Elastolin - Heer 2 Soldaten Ehrenposten bzw. Ehrenwache
Die vorliegenden Elastolin-Figuren stellen zwei Soldaten des deutschen Heeres in der Funktion als Ehrenposten oder Ehrenwache dar. Mit einer Höhe von 7,5 Zentimetern gehören diese Figuren zu den klassischen Formaten der Hausser-Elastolin-Produktion, die zwischen den 1920er Jahren und dem Ende des Zweiten Weltkriegs hergestellt wurden.
Elastolin war ein revolutionäres Material, das von der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg entwickelt wurde. Die Gründer Otto und Max Hausser etablierten ihre Firma 1904 und begannen ab 1912 mit der Produktion von Spielzeugfiguren aus diesem neuartigen Verbundstoff. Elastolin bestand aus einer Mischung aus Kasein, Leim, Kaolin, Kreide und anderen Füllstoffen, die um einen Drahtkern modelliert wurde. Dieses Material bot gegenüber den traditionellen Bleifiguren mehrere Vorteile: es war leichter, weniger giftig und ermöglichte feinere Details bei der Modellierung.
Die Darstellung von Ehrenposten und Ehrenwachen hatte in der deutschen Militärtradition eine lange und bedeutende Geschichte. Ehrenwachen waren und sind bis heute zeremonielle Wachposten, die bei staatlichen Anlässen, an Gedenkstätten, bei militärischen Begräbnissen oder zum Schutz wichtiger Persönlichkeiten und Einrichtungen aufgestellt werden. Im deutschen Heer der Zwischenkriegszeit und der Wehrmacht folgten diese Zeremonien strengen protokollarischen Vorschriften.
Die Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) regelte detailliert das Auftreten, die Uniformierung und das Verhalten von Ehrenwachen. Soldaten in dieser Funktion trugen typischerweise die Paradeuniform oder den Waffenrock mit vollständiger Ausrüstung. Die Haltung war streng aufrecht, das Gewehr wurde in verschiedenen vorgeschriebenen Positionen gehalten – häufig “präsentiert das Gewehr” oder in der Position “bei Fuß”. Die Elastolin-Figuren bildeten diese militärischen Posen mit beachtlicher Detailtreue nach.
Die Produktion von Militärspielzeug durch Elastolin erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er und frühen 1940er Jahren. Die Figuren wurden in großen Serien hergestellt und waren bei Sammlern und Kindern gleichermaßen beliebt. Die Firma Hausser produzierte eine umfangreiche Palette von Militärfiguren, die alle Waffengattungen und viele zeremonielle Funktionen abdeckten. Neben den Ehrenwachen gab es Infanteristen in verschiedenen Haltungen, Kavalleristen, Artilleristen, Musikkorps und vieles mehr.
Die handwerkliche Qualität der Elastolin-Figuren war für Massenproduktionsware bemerkenswert hoch. Jede Figur wurde einzeln bemalt, wobei die Uniformdetails, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände mit Liebe zum Detail wiedergegeben wurden. Die Zustandsangabe 2 bei diesen Figuren weist auf einen sehr guten Erhaltungszustand hin, bei dem möglicherweise nur minimale Gebrauchsspuren vorhanden sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion zunächst eingestellt, später aber mit verändertem Sortiment wieder aufgenommen. Die Firma konzentrierte sich nun auf weniger militaristische Themen. Die Elastolin-Figuren aus der Zeit vor 1945 sind heute begehrte Sammlerobjekte, die nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität, sondern auch als zeitgeschichtliche Dokumente geschätzt werden.
Ehrenwachen spielten in der deutschen Militärgeschichte bei verschiedenen Anlässen eine zentrale Rolle. Sie wurden bei Staatsempfängen, an nationalen Gedenktagen wie dem Heldengedenktag, bei militärischen Begräbnissen hochrangiger Offiziere und an wichtigen militärischen Gedenkstätten aufgestellt. Die symbolische Bedeutung dieser zeremoniellen Funktion lag in der Demonstration von Disziplin, Ordnung und militärischer Ehre.
Für Sammler und Historiker bieten diese Elastolin-Figuren heute einen wertvollen Einblick in die Darstellung und Wahrnehmung des Militärs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformierung und Ausrüstung der Zeit, sondern auch, welche Aspekte des Militärwesens für die zeitgenössische Öffentlichkeit besonders darstellungswürdig erschienen.