Kaiserliche Marine großer Erinnerungspokal an einen Decksoffizier der S.M.S. Preußen

um 1914. Versilberter Pokal mit Gravur "Erinnerung an die Deckoffizier-Messe S.M.S.Preußen 30.3.1914", der Pokal innen vergoldet, Höhe 23,5 cm. Leichte Gebrauchsspuren, Zustand 2.
Die S.M.S.Preussen war ein Linienschiff der Braunschweigklasse der kaiserlichen Marine.
Die Preußen war im Ersten Weltkrieg Flaggschiff des II. Geschwaders der Hochseeflotte; erst unter Vizeadmiral Reinhard Scheer, danach unter Konteradmiral Franz Mauve. Sie nahm an der Seeschlacht am Skagerrak nicht teil. Nach Kriegsende wurde das Linienschiff von der Reichsmarine übernommen.
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Erinnerungspokal der Deckoffizier-Messe S.M.S. Preußen – Ein Zeugnis kaiserlicher Marinetradition

Dieser versilberte und innen vergoldete Pokal mit einer Höhe von 23,5 cm trägt die gravierte Inschrift „Erinnerung an die Deckoffizier-Messe S.M.S. Preußen 30.3.1914“ und stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der Messkultur und Kameradschaftstradition der Kaiserlichen Marine dar. Als individuell in Auftrag gegebenes Erinnerungsstück dokumentiert er eine spezifische Gemeinschaft an Bord eines bedeutenden Linienschiffes der deutschen Hochseeflotte – und dies in einem historisch hochbrisanten Moment, nur wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Die Deckoffiziere – Eine besondere Rangklasse der Kaiserlichen Marine

Die Deckoffiziere bildeten in der Hierarchie der Kaiserlichen Marine eine eigenständige Rangklasse, die zwischen den Unteroffizieren und den Seeoffizieren angesiedelt war. Sie entsprachen in etwa den Warrant Officers der britischen Royal Navy. Zu den Dienststellungen, die von Deckoffizieren bekleidet wurden, zählten der Bootsmann, der Steuermann, der Feuerwerker (Geschützexperte), der Maschinist und der Torpeder (Torpedospezialist). Diese Männer waren das erfahrene Rückgrat der technischen und seemännischen Kompetenz an Bord und verfügten über eine eigene Messe – die Deckoffizier-Messe –, in der sie sich zu formellen Zusammenkünften und kameradschaftlichen Anlässen trafen.

Erinnerungsstücke wie dieser Pokal waren in der Kaiserlichen Marine verbreitet und wurden in der Regel in kleinen Stückzahlen oder als Einzelanfertigungen bei kommerziellen Silberschmieden oder Juwelieren in Auftrag gegeben. Vergleichbare Gegenstände umfassten Porzellanteller, Zinnteller, Silberpokale, Bilderrahmen und andere Präsentationsstücke, die den Schiffsnamen und maritime Insignien trugen. Sie dienten bei formellen Messveranstaltungen, Marinzeremonien oder als Geschenke zur Erinnerung an den Dienst auf einem bestimmten Schiff.

S.M.S. Preußen – Ein Linienschiff der Braunschweig-Klasse

Die S.M.S. Preußen war das vierte von fünf Linienschiffen der Braunschweig-Klasse, die als Einheitslinienschiffe (Pre-Dreadnoughts) für die Kaiserliche Marine gebaut wurden. Die Kiellegung erfolgte im April 1902, der Stapellauf im Oktober 1903 und die Indienststellung im Juli 1905. Während des größten Teils ihrer aktiven Dienstzeit diente die Preußen als Flaggschiff des II. Geschwaders der Hochseeflotte.

Am 30. März 1914 – dem auf dem Pokal verewigten Datum – stand das II. Geschwader unter dem Kommando von Konteradmiral Reinhard Scheer, der diesen Posten von Januar 1913 bis Dezember 1914 innehatte. Scheer sollte später als Admiral und Oberbefehlshaber der Hochseeflotte ab Januar 1916 in die Marinegeschichte eingehen und die deutsche Flotte in der Seeschlacht am Skagerrak (Battle of Jutland) führen. Nach Scheers Ablösung im Dezember 1914 übernahm Konteradmiral Felix Funke das Kommando über das Geschwader, gefolgt von Konteradmiral Franz Mauve ab August 1915.

Die S.M.S. Preußen im Ersten Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 wurde die S.M.S. Preußen in den Kriegsdienst gestellt. Sie nahm im Dezember 1914 am Beschuss von Scarborough (Scarborough Raid) teil. Während der entscheidenden Seeschlacht am Skagerrak im Mai/Juni 1916 befand sich die Preußen jedoch vorübergehend auf Wachdienst in der Ostsee und verpasste somit dieses Großereignis der Seekriegsgeschichte. Im weiteren Kriegsverlauf diente das Schiff als Wachschiff und wurde schließlich 1917 als U-Boot-Tender in Wilhelmshaven eingesetzt.

Nachkriegsschicksal der S.M.S. Preußen

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Vertrag von Versailles gehörte die Preußen zu jenen Schiffen, die Deutschland behalten durfte. Sie wurde 1919 zu einem Depotschiff für F-Typ-Minenräumboote in Wilhelmshaven umgebaut und diente in dieser Funktion bis zur Streichung aus dem Schiffsregister am 5. April 1929. Am 25. Februar 1931 wurde sie für 216.800 Reichsmark an Schiffsabwracker verkauft. Ein 63 Meter langer Rumpfabschnitt blieb jedoch als Versuchsziel erhalten, wurde 1945 durch Bombenangriffe versenkt und erst 1954 endgültig verschrottet.

Historische Einordnung und Bedeutung für Sammler

Das Datum des 30. März 1914 verleiht diesem Pokal eine besondere historische Dimension. Er entstand in einer Zeit, als die Kaiserliche Marine auf dem Höhepunkt ihrer Friedensstärke stand, nur wenige Monate bevor das Attentat von Sarajevo und die darauf folgende Julikrise Europa in den Krieg stürzten. Die Tatsache, dass er aus der Messe eines Schiffes stammt, auf dem Reinhard Scheer zu diesem Zeitpunkt als Geschwaderchef seine Flagge führte, unterstreicht seine historische Relevanz.

Die Herkunft des Pokals aus privatem Besitz nach der Außerdienststellung des Schiffes und sein Weg auf den Sammlermarkt für militärische Memorabilia sind nicht dokumentiert. Als vermutlich einzigartiges oder in sehr geringer Stückzahl gefertigtes Stück repräsentiert er die Mess- und Kameradschaftskultur einer untergegangenen Marineepoche und bietet dem Sammler ein greifbares Bindeglied zur Geschichte der Kaiserlichen Marine am Vorabend des Großen Krieges.

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