1. Weltkrieg Querflöte/Pfeife mit Futteral
Selten.
Die Pfeife/Flöte wurde von den Hornisten der Fußtruppen geführt. Das Futteral wurde dicht hinter dem Seitengewehr getragen.
Die Querpfeife oder Querflöte der deutschen Fußtruppen im Ersten Weltkrieg stellt ein faszinierendes Beispiel für die Kontinuität militärischer Signaltradition dar, die bis in die Frühe Neuzeit zurückreicht. Während das moderne Schlachtfeld zunehmend von technologischen Neuerungen wie Maschinengewehren, Artillerie und später auch Panzern geprägt wurde, behielten die deutschen Streitkräfte traditionelle Signalinstrumente bei, die seit Jahrhunderten zur Koordination von Truppenbewegungen dienten.
Die Hornisten der Fußtruppen führten diese schwarzen Holzflöten mit Neusilberbeschlägen als Teil ihrer regulären Ausrüstung. Das Instrument wurde in einem speziell angefertigten Lederköcher transportiert, der mittels einer Koppeltrageschlaufe am Leibriemen befestigt wurde. Nach den Tragevorschriften war die Position direkt hinter dem Seitengewehr vorgesehen, was eine schnelle Erreichbarkeit im Einsatz gewährleistete.
Die Verwendung von Pfeifen und Flöten im militärischen Kontext hat eine lange Tradition in der europäischen Kriegsführung. Bereits in der altpreußischen Armee des 18. Jahrhunderts spielten Pfeifer eine wichtige Rolle bei der Übermittlung von Befehlen und der Koordination von Truppenbewegungen. Die durchdringenden, hohen Töne der Querflöte waren selbst im Lärm des Gefechts über beträchtliche Distanzen hörbar und konnten verschiedene Signale übermitteln.
Im Gegensatz zu den berittenen Truppen, die Trompeten und Waldhörner verwendeten, waren die Fußtruppen traditionell mit Pfeifen und Trommeln ausgestattet. Diese Unterscheidung hatte praktische Gründe: Die kleineren, leichteren Instrumente ließen sich für Infanteristen besser handhaben und transportieren. Die Kombination von Trommlern und Pfeifern bildete das akustische Rückgrat der Infanteriekommunikation auf dem Schlachtfeld.
Die Konstruktion aus schwarzem Holz mit Neusilberbeschlägen war typisch für militärische Instrumente dieser Zeit. Das dunkle Holz, häufig Grenadill oder geschwärztes Hartholz, war robust und widerstandsfähig gegen die Strapazen des Felddienstes. Die Neusilberbeschläge (eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink) boten Korrosionsbeständigkeit und waren kostengünstiger als Silber, während sie optisch ähnlich wirkten. Die Klappen und Mechaniken aus Neusilber ermöglichten eine präzise Tongebung über mehrere Oktaven.
Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) veränderte sich die Kriegsführung dramatisch. Der Stellungskrieg an der Westfront, der Einsatz von Giftgas, die massive Artillerievorbereitung und der ohrenbetäubende Lärm moderner Waffen stellten die traditionellen Signalmethoden vor große Herausforderungen. Dennoch behielten akustische Signale ihre Bedeutung, insbesondere in Situationen, wo visuelle Kommunikation durch Rauch, Nebel oder die Topographie des Grabensystems unmöglich war.
Die Hornisten waren speziell ausgebildete Soldaten, die nicht nur ihr Instrument beherrschten, sondern auch das gesamte Repertoire militärischer Signale kannten. Sie mussten die verschiedenen Regimentssignale, Marschtakte und Gefechtssignale auswendig beherrschen. Ihre Ausbildung erfolgte nach den Vorschriften der jeweiligen Truppengattung und folgte standardisierten Signalbüchern.
Das Lederfutteral mit seiner Koppeltrageschlaufe war funktional durchdacht. Es schützte das empfindliche Holzinstrument vor Feuchtigkeit, Schmutz und mechanischen Beschädigungen. Die Positionierung am Koppel, hinter dem Seitengewehr, sorgte dafür, dass das Instrument während des Marsches nicht störte, aber bei Bedarf schnell griffbereit war. Diese Trageweise war in den Adjustierungsvorschriften der kaiserlichen Armee genau festgelegt.
Mit dem Fortschreiten des Krieges und der zunehmenden Mechanisierung der Kriegsführung verloren traditionelle Signalinstrumente allmählich an Bedeutung. Feldtelefone, Signalraketen und später Funkgeräte übernahmen zunehmend die Kommunikationsaufgaben. Dennoch blieben Pfeifen und Trillerpfeifen, insbesondere die kleineren Trillerpfeifen der Offiziere, bis zum Ende des Krieges im Einsatz, vor allem für unmittelbare taktische Befehle auf Zugebene.
Heute sind diese Instrumente seltene Zeugnisse einer Übergangszeit in der Militärgeschichte, als traditionelle und moderne Kriegsführung aufeinandertrafen. Sie dokumentieren die Kontinuität militärischer Traditionen ebenso wie deren allmähliche Ablösung durch technische Innovation. Für Sammler und Historiker bieten sie wichtige Einblicke in den Alltag der einfachen Soldaten und die praktischen Aspekte der Truppenführung im Ersten Weltkrieg.