Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

7,5 cm, Zustand 2.
318566
25,00

Elastolin - Heer 2 Offiziere im Marsch

Die vorliegende Elastolin-Figur stellt zwei Offiziere des deutschen Heeres im Marsch dar und gehört zu den charakteristischen Produkten der O. & M. Hausser Manufaktur, die von den 1920er Jahren bis in die 1950er Jahre hinein militärische Spielfiguren von außergewöhnlicher Qualität herstellte. Mit einer Höhe von 7,5 Zentimetern entspricht diese Figur der sogenannten Standardgröße, die sich als deutsches Maß für Massenfiguren etablierte und international als “deutsche 7-Zentimeter-Serie” bekannt wurde.

Elastolin war ein revolutionäres Material, das aus Sägemehl, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln bestand und über einen Metallkern (meist aus Draht und Blei) modelliert wurde. Diese Kompositionsmasse ermöglichte eine detailreiche Gestaltung bei gleichzeitiger Robustheit, was sie ideal für Spielzeugfiguren machte. Die Firma Hausser entwickelte diese Technik zur Perfektion und dominierte den deutschen Markt für Militärspielzeug zwischen den Weltkriegen und darüber hinaus.

Die Darstellung von Heeresoffizieren im Marsch war ein beliebtes Motiv in der Elastolin-Produktpalette. Offiziere wurden traditionell in ihrer charakteristischen Uniform mit Schirmmütze, Stiefeln und den entsprechenden Rangabzeichen dargestellt. Die Marschhaltung symbolisierte Dynamik und militärische Präzision – Werte, die in der zeitgenössischen Gesellschaft hoch geschätzt wurden. Diese Figuren dienten nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Sammelobjekte und wurden häufig in Dioramen verwendet, die militärhistorische Szenen nachstellten.

Die historische Einordnung solcher Figuren ist komplex und vielschichtig. Während der Weimarer Republik (1919-1933) erlebte die Produktion von Militärspielzeug trotz der Niederlage im Ersten Weltkrieg einen Aufschwung. Die Reichswehr, die auf 100.000 Mann begrenzte Armee der Weimarer Republik, wurde in verschiedenen Uniformvarianten dargestellt. Nach 1933 passte die Firma Hausser ihre Produktion an die politischen Gegebenheiten an und stellte zunehmend Figuren der Wehrmacht her, die ab 1935 die Reichswehr ablöste.

Die Qualität der Elastolin-Figuren war legendär. Jede Figur wurde in mehreren Arbeitsschritten gefertigt: Zunächst wurde der Metallkern geformt, dann mit der Elastolin-Masse ummantelt, anschließend von Hand bemalt und mit feinen Details versehen. Die Bemalung erfolgte meist mit Ölfarben, die eine hohe Haltbarkeit gewährleisteten. Der Zustand 2, wie bei diesen Offizieren angegeben, bezeichnet in der Sammlerwelt einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit nur geringen Gebrauchsspuren, was angesichts des Alters dieser Figuren bemerkenswert ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Firma Hausser vor großen Herausforderungen. Die Produktion von Militärspielzeug war zunächst problematisch, da die Alliierten eine Demilitarisierung der deutschen Gesellschaft anstrebten. Dennoch konnte die Firma in den 1950er Jahren die Produktion wieder aufnehmen, wobei sie neben historischen Figuren auch zeitgenössische Bundeswehr-Darstellungen ins Programm aufnahm.

Aus heutiger Sicht sind Elastolin-Figuren wichtige kulturhistorische Dokumente, die Einblick in die Spielzeugkultur, die militärische Ikonographie und die gesellschaftlichen Wertvorstellungen ihrer Entstehungszeit geben. Sammler schätzen diese Figuren nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität, sondern auch als Zeitzeugnisse einer vergangenen Epoche der Spielzeugherstellung. Die Firma stellte 1983 die Produktion ein, was die erhaltenen Exemplare zu begehrten Sammlerstücken macht.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit militärischem Spielzeug hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Historiker erkennen in diesen Objekten wichtige Quellen zur Erforschung von Erinnerungskultur, Kindheitserziehung und der Normalisierung militärischer Werte in der Gesellschaft. Museen wie das Spielzeugmuseum Nürnberg bewahren umfangreiche Elastolin-Sammlungen als Teil des deutschen Kulturerbes.