stationiert. Nach der Eingliederung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in den preußischen Staat nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 wurde das Regiment Teil der preußischen Armee. Im Jahr 1867 erhielt es die Bezeichnung Schleswig-Holsteinisches Füsilier-Regiment Nr. 86. Die besondere Ehre, den Namen "Königin“ zu tragen, bezog sich auf Königin Auguste Viktoria, die Gemahlin Kaiser Wilhelms II., die dem Regiment als Regimentschefin vorstand.
Die Schulterklappen waren wesentliche Kennzeichnungselemente der militärischen Ranghierarchie und Truppenzugehörigkeit im preußischen Heer. Sie wurden auf den Mänteln und Waffenröcken der Soldaten getragen und dienten der schnellen Identifikation von Regiment und Rang. Das dunkelblaue Tuch der Grundfarbe entsprach der Waffenfarbe der Infanterie, die in der gesamten preußischen Armee standardisiert war. Die rote Stickerei der Regimentsziffer "86“ bildete einen deutlichen Kontrast zum blauen Untergrund und war charakteristisch für dieses Regiment.
Nach den Uniform-Vorschriften der preußischen Armee waren Schulterklappen für Mannschaften aus Tuch gefertigt, während Unteroffiziere und Offiziere aufwendigere Varianten mit Metalltresse trugen. Die hier vorliegende Ausführung für Mannschaften war entsprechend schlichter gehalten, aber dennoch sorgfältig gearbeitet. Die Stickerei der Regimentsnummer erfolgte in der Regel in der Vorsteckfarbe des jeweiligen Regiments. Für das Füsilier-Regiment Nr. 86 war dies Rot, was sich auch in anderen Uniformdetails wie den Kragenpaspeln widerspiegelte.
Die um 1900 gefertigten Schulterklappen-Abzeichen dokumentieren eine Zeit relativer Stabilität in der Uniform-Entwicklung. Nach den großen Reformen der 1840er Jahre und kleineren Anpassungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 blieb das grundlegende Design der preußischen Uniformen bis zum Ersten Weltkrieg weitgehend unverändert. Die hier vorliegende Form der Schulterklappe entsprach den Bestimmungen der Allerhöchsten Kabinetts-Order (AKO) vom 28. März 1843 und deren späteren Ergänzungen.
Das Füsilier-Regiment Nr. 86 hatte seinen Garnisonsstandort in Flensburg und gehörte zum IX. Armee-Korps mit Sitz in Altona. Die Soldaten des Regiments rekrutierten sich hauptsächlich aus der schleswig-holsteinischen Bevölkerung. Das Regiment nahm am Deutsch-Französischen Krieg teil und war später an verschiedenen Standorten in der Region stationiert. Die enge Verbindung zur Region und zur Königin als Regimentschefin stärkte die Identität und den Korpsgeist der Einheit.
Die Fertigung solcher Uniformteile erfolgte zum Teil durch militärische Schneidereien, zum Teil aber auch durch zivile Zulieferer, die nach genauen militärischen Spezifikationen arbeiteten. Die Qualität der Stickerei und die Farbechtheid der verwendeten Materialien mussten strengen Anforderungen genügen. Das verwendete Tuch war strapazierfähig und sollte den Belastungen des militärischen Dienstes standhalten.
Als Sammlerobjekt dokumentiert dieses Schulterklappenabzeichen die materielle Kultur der preußischen Armee und die sorgfältige Reglementierung aller Aspekte des militärischen Erscheinungsbilds. Die Regimentsziffer als identitätsstiftendes Element war von enormer Bedeutung für das Selbstverständnis der Soldaten und die militärische Ordnung des kaiserlichen Heeres. Solche Objekte sind heute wichtige Quellen für die Uniformkunde (Uniformologie) und die Militärgeschichtsforschung, da sie authentische Zeugnisse der materiellen Ausrüstung und der organisatorischen Strukturen des historischen deutschen Militärwesens darstellen.