Elastolin Deutsches Jungvolk (DJ) Pimpf – Marschierende Figur im Braunhemd
Die vorliegende Figur ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Spielzeugproduktion im nationalsozialistischen Deutschland und vereint in sich gleichermaßen handwerkliche Qualität wie ideologische Instrumentalisierung. Es handelt sich um eine Elastolin-Kompositionsfigur, hergestellt von der Firma O. & M. Hausser, die einen marschierenden Pimpf – ein Mitglied des Deutschen Jungvolks (DJ) – im charakteristischen Braunhemd darstellt. Mit einer Größe von 6 cm (ca. 65 mm) gehört sie zu einer der Standardproduktionsgrößen des Herstellers.
Der Hersteller: O. & M. Hausser und die Marke Elastolin
Die Firma O. & M. Hausser begann bereits um 1910 mit der Herstellung von Kompositionsfiguren unter dem Markennamen Elastolin. Das namensgebende Material bestand aus einer Mischung von Sägemehl, Kaseinleim und Kaolin, die auf einen Drahtrahmen aufgeformt und anschließend von Hand bemalt wurde. Dieses Verfahren ermöglichte eine detaillierte und haltbare Fertigung, die sich deutlich von reinen Zinnfiguren unterschied.
Die Produktion erreichte während der Zeit des Nationalsozialismus ihren Höhepunkt. Bis 1938 wurden jährlich über 3 Millionen Elastolin-Figuren hergestellt. Das Sortiment umfasste neben klassischen Soldatenfiguren ein breites Spektrum an Darstellungen nationalsozialistischer paramilitärischer Organisationen, darunter SA, SS, LSSAH, RAD, NSDAP, Hitlerjugend (HJ), Deutsches Jungvolk, BdM und weitere. Die Figuren wurden in verschiedenen Maßstäben gefertigt: 40 mm, 65 mm, 70 mm und 105 mm, wobei die 70-mm-Figuren als „Normalgröße“ bezeichnet wurden.
Die Figuren trugen in der Regel auf der Unterseite ihres charakteristischen ovalen Sockels den Markennamen „Elastolin“. Die Produktion aller Figuren wurde 1943 eingestellt, als die deutsche Wirtschaft auf den „Totalen Krieg“ umgestellt wurde.
Das Deutsche Jungvolk in der Hitlerjugend
Das Deutsche Jungvolk in der Hitlerjugend (DJ) war die Unterorganisation der Hitlerjugend für Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren. Gegründet 1928 und im März 1931 umbenannt, diente es als Vorstufe zur eigentlichen Hitlerjugend. Die Mitglieder wurden umgangssprachlich als „Pimpfe“ bezeichnet – ein oberdeutscher Ausdruck für „Junge“ oder „kleiner Lausbub“.
Am 25. März 1939 wurde die Mitgliedschaft für alle berechtigten Jungen zur Pflicht. Das DJ zielte darauf ab, seine jungen Mitglieder durch Freiluftaktivitäten, Aufmärsche und Sport in der nationalsozialistischen Ideologie zu indoktrinieren. Die Sommeruniform des Jungvolks bestand aus schwarzen Kurzhosen und einem braunen bzw. hellbraunen Hemd mit Taschen, getragen mit einem gerollten schwarzen Halstuch. Diese Uniform wird durch die vorliegende Figur originalgetreu wiedergegeben.
Spielzeug als Instrument der Indoktrination
Die Elastolin-Figuren paramilitärischer Organisationen waren weit mehr als bloßes Spielzeug. Sie wurden an deutsche Kinder während der Zeit des Dritten Reichs (1933–1945) vermarktet und spiegelten die militaristische und nationalistische Kultur des Deutschland der 1930er und frühen 1940er Jahre wider. Durch das Spielen mit diesen Figuren wurden Kinder bereits in jungen Jahren subtil mit den Strukturen und der Ästhetik des NS-Staates vertraut gemacht. Die Darstellung marschierender Jungvolk-Mitglieder normalisierte die paramilitärische Organisation des Alltags und diente damit einer subtilen politischen Indoktrinierung.
Nachkriegsgeschichte und Sammlerwert
Mit der Kapitulation Nazideutschlands 1945 hörte das Deutsche Jungvolk auf zu existieren und wurde am 10. Oktober 1945 offiziell verboten. Die Firma Hausser nahm einige Jahre nach Kriegsende die Produktion von Kompositionsfiguren in begrenztem Umfang wieder auf, wobei ein Entnazifizierungsprozess durchlaufen werden musste.
1955 führte Hausser Figuren aus Hartpolystyrol-Kunststoff ein, produzierte aber parallel bis 1969 weiterhin Kompositionsfiguren. Die Kunststoffproduktion wurde bis 1982 fortgesetzt. Im Juni 1983 meldete das Unternehmen Konkurs an und stellte bis Ende des Jahres die Produktion endgültig ein. Die Firma Preiser erwarb zahlreiche Formen und den Markennamen Elastolin aus der Konkursmasse.
Heute sind originale Elastolin-Figuren aus der NS-Zeit begehrte Sammlerstücke. Die vorliegende Figur wird im Zustand „Zustand 2“ angeboten, was auf einen guten Erhaltungszustand hinweist. Für Sammler militärischer Miniaturen stellen diese Figuren einzigartige materielle Zeugnisse einer Epoche dar, in der selbst das Kinderspielzeug in den Dienst einer totalitären Ideologie gestellt wurde.