Deutscher Büro- und Behördenangestellten Verband ( DBV )
Das Mitgliedsabzeichen des Deutschen Büro- und Behördenangestellten Verbandes (DBV) repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung während der Weimarer Republik und der frühen Jahre des Nationalsozialismus. Dieses spezielle Exemplar in der dritten Form mit der rückseitigen Prägung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) dokumentiert die organisatorische Entwicklung und das Selbstverständnis der Angestelltenverbände in einer turbulenten historischen Epoche.
Der Deutsche Büro- und Behördenangestellten Verband entstand im Kontext der sich rasch entwickelnden Angestelltenschaft der 1920er Jahre. Die Weimarer Republik erlebte eine massive Expansion des Dienstleistungssektors und der Bürokratie, sowohl in der öffentlichen Verwaltung als auch in privaten Unternehmen. Diese neue soziale Schicht der “neuen Mittelklasse” suchte nach eigener Vertretung und Identität, die sich von der traditionellen Arbeiterbewegung unterschied.
Die Mitgliedsabzeichen solcher Verbände dienten mehreren wichtigen Funktionen. Zunächst waren sie Identifikationsmerkmale, die bei Versammlungen, Demonstrationen und offiziellen Veranstaltungen getragen wurden. Sie symbolisierten Solidarität und Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe, die sich zunehmend ihrer kollektiven Interessen bewusst wurde. Die lange Nadel dieses Abzeichens deutet darauf hin, dass es an der Kleidung, typischerweise am Revers oder an der Bluse, befestigt wurde und somit öffentlich sichtbar war.
Die Bezeichnung “3. Form” verweist auf die organisatorische Entwicklung des Verbandes. Viele Gewerkschaften und Berufsverbände änderten im Laufe ihrer Geschichte ihre Abzeichen, sei es aufgrund von Fusionen, Namensänderungen oder ideologischen Neuausrichtungen. Die verschiedenen Formen eines Abzeichens ermöglichen es Historikern heute, die chronologische Entwicklung und die Mitgliedschaftsphasen nachzuvollziehen.
Die rückseitige Prägung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) ist von besonderer Bedeutung. Diese Markierung weist darauf hin, dass das Design des Abzeichens beim Reichspatentamt oder einer entsprechenden Behörde registriert war. Dies schützte die Organisation vor Nachahmungen und Fälschungen und verlieh dem Abzeichen einen offiziellen, rechtlich anerkannten Status. In einer Zeit, in der verschiedene politische und gewerkschaftliche Gruppierungen um Mitglieder konkurrierten, war dieser Schutz wichtig für die Wahrung der organisatorischen Identität.
Die Angestelltenverbände der Weimarer Republik navigierten in einem komplexen politischen Umfeld. Anders als die traditionell sozialdemokratisch oder kommunistisch orientierten Arbeitergewerkschaften waren viele Angestelltenverbände politisch gemäßigter, teilweise national-konservativ ausgerichtet. Sie betonten oft die Unterscheidung zwischen “Arbeitern” und “Angestellten” und sahen sich als Teil des gebildeten Mittelstandes. Diese soziale Abgrenzung spiegelte sich auch in der Gestaltung und Symbolik ihrer Abzeichen wider.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderte sich die Situation fundamental. Im Zuge der Gleichschaltung wurden alle unabhängigen Gewerkschaften und Berufsverbände aufgelöst oder zwangsweise in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) integriert. Der 2. Mai 1933 markierte das Ende der freien Gewerkschaftsbewegung in Deutschland, als die Nationalsozialisten die Gewerkschaftshäuser besetzten und die Organisationen zerschlugen. Auch der DBV teilte dieses Schicksal.
Abzeichen wie dieses wurden nach 1933 bedeutungslos oder mussten abgelegt werden. Viele Mitglieder versteckten ihre Abzeichen, andere wurden zerstört. Die Tatsache, dass dieses Exemplar erhalten geblieben ist, macht es zu einem wertvollen historischen Zeugnis. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei Objekten aus dieser Epoche bemerkenswert ist.
Die Materialien und die Herstellungsweise solcher Abzeichen waren typisch für die Zeit: meist Metall, oft mit Emaillierung, manchmal versilbert oder vergoldet. Die handwerkliche Qualität variierte je nach den finanziellen Möglichkeiten des Verbandes. Die lange Nadel war eine praktische Lösung, die eine sichere Befestigung an verschiedenen Kleidungsstücken ermöglichte.
Für die historische Forschung sind solche Abzeichen wichtige Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die Organisationsgeschichte, sondern auch die Alltagskultur, die Selbstdarstellung und die Identitätsbildung sozialer Gruppen. Sie ergänzen schriftliche Quellen und ermöglichen Einblicke in die materielle Kultur der Arbeitswelt der Zwischenkriegszeit.
Heute sind solche Abzeichen gesuchte Sammlerobjekte und werden in Museen zur Sozialgeschichte, Gewerkschaftsgeschichte und der Geschichte der Weimarer Republik ausgestellt. Sie erinnern an eine Zeit, in der demokratische Organisationen für die Rechte ihrer Mitglieder kämpften, bevor die nationalsozialistische Diktatur diesen Pluralismus gewaltsam beendete.