NS Reichskriegerbund nichttragbare Auszeichnungsplakette

Große quadratische Plakette aus Feinzink, im Zentrum das Abzeichen des NS-Reichskriegerbund der Gruppe Hochland, mit emailliertem Zentrum. Text "Dem Förderer des Fechtwesen - Für unsere Kyffhäuser Kinder und Waisenheime - Gaukriegerverband Süd (Hochland)". 75 x 75 mm, oben mit kleiner Bohrung. Zustand 2.

Die "Förderer des Fechtwesens" waren Spendensammler.
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180,00

NS Reichskriegerbund nichttragbare Auszeichnungsplakette

Die vorliegende Auszeichnungsplakette des NS-Reichskriegerbundes stellt ein faszinierendes Zeugnis der komplexen Organisationsstruktur nationalsozialistischer Veteranenverbände in der Zeit zwischen 1933 und 1945 dar. Diese nichttragbare Plakette dokumentiert die Verbindung zwischen militärischen Traditionsverbänden, sozialen Wohlfahrtseinrichtungen und der nationalsozialistischen Durchdringung der Gesellschaft.

Der NS-Reichskriegerbund (NSRKB) entstand 1938 durch die Zusammenlegung des traditionellen Kyffhäuserbundes und des Stahlhelm-Bundes der Frontsoldaten. Der Kyffhäuserbund selbst war 1900 als Dachorganisation deutscher Kriegervereine gegründet worden und hatte in der Weimarer Republik über vier Millionen Mitglieder vereint. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde diese traditionelle Veteranenorganisation schrittweise gleichgeschaltet und schließlich in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert.

Die Plakette trägt die Bezeichnung “Gruppe Hochland” und verweist auf den Gaukriegerverband Süd, was auf eine regionale Gliederung im süddeutschen bzw. bayerisch-österreichischen Raum hindeutet. Der Begriff “Hochland” wurde traditionell für die alpinen Regionen Bayerns verwendet. Nach dem “Anschluss” Österreichs 1938 wurden auch österreichische Gebiete in diese Gaustrukturen integriert.

Besonders bemerkenswert ist die dreifache Widmung der Plakette. Sie ehrt “Förderer des Fechtwesens” und verweist dabei explizit auf “unsere Kyffhäuser Kinder und Waisenheime”. Diese Formulierung offenbart mehrere historische Ebenen: Das “Fechtwesen” bezieht sich hier nicht auf den Schwertkampfsport, sondern auf das Sammeln von Spenden - ein Begriff, der im deutschen Vereinswesen gebräuchlich war. Die Förderer waren also Spendensammler für wohltätige Zwecke.

Die Kyffhäuser-Waisenheime bildeten ein wichtiges soziales Netzwerk des Veteranenverbandes. Bereits seit dem Kaiserreich unterhielt der Kyffhäuserbund Waisenhäuser für Kinder gefallener Soldaten. Diese Einrichtungen wurden nach 1933 in das NS-Wohlfahrtssystem integriert, behielten aber ihre traditionellen Namen. Sie dienten der Versorgung von Kriegswaisen und Kindern bedürftiger Veteranen und waren ein wichtiges Instrument zur Bindung der Mitglieder an die Organisation.

Die materielle Ausführung der Plakette aus Feinzink mit emailliertem Zentrum entspricht der typischen Produktionsweise von Auszeichnungen und Ehrenzeichen der NS-Zeit. Aufgrund von Metallknappheit, besonders nach Kriegsbeginn 1939, wurden zunehmend Buntmetalle wie Zink anstelle von Bronze oder Messing verwendet. Die quadratische Form mit 75 x 75 mm und die Bohrung zur Befestigung kennzeichnen sie eindeutig als nichttragbare Plakette, die vermutlich auf einer Holztafel montiert oder in einem Etui präsentiert wurde.

Solche Plaketten wurden üblicherweise bei feierlichen Anlässen überreicht - etwa bei Gaukriegertagen, Spendenaktionen oder Jubiläumsveranstaltungen. Sie dienten der öffentlichen Anerkennung von Personen, die sich durch besondere Verdienste um die Organisation ausgezeichnet hatten. Die Vergabe solcher Auszeichnungen war Teil eines ausgefeilten Systems von Ehrungen, mit dem der NS-Staat und seine Gliederungen Loyalität belohnten und soziale Hierarchien sichtbar machten.

Der historische Kontext dieser Plakette ist untrennbar mit der Instrumentalisierung traditioneller Veteranenverbände durch das NS-Regime verbunden. Der Kyffhäuserbund mit seiner langen Geschichte und seinem hohen Ansehen in der Bevölkerung bot den Nationalsozialisten eine ideale Plattform zur Mobilisierung der älteren Generation. Durch die Übernahme sozialer Einrichtungen wie der Waisenhäuser und die Fortsetzung traditioneller Rituale und Symbole gelang es, Kontinuität vorzutäuschen, während gleichzeitig eine vollständige ideologische Neuausrichtung stattfand.

Nach 1945 wurden der NS-Reichskriegerbund und alle seine Untergliederungen von den Alliierten aufgelöst. Die Kyffhäuser-Traditionen wurden später in der Bundesrepublik Deutschland in anderer Form wiederbelebt, während solche Auszeichnungen der NS-Zeit zu historischen Dokumenten einer dunklen Epoche deutscher Geschichte wurden.

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