Kriegsmarine Afrikakorps Tropenhelm
Der weiße Anstrich wurde gegen die Hitze und Einwirkung der Sonnenstrahlen bevorzugt, die Lackierung wurde von einzelne Soldaten oder von wenigen Einheiten durchgeführt, jedoch nicht von der Kammer herausgegeben.
Unter den zahlreichen Ausrüstungsgegenständen, die während des Zweiten Weltkriegs für die deutschen Streitkräfte entwickelt wurden, nimmt der Tropenhelm der Kriegsmarine eine besondere Stellung ein. Er verbindet die Geschichte der deutschen Marine mit dem legendären Afrikafeldzug und gehört heute zu den begehrtesten Sammlerstücken aus dieser Epoche. Das hier vorgestellte Exemplar ist dabei von besonderem Interesse, da es einen seltenen weißen Anstrich über dem olivfarbenen Leinen aufweist – eine Maßnahme, die von einzelnen Soldaten oder kleineren Einheiten selbst durchgeführt wurde, um den Schutz gegen Hitze und Sonnenstrahlung zu verbessern. Diese Modifikation wurde nicht offiziell von der Kammer herausgegeben, was das Stück zu einem bemerkenswerten Zeugnis individueller Anpassung im Feld macht.
Die Entwicklung des Wehrmacht-Tropenhelms begann Ende 1940, als der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den nordafrikanischen Feldzug eine entsprechende Tropentaugliche Ausrüstung erforderte. Das Design basierte auf früheren Tropenhelmen der Kriegsmarine, die bereits vor dem Krieg für den Einsatz in warmen Klimazonen existierten. Die Produktion erfolgte durch mehrere deutsche Hersteller, darunter W.u.E. Oelschläger Berlin und C. Pose Wehrausrüstungen Berlin. Die Herstellung erstreckte sich von Ende 1940 bis ins Jahr 1942, als die Produktion aufgrund der Unbeliebtheit und mangelnden Effektivität des Helms eingestellt wurde.
Der Tropenhelm der ersten Ausführung – der sogenannte Erste Muster (Modell 1) – besaß einen Kern aus Kork, der mit sandfarbenem Leinen oder Baumwollköper bezogen war. Die Konstruktion umfasste eine umlaufende Krempe und eine vertikal genähte Kalotte. Im Inneren befand sich ein Lederschweißband sowie ein Futter aus grünem Filz, das als charakteristisches Erkennungsmerkmal der Kriegsmarine-Ausführung diente. Im Vergleich dazu verwendete das Heer rotes Filzfutter, während die Luftwaffe blaugrünes Futter aufwies. Sechs Belüftungslöcher in der Kalotte sorgten für eine verbesserte Luftzirkulation. Ein verstellbarer Kinnriemen mit Metallbeschlägen vervollständigte die Ausstattung.
Die Insignien bestanden aus zwei Metallschilden: einem Wehrmacht-Adlerschild und einem dreifarbigen Nationalwappen in Schwarz-Weiß-Rot. Die Kriegsmarine-Versionen unterschieden sich von den Heer-Ausführungen durch goldene oder vergoldete Adler. Das vorliegende Exemplar zeigt die Ausführung mit dem großen Adler.
Eine Zweite Ausführung (Modell 2) wurde später eingeführt, bei der Filz anstelle von Baumwollköper als Bezugsmaterial verwendet wurde, um die Produktionszeit und -kosten zu senken.
Die ersten deutschen Truppen des Afrikakorps trafen im Februar 1941 in Tripolis ein, und mit ihnen kam der Tropenhelm nach Nordafrika. Die Kriegsmarine-Angehörigen in Nordafrika umfassten Küstenartillerieeinheiten, Personal in Hafenanlagen, U-Boot-Besatzungen an Land sowie Marineunterstützungseinheiten. Der Helm wurde an Kriegsmarine-Personal ausgegeben, das in tropischen und heißen Klimazonen diente, einschließlich Nordafrikas (vorwiegend Libyen und Ägypten), des Mittelmeerraums, Südeuropas und anderer tropischer Einsatzgebiete. Auch Einheiten am Schwarzen Meer, insbesondere Küstenartillerieeinheiten in Rumänien, erhielten diese Ausrüstung.
Der weiße Anstrich, den das vorliegende Exemplar aufweist, wurde als zusätzlicher Sonnenschutz aufgetragen. Diese Praxis wurde nicht offiziell angeordnet, sondern von einzelnen Soldaten oder wenigen Einheiten eigenständig durchgeführt, was die Seltenheit solcher modifizierten Exemplare erklärt.
Der Afrikafeldzug dauerte von Februar 1941 bis zur endgültigen Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien am 13. Mai 1943. Die Kriegsmarine-Tropenuniform folgte dem gleichen khaki- bzw. sandfarbenen Farbschema wie die anderen Teilstreitkräfte, zeichnete sich jedoch durch die charakteristischen grünen Innenfutter und marinespezifische Insignien aus.
Der Tropenhelm erwies sich im Feldgebrauch als unbeliebt und wenig effektiv. Die Produktion wurde daher im Laufe des Jahres 1942 eingestellt, und der Helm wurde durch tropische Versionen der M40/M43-Feldmützen ersetzt. Diese waren praktischer und ließen sich einfacher transportieren und lagern.
Nach dem Krieg gelangten viele Exemplare als Kriegssouvenirs in den Besitz alliierter Soldaten. Die mehr als 250.000 Kriegsgefangenen der Achsenmächte, die bis Mai 1943 in Nordafrika in Gefangenschaft gerieten, wurden vorwiegend in Kriegsgefangenenlager in den Vereinigten Staaten transportiert, darunter Camp Shelby, Mississippi und Camp Hearne, Texas. Überlebende Exemplare der Tropenhelme entwickelten sich zu begehrten militärhistorischen Sammlerstücken.
Das vorliegende Exemplar in der Größe ca. 53 1/2 mit seinem seltenen weißen Anstrich, dem beschädigten Kinnriemen und dem Lederschweißband im Inneren stellt ein faszinierendes Zeugnis einer kurzen, aber bedeutsamen Periode der deutschen Militärgeschichte dar. Die Kombination aus Kriegsmarine-Zugehörigkeit und feldmodifiziertem weißen Anstrich macht es zu einem außergewöhnlichen Sammlerstück von hohem historischen Wert.