Wehrmacht Heer - Schützenschnur neuer Art 6. Stufe Infanterie
Die Schützenschnur neuer Art 6. Stufe für Infanterie der Wehrmacht Heer stellt eine der höchsten Auszeichnungen für Schießfertigkeit dar, die während der Zeit des Dritten Reiches von 1936 bis 1945 verliehen wurde. Diese Auszeichnung dokumentiert die systematische Förderung der Schießausbildung innerhalb der deutschen Streitkräfte und zeigt die militärische Bedeutung, die qualifizierten Schützen beigemessen wurde.
Die Schützenschnur neuer Art wurde am 14. Juli 1936 durch eine Heeresverordnung eingeführt und ersetzte die bisherige Reichswehr-Schützenschnur. Diese Neueinführung war Teil der umfassenden Reorganisation und Aufrüstung der Wehrmacht unter dem NS-Regime. Die Schützenschnur sollte als sichtbares Zeichen der Schießfertigkeit dienen und gleichzeitig einen Anreiz für Soldaten schaffen, ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern.
Das System war in zwölf Stufen unterteilt, wobei die sechste Stufe bereits eine beachtliche Leistung darstellte. Die Stufen unterschieden sich durch die Anzahl der angehängten Eicheln und die Gestaltung der Auflage. Die sechste Stufe zeichnete sich durch den großen Eichenlaubkranz mit einer anhängenden Eichel aus, wie bei dem beschriebenen Objekt. Dies symbolisierte, dass der Träger bereits mehr als die Hälfte des Weges zur höchsten Stufe zurückgelegt hatte.
Die geflochtene Schnur wurde traditionell in aluminiumfarbener Ausführung gefertigt und am rechten Schulterriemen der Uniform getragen. Die Fertigung erfolgte durch verschiedene Hersteller, wobei die Qualität und Verarbeitung während des Kriegsverlaufs durchaus variieren konnte. Die aufwendige Flechtarbeit und die Metallauflage erforderten handwerkliches Geschick und spezielle Materialien, was diese Auszeichnungen zu begehrten Stücken machte.
Um eine Schützenschnur zu erwerben, mussten Soldaten bei Schießwettkämpfen bestimmte Punktzahlen erreichen. Diese Wettkämpfe wurden regelmäßig auf verschiedenen Ebenen durchgeführt, von der Kompanie bis zur Division. Für die Infanterie galten spezifische Anforderungen, die sich von denen anderer Waffengattungen unterschieden. Die Bewertung basierte auf präzisen Regelwerken, die Schusszahl, Entfernung und Trefferbild berücksichtigten.
Die Verleihung erfolgte offiziell durch den jeweiligen Kompaniechef oder höhere Vorgesetzte. In den Personalakten wurde die Verleihung vermerkt, und der Soldat erhielt ein entsprechendes Besitzzeugnis. Das Tragen der Schützenschnur war eine Ehre und wurde von Kameraden als Zeichen besonderer Fähigkeiten anerkannt. Sie stellte einen wichtigen Bestandteil der militärischen Ehrkultur dar.
Die Infanterie als größte Waffengattung der Wehrmacht hatte eigene Bestimmungen für die Schützenschnur. Die verwendeten Waffen waren in erster Linie das Karabiner 98k, das Standardgewehr der Wehrmacht, sowie Maschinenpistolen und Maschinengewehre. Die Anforderungen waren entsprechend der taktischen Rolle der Infanterie ausgerichtet und betonten Präzision unter verschiedenen Gefechtsbedingungen.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges blieb die Schützenschnur ein wichtiges Element der militärischen Auszeichnungskultur, obwohl die Möglichkeiten für regelmäßige Schießwettkämpfe mit fortschreitender Kriegsdauer abnahmen. Dennoch wurde sie bis Kriegsende verliehen und getragen. Nach 1945 wurde die Produktion eingestellt und die Schützenschnüre der Wehrmacht sind heute historische Zeugnisse der militärischen Ausbildungspraxis dieser Epoche.
Für Sammler und Militärhistoriker sind diese Objekte von besonderem Interesse, da sie Einblick in das Ausbildungssystem und die Leistungsanforderungen der Wehrmacht geben. Der Erhaltungszustand variiert stark, wobei getragene Exemplare wie das beschriebene Stück authentische Gebrauchsspuren aufweisen, die ihre historische Verwendung dokumentieren. Die Kombination aus Textilarbeit und Metallapplikationen macht sie auch zu interessanten Objekten für die Erforschung militärischer Handwerkskunst.