Kaiserliche Marine Kurze Paradejacke für den Ober-Maschinistenanwärter "Kukler"

Kammerstück 1908. Blaues Tuch mit silbernen Ankerknöpfen, Knebelkette vorhanden, am linken Oberarm der gelbe Winkel und das Stoffabzeichen für den Ober-Maschinistenanwärter. Innen mit schwarzem Stofffutter, im Schulterbereich mit schönem Kammerstempel "I.W.2.A. 3431./08." und Trägeretikett "Kukler". Sehr schön erhalten. Zustand 2+.
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550,00

Kaiserliche Marine Kurze Paradejacke für den Ober-Maschinistenanwärter "Kukler"

Die kurze Paradejacke (auch als Attila oder Kurtka bezeichnet) war ein charakteristisches Kleidungsstück der Kaiserlichen Marine des Deutschen Kaiserreichs und repräsentierte eine bedeutende Tradition in der maritimen Uniformgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Das vorliegende Exemplar aus dem Jahr 1908 gehörte einem Ober-Maschinistenanwärter namens Kukler und dokumentiert eindrucksvoll die technische Entwicklung und Professionalisierung der deutschen Kriegsmarine in der wilhelminischen Ära.

Die Maschinisten bildeten eine unverzichtbare Berufsgruppe innerhalb der Kaiserlichen Marine. Mit dem Übergang von Segel- zu dampfbetriebenen Kriegsschiffen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewannen technische Spezialisten zunehmend an Bedeutung. Der Rang des Maschinistenanwärters und später des Ober-Maschinistenanwärters markierte den Einstieg in die technische Laufbahn der Marine. Diese Anwärter durchliefen eine intensive Ausbildung in Maschinenbau, Dampftechnik und später auch in der aufkommenden Turbinentechnologie.

Die kurze Paradejacke war Teil der Paradeuniform und wurde zu besonderen Anlässen, bei Empfängen, Paraden und offiziellen Veranstaltungen getragen. Das charakteristische blaue Tuch entsprach der traditionellen Farbe der deutschen Marineuniform, die sich von den dunkleren Tönen der Hochseeflotten anderer Nationen unterschied. Die silbernen Ankerknöpfe waren typisch für die Kaiserliche Marine und symbolisierten die maritime Verbundenheit. Die vorhandene Knebelkette (Verschlusskette) war ein dekoratives und funktionales Element, das die Jacke über der Brust schloss.

Von besonderem historischem Interesse sind die Rangabzeichen am linken Oberarm: der gelbe Winkel und das Stoffabzeichen für den Ober-Maschinistenanwärter. Die Farbgebung und Position der Abzeichen folgten präzisen Vorschriften der Marinebekleidungsordnung. Gelb war die Waffenfarbe der technischen Dienste, im Gegensatz zu anderen Farben wie Rot für die Artillerie oder Weiß für die Sanitätstruppen. Diese Kennzeichnungen ermöglichten die sofortige Identifikation von Rang und Funktion eines Marinesoldaten.

Der Kammerstempel “I.W.2.A. 3431./08.” im Schulterbereich liefert wertvolle Informationen über die Provenienz des Stücks. Solche Kammerstempel waren in der preußischen und kaiserlichen Militärverwaltung üblich und dienten der Inventarisierung und Verwaltung von Ausrüstungsgegenständen. Die Abkürzung “I.W.” steht vermutlich für I. Werftdivision oder eine ähnliche Einheit, “2.A.” könnte auf eine spezifische Abteilung hinweisen, während die Nummer 3431 die laufende Inventarnummer darstellt. Die Jahresangabe “08” bestätigt die Ausgabe im Jahr 1908.

Das Trägeretikett mit dem Namen “Kukler” personalisiert dieses historische Objekt und macht es zu einem direkten Zeugnis individueller Marinegeschichte. Solche Namensetiketten waren Standard in der kaiserlichen Militärverwaltung und halfen bei der Zuordnung von persönlicher Ausrüstung, besonders in den Kammern der Schiffe oder Landeinrichtungen.

Das Jahr 1908 fällt in eine Phase intensiver Aufrüstung und Expansion der Kaiserlichen Marine unter Großadmiral Alfred von Tirpitz und seinem ambitionierten Flottenbauprogramm. Die deutsch-britische Flottenrivalität erreichte einen Höhepunkt, und Deutschland investierte massiv in den Bau moderner Schlachtschiffe der Dreadnought-Klasse. Dies erforderte eine wachsende Zahl hochqualifizierter Maschinisten und Techniker, die die komplexen Dampfturbinen und Maschineneinrichtungen dieser revolutionären Kriegsschiffe bedienen konnten.

Die Kammerstücke waren persönliche Ausrüstungsgegenstände, die aus den Magazinen (Kammern) der Marine ausgegeben wurden. Im Gegensatz zu privat beschafften Uniformteilen waren Kammerstücke Staatseigentum und mussten bei Versetzung oder Dienstende zurückgegeben werden. Der hervorragende Erhaltungszustand dieses Exemplars ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass es möglicherweise selten getragen und sorgfältig aufbewahrt wurde.

Das schwarze Stofffutter im Inneren war typisch für Militärkleidung dieser Epoche und bot zusätzliche Stabilität und Tragekomfort. Die Verarbeitung und Qualität der Materialien entsprachen den hohen Standards der kaiserlichen Militärverwaltung, die Wert auf Langlebigkeit und repräsentative Erscheinung legte.

Diese Paradejacke repräsentiert eine vergangene Epoche deutscher Marinegeschichte, die mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Kaiserlichen Marine 1918 endgültig zu Ende ging. Sie ist ein materielles Zeugnis der wilhelminischen Militärkultur, der technischen Modernisierung der Seestreitkräfte und der individuellen Lebensgeschichte eines Ober-Maschinistenanwärters im Dienst des Kaiserreichs.

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