Miniatur 1957 - Eisernes Kreuz 1. Klasse 1939

9 mm, an langer Nadel, Zustand 2.
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35,00

Miniatur 1957 - Eisernes Kreuz 1. Klasse 1939

Die Miniatur des Eisernen Kreuzes 1. Klasse 1939 aus dem Jahr 1957 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Ordensgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese 9 mm große Anstecknadel ist Teil einer speziellen Kategorie von Auszeichnungen, die in der frühen Bundesrepublik Deutschland geschaffen wurden, um Veteranen die Möglichkeit zu geben, ihre militärischen Verdienste in einer entnazifizierten Form zu tragen.

Das Eiserne Kreuz selbst wurde erstmals 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. während der Befreiungskriege gegen Napoleon gestiftet. Es wurde 1870 im Deutsch-Französischen Krieg und 1914 im Ersten Weltkrieg erneuert. Am 1. September 1939, dem Tag des deutschen Überfalls auf Polen, stiftete Adolf Hitler das Eiserne Kreuz erneut als zentrale Tapferkeitsauszeichnung der Wehrmacht. Die Version von 1939 unterschied sich von früheren Ausführungen durch das hinzugefügte Hakenkreuz im Zentrum und die Jahreszahl “1939” am unteren Arm des Kreuzes.

Das Eiserne Kreuz 1. Klasse 1939 war eine bedeutende Auszeichnung, die für besondere Tapferkeit vor dem Feind verliehen wurde. Im Gegensatz zur 2. Klasse, die an einem Band getragen wurde, wurde die 1. Klasse direkt an der Uniform befestigt. Sie bestand aus einem geschwärzten Eisenkern mit silbernem Rahmen und maß etwa 44 mm. Die Verleihung setzte in der Regel den vorherigen Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse voraus. Während des Zweiten Weltkriegs wurden etwa 450.000 Eiserne Kreuze 1. Klasse verliehen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 verbot das Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 das öffentliche Tragen aller Auszeichnungen mit nationalsozialistischen Symbolen, einschließlich des Hakenkreuzes. Für viele deutsche Veteranen bedeutete dies, dass ihre militärischen Auszeichnungen nicht mehr getragen werden durften, obwohl sie für persönliche Tapferkeit verliehen worden waren.

Am 26. Juli 1957 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen, das die rechtliche Grundlage für das Tragen von Auszeichnungen aus der Zeit vor 1945 schuf. Dieses Gesetz ermöglichte es Veteranen, ihre Orden in entnazifizierter Form zu tragen – das heißt, ohne Hakenkreuze und andere NS-Symbole. Die Hakenkreuze wurden durch Eichenlaub, die Jahreszahl 1939 oder andere neutrale Symbole ersetzt.

In diesem Kontext entstanden die Miniaturen von 1957. Diese kleinen Anstecknadeln, typischerweise 9 mm groß wie das beschriebene Exemplar, wurden an einer langen Nadel befestigt und konnten an der Zivilkleidung getragen werden. Sie dienten als diskrete Anerkennung militärischer Verdienste bei weniger formellen Anlässen. Die Miniaturen wurden von verschiedenen Herstellern produziert und mussten den gesetzlichen Vorgaben zur Entnazifizierung entsprechen.

Die technische Ausführung dieser Miniaturen variierte je nach Hersteller. Hochwertige Exemplare wurden aus Silber oder versilbertem Material gefertigt, während einfachere Versionen aus Buntmetall bestanden. Die lange Nadel, wie beim beschriebenen Stück, war charakteristisch für die Befestigung an Zivilkleidung, insbesondere an Jackenrevers. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit nur geringen Gebrauchsspuren hin.

Die Bedeutung dieser Miniaturen liegt in ihrer historischen und sozialpsychologischen Dimension. Sie spiegeln den Versuch der jungen Bundesrepublik wider, einen Umgang mit der militärischen Vergangenheit zu finden, der einerseits die individuelle Tapferkeit anerkannte, andererseits aber eine klare Distanzierung vom Nationalsozialismus ermöglichte. Diese Balance war in den 1950er Jahren, als viele Veteranen in die Gesellschaft reintegriert wurden und teilweise einflussreiche Positionen einnahmen, von erheblicher politischer Bedeutung.

Heute sind diese Miniaturen von 1957 begehrte Sammlerstücke, die sowohl die militärische als auch die politische Geschichte der Nachkriegszeit dokumentieren. Sie zeugen von einer Übergangsepoche, in der Deutschland seinen Platz in der westlichen Verteidigungsgemeinschaft fand und gleichzeitig mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit rang. Für Sammler militärhistorischer Objekte bieten sie einen wichtigen Einblick in die Ordensgeschichte und die rechtlichen Entwicklungen der frühen Bundesrepublik.