Wehrmacht - kleine Geldbörse 

Portemonnaie aus braunen Leder mit Metallauflagen, Maße ca. 10 x 7 cm. Hoheitsadler wurde entfernt, Reisverschluss nicht funktionsfähig, ein Loch am Reißverschluss, Zustand 2-.
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60,00

Wehrmacht - kleine Geldbörse 

Die hier beschriebene kleine Wehrmacht-Geldbörse aus braunem Leder repräsentiert einen typischen Gebrauchsgegenstand deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945). Solche persönlichen Ausrüstungsgegenstände geben einen intimen Einblick in den Alltag der einfachen Soldaten und ergänzen unser Verständnis jenseits der großen militärischen Ausrüstungsstücke.

Herstellung und Materialien

Während der Kriegsjahre wurden Geldbörsen und andere Lederartikel für Wehrmacht-Angehörige sowohl von staatlichen Stellen als auch von privaten Herstellern produziert. Das braune Leder war charakteristisch für deutsche Militärausrüstung dieser Epoche, da es praktisch, haltbar und relativ kostengünstig in der Herstellung war. Die Verwendung von Metallauflagen diente nicht nur dekorativen Zwecken, sondern auch der Verstärkung stark beanspruchter Bereiche wie Ecken und Verschlüsse.

Ab 1940 wurden aufgrund zunehmender Rohstoffknappheit strenge Rationierungsmaßnahmen eingeführt. Leder wurde zu einem knappen Gut, das vorrangig für militärische Ausrüstung wie Stiefel, Koppel und Patronentaschen verwendet wurde. Kleinere persönliche Gegenstände wie Geldbörsen wurden daher oft aus minderwertigen Lederresten oder Ersatzmaterialien gefertigt.

Der Hoheitsadler

Von besonderer historischer Bedeutung ist die Tatsache, dass der Hoheitsadler von dieser Geldbörse entfernt wurde. Der Hoheitsadler – ein nach rechts blickender Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hält – war das offizielle Emblem des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Die Wehrmacht verwendete dieses Symbol auf nahezu allen offiziellen Ausrüstungsgegenständen.

Die Entfernung des Hoheitsadlers geschah höchstwahrscheinlich nach 1945, im Zuge der alliierten Besatzung und der Entnazifizierung. Nach dem Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 wurde das Zeigen nationalsozialistischer Symbole verboten. Viele Veteranen und Sammler entfernten diese Embleme von ihren Erinnerungsstücken, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. In Deutschland ist das öffentliche Zeigen von Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen gemäß § 86a StGB bis heute strafbar, mit Ausnahmen für historische und wissenschaftliche Zwecke.

Soldatenalltag und persönliche Gegenstände

Geldbörsen wie diese waren wichtige Begleiter im soldatischen Alltag. Soldaten trugen darin nicht nur Geld, sondern auch persönliche Dokumente wie den Soldbuch-Eintrag, Fotografien von Familienangehörigen, Urlaubsscheine oder Briefe. Das kompakte Format von etwa 10 x 7 cm machte sie ideal für die Unterbringung in Uniformtaschen.

Die Wehrmacht zahlte ihren Soldaten regelmäßigen Sold, dessen Höhe vom Dienstgrad abhing. Ein einfacher Grenadier erhielt beispielsweise etwa 1,80 Reichsmark pro Tag, während höhere Dienstgrade entsprechend mehr erhielten. Dieses Geld wurde für persönliche Bedürfnisse, Kantineneinkäufe oder Heimaturlaube verwendet.

Erhaltungszustand und historische Authentizität

Der beschriebene Zustand des Objekts – ein nicht funktionsfähiger Reißverschluss, ein Loch am Reißverschluss und die Entfernung des Hoheitsadlers – ist typisch für über 75 Jahre alte Gegenstände, die tatsächlich verwendet wurden. Diese Gebrauchsspuren bezeugen die Authentizität des Stücks und unterscheiden es von modernen Fälschungen, die oft zu perfekt wirken.

Reißverschlüsse waren in den 1930er und 1940er Jahren noch keine Selbstverständlichkeit und galten als modernes Feature. Deutsche Hersteller wie Opti oder Prym produzierten diese Verschlüsse, die jedoch nicht die Haltbarkeit moderner Reißverschlüsse besaßen.

Sammlerwert und Erinnerungskultur

Heute sind solche persönlichen Gegenstände bei Militaria-Sammlern begehrt, da sie eine direkte Verbindung zur Alltagsgeschichte darstellen. Die Bewertung “Zustand 2-” in der Sammlerterminologie deutet auf einen gebrauchten Zustand mit deutlichen Altersspuren hin, jedoch ohne massive Beschädigungen. Die Entfernung des Hoheitsadlers mindert zwar den Originalzustand, macht das Objekt aber in vielen Ländern überhaupt erst rechtlich handelbar.

Solche Objekte dienen der historischen Bildung und mahnen zur kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Sie erinnern daran, dass hinter den großen historischen Ereignissen einzelne Menschen standen – Menschen, die im Alltag Geldbörsen trugen, Briefe schrieben und persönliche Gegenstände bei sich führten, während sie Teil eines verbrecherischen Krieges waren.