Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen ( NSRL ) - Mitgliedsbuch und Spielerausweis Fachamt - Fussball

für einen Mann aus Hannover, geboren 1922, spielte beim S.V Arminia Hannover in der untere Mannschaft, datiert 11.12.1937, , lehrgang Leichtathletik 23-29 VI 1941, mit Beitragsmarken, 1937 - 1938  Zustand 2.
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Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen ( NSRL ) - Mitgliedsbuch und Spielerausweis Fachamt - Fussball

Das Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) stellte eine zentrale Organisation im Dritten Reich dar, die ab 1938 sämtliche Sportvereine und -verbände unter nationalsozialistischer Kontrolle vereinte. Das vorliegende Mitgliedsbuch und Spielerausweis dokumentiert die systematische Erfassung und Kontrolle von Sportlern im nationalsozialistischen Deutschland.

Der NSRL entstand im Dezember 1938 durch die Umbenennung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL), der bereits seit 1934 als gleichgeschaltete Dachorganisation des deutschen Sports fungierte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden zunächst die Sportverbände durch das Führerprinzip umstrukturiert und jüdische sowie politisch unerwünschte Mitglieder ausgeschlossen. Die Umbenennung zum NSRL verdeutlichte die vollständige Integration des Sports in die NS-Ideologie.

Die Hauptaufgabe des NSRL bestand in der körperlichen Ertüchtigung der deutschen Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Wehrideologie. Sport wurde nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Mittel zur vormilitärischen Ausbildung und zur Förderung der “Volksgesundheit”. Der Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten leitete die Organisation bis zu seinem Tod 1943, danach übernahm Arno Breitmeyer die Führung.

Das Fachamt Fußball war eines von zahlreichen Fachämtern innerhalb des NSRL, die nach Sportarten gegliedert waren. Jede Sportart wurde zentral verwaltet und kontrolliert. Das vorliegende Dokument aus dem Jahr 1937 stammt noch aus der Übergangszeit des DRL, zeigt aber bereits die charakteristische bürokratische Erfassung der Sportler. Der Spielerausweis diente als offizielles Legitimationsdokument für die Teilnahme an Wettkämpfen und enthielt persönliche Daten sowie Angaben zum Verein.

Der dokumentierte Spieler aus Hannover, Jahrgang 1922, war zum Zeitpunkt der Ausstellung erst 15 Jahre alt und spielte in der unteren Mannschaft des S.V. Arminia Hannover. Dies zeigt die frühe Erfassung junger Sportler im System. Die Beitragsmarken, die in solchen Ausweisen eingeklebt wurden, dienten als Nachweis der regelmäßigen Mitgliedsbeiträge und waren Voraussetzung für die Spielberechtigung.

Besonders aufschlussreich ist der Eintrag eines Lehrgangs in Leichtathletik vom 23. bis 29. Juni 1941. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Deutschland bereits im Zweiten Weltkrieg, und die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung hatte sich weiter in Richtung der militärischen Vorbereitung verschoben. Solche Lehrgänge waren Teil des umfassenden Systems der NS-Sportorganisation und dienten der Ausbildung und Leistungssteigerung.

Die systematische Dokumentation durch Mitgliedsbücher ermöglichte dem Regime eine lückenlose Kontrolle über die sportliche Betätigung. Gleichzeitig wurden diese Dokumente für die Ariernachweise relevant, da nur “arische” Sportler Mitglied werden konnten. Die Ausweise enthielten oft Vermerke über die “arische Abstammung” und wurden Teil der rassistischen Ausgrenzungspolitik.

Der Fußball im Dritten Reich erlebte eine ambivalente Entwicklung. Einerseits blieb er als Volkssport populär und wurde für Propagandazwecke genutzt, andererseits stand er unter ständiger ideologischer Beobachtung. Die Gauligen wurden als höchste Spielklassen neu organisiert, und der Sport sollte den “Wehrwillen” und die “Volksgemeinschaft” stärken.

Mit Kriegsbeginn 1939 und zunehmend ab 1941 wurde der reguläre Spielbetrieb durch Einberufungen stark beeinträchtigt. Viele junge Sportler, wie der 1922 geborene Inhaber dieses Ausweises, wurden ab 1940/41 zur Wehrmacht eingezogen. Der Jahrgang 1922 wurde typischerweise ab 1940 zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zum Wehrdienst herangezogen.

Solche Dokumente sind heute wichtige Zeitdokumente, die die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Diktatur belegen. Sie zeigen die bürokratische Erfassung, die ideologische Instrumentalisierung des Sports und die Vorbereitung der Jugend auf den Krieg. Das Mitgliedsbuch dokumentiert exemplarisch das Schicksal einer ganzen Generation junger Menschen, deren sportliche Aktivitäten in den Dienst des totalitären Staates gestellt wurden.

Nach 1945 wurde der NSRL aufgelöst, und der deutsche Sport musste neu organisiert werden. Die Dokumente der NS-Sportorganisationen wurden Teil der historischen Aufarbeitung und dienen heute der Forschung über die Instrumentalisierung des Sports im Nationalsozialismus.

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