Der SS-Führerdegen mit Damastklinge repräsentiert eine der seltensten und prestigeträchtigsten Ausprägungen der von Karl Diebitsch, dem persönlichen Berater Heinrich Himmlers für Kunst und Design innerhalb der SS, entworfenen zeremoniellen Blankwaffe. Erstmals im Jahr 1935 eingeführt, diente der SS-Führerdegen als Paradedresswaffe für SS-Offiziere und bei zeremoniellen Anlässen wie der Vereidigung neuer SS-Rekruten. Die Damast-Varianten stellen die höchste Stufe handwerklicher Fertigkeit und Exklusivität innerhalb der SS-Blankwaffen dar.
Die Fertigung der Standard-Degenklingen wurde ursprünglich von der Firma Peter Dan. Krebs in Solingen übernommen. Die exklusiven Damastklingen wurden jedoch vom Meisterschmied Paul Müller geschmiedet, der als bester deutscher Schmied seiner Zeit gilt. Müller wurde zum Leiter der Reichslehrschmiede befördert und nach Dachau versetzt, wo er als Reichsschmiedemeister tätig war. Die Schmiedewerkstatt befand sich am westlichen Ende des Komplexes, neben den Waffengebäuden der Waffen-SS. Paul Müller fertigte die meisten der von Himmler überreichten SS-Ehrendolche und Schwerter an.
Das vorliegende Exemplar verkörpert die charakteristischen Merkmale dieser seltenen Waffe: Die gerade, dünne Klinge aus echtem Damaststahl zeigt auf der Vorderseite die hochgeätzte, vergoldete Devise “Meine Ehre heißt Treue” zwischen Eichenblattdekor. Dieser Wahlspruch diente der Schutzstaffel von 1931 bis 1945 als offizielles Motto. Das Damastmuster ist über die gesamte Klinge sichtbar, während die Rückseite ein Eichenblattmuster aufweist. Das Griffgefäß in Nickelausführung zeigt am unteren Griffbügel den SS-Abnahmestempel. Der Knauf ist in Form von sechs stehenden Eichenblättern gestaltet, die jeweils von Eicheln unterbrochen werden. Der schwarze gerillte Holzgriff trägt eine intakte Silberdrahtwicklung und eingelegte SS-Runen in Nickelausführung mit getöntem Hintergrund. Die Stahlscheide mit schwarzer Originallackierung zeigt die typische Fertigung für SS-Degen, mit getönten Nickelbeschlägen und SS-Abnahmestempel auf dem Mundblech.
Der SS-Ehrendegen wurde offiziell mit einem handschriftlich von Himmler unterzeichneten Zertifikat an ausgewählte Offiziere der SS-Verfügungstruppe und SS-Totenkopfverbände als Anerkennung besonderer Verdienste verliehen. Auch Offiziere, die an den SS-Junkerschulen, den Offiziersausbildungszentren der SS, ihren Abschluss machten, erhielten den Degen. Die extrem seltenen Damast-Ehrendegen wurden von Himmler persönlich nur an wenige Auserwählte verliehen, in der Regel an hochrangige SS-Führer oder wichtige Geschäftsleute oder Staatsmänner mit einem SS-Ehrenrang von mindestens SS-Oberführer. Da sie häufig zum Geburtstag der Empfänger verliehen wurden, üblicherweise zum 50. Geburtstag, werden sie auch als Geburtstags-Ehrendegen bezeichnet.
Bis 1945 hatten neben den jungen Offizieren der SS-Junkerschulen insgesamt 362 SS-Standartenführer von 621, 236 SS-Oberführer von 276, 88 SS-Gruppenführer von 96, 91 SS-Obergruppenführer von 92 sowie alle vier SS-Oberst-Gruppenführer des SS-Führerkorps den SS-Ehrendegen erhalten. Von den Damast-Varianten sind heute nur etwa 20 bekannte Exemplare auf dem Markt erhalten, was ihre außerordentliche Seltenheit unterstreicht. Nach dem Krieg besaß Paul Müller eine Werkstatt und Schmiede und produzierte eine Holzkiste mit über 100 Damast-Schwert- und Dolchklingen, die später von Atwood erworben wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland dahingehend geändert, dass Propagandamaterial und Symbole verbotener Parteien und anderer Organisationen verboten sind (StGB 86 und 86a). Dies schließt ausdrücklich Material in der Tradition einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation ein. Seit 1947 ist die Verwendung dieses Mottos oder seiner Variationen in Österreich und Deutschland in den Gesetzen über die Verwendung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen verboten, zum Beispiel in Deutschland gemäß Strafgesetzbuch 86a. Als die alliierten Truppen Städte besetzten, die zuvor von Beamten des Dritten Reichs gehalten wurden, stießen sie auf eine große Vielfalt an Blankwaffen. Während viele nach der Entwaffnung der deutschen Bevölkerung zerstört wurden, wurden Tausende beschlagnahmt und als Souvenirs mitgenommen. Heute bleiben diese SS-Dolche und Schwerter wahre Erinnerungen an die dunkelste Seite von Hitlers Regime.
Das beschriebene Exemplar mit einer Gesamtlänge von 96 cm war 1945 Kriegsbeute eines US-Soldaten und tauchte erst Anfang 2015 auf dem Markt auf. Es ist komplett mit anhängendem Portepee für SS-Führer sowie schwarzem Lederhänger mit Silberlitze erhalten. Als Museumsexponat oder Sammlerstück dokumentiert es ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte und die höchste handwerkliche Fertigkeit in der Herstellung zeremonieller Blankwaffen des Dritten Reiches.