Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50
Das Kriegsmarine Dienstglas 7 x 50 repräsentiert einen der wichtigsten optischen Ausrüstungsgegenstände der deutschen Marine während des Zweiten Weltkriegs. Diese Ferngläser waren standardmäßige Ausrüstung für Offiziere und Unteroffiziere der Kriegsmarine und spielten eine entscheidende Rolle bei der Navigation, Aufklärung und taktischen Führung auf See.
Die Markierung “beh” auf diesem Exemplar identifiziert den Hersteller als Ernst Leitz G.m.b.H. aus Wetzlar, ein renommiertes optisches Unternehmen, das auch für seine Leica-Kameras weltberühmt war. Die Kriegsmarine nutzte ein codiertes Kennzeichnungssystem, bei dem Herstellern Codes zugewiesen wurden, um im Kriegsfall die Produktionsstandorte zu verschleiern. Ernst Leitz erhielt mehrere Codes, darunter auch “beh”, die zwischen 1941 und 1945 verwendet wurden.
Die Spezifikation 7 x 50 war die Standardkonfiguration für marine Ferngläser und hatte sich bereits im Ersten Weltkrieg bewährt. Die erste Zahl bezeichnet die Vergrößerung (7-fach), während die zweite Zahl den Durchmesser der Objektivlinse in Millimetern (50mm) angibt. Diese Kombination erwies sich als optimal für den maritimen Einsatz: Die moderate Vergrößerung ermöglichte ein stabiles Bild auch bei Seegang, während die große Objektivöffnung ausreichend Licht sammelte für die Verwendung in der Dämmerung und bei schlechten Sichtverhältnissen – ein kritischer Faktor für die Seewache.
Die Dämmerungszahl dieser Konfiguration beträgt etwa 18,7, was eine gute Leistung bei schwachem Licht bedeutete. Die Austrittspupille von 7,1mm entsprach nahezu der maximalen Öffnung des menschlichen Auges bei Dunkelheit, wodurch die gesamte gesammelte Lichtmenge genutzt werden konnte. Dies war besonders wichtig für die Nachtwache und die frühmorgendliche oder abendliche Navigation.
Das erwähnte Fehlen einer Strichplatte (Retikel) deutet darauf hin, dass dieses spezielle Exemplar für allgemeine Beobachtungszwecke konzipiert war. Andere Versionen des 7 x 50 Dienstglases waren mit Strichplatten ausgestattet, die Winkelberechnungen und Entfernungsschätzungen ermöglichten – essenzielle Funktionen für die Artilleriebeobachtung und taktische Positionsbestimmung.
Ernst Leitz war einer von mehreren Hauptlieferanten optischer Geräte für die Wehrmacht. Andere bekannte Hersteller von Dienstgläsern waren Carl Zeiss Jena, Hensoldt & Söhne, und Emil Busch A.G. Die Qualität der deutschen optischen Industrie galt als weltführend, und die Ferngläser waren für ihre außergewöhnliche Bildschärfe, Robustheit und Zuverlässigkeit bekannt.
Die Konstruktion dieser Ferngläser folgte strengen Heeresverwaltungsvorschriften (HV-Vorschriften) und militärischen Spezifikationen. Das Gehäuse war typischerweise aus Leichtmetall gefertigt und mit einer schwarzen oder grauen Lackierung versehen, oft mit einer strukturierten Oberfläche für besseren Halt. Die Optik bestand aus mehreren präzise geschliffenen und vergüteten Linsen, die durch Prismen nach dem Porro-System verbunden waren. Die Vergütung der Linsen (coating) war eine relativ neue Technologie, die in den 1930er Jahren perfektioniert wurde und die Lichtdurchlässigkeit erheblich verbesserte.
Der Trageriemen, der mit diesem Exemplar erhalten ist, war ein integraler Bestandteil der Ausrüstung. Er ermöglichte das sichere Tragen des Fernglases um den Hals, sodass es jederzeit griffbereit war – essentiell auf der Brücke eines Kriegsschiffes oder U-Boots. Die Riemen waren üblicherweise aus Leder oder verstärktem Textilmaterial gefertigt.
Die serielle Nummerierung (in diesem Fall 409164) diente der Inventarisierung und ermöglichte die Nachverfolgung der Produktion. Die Fertigungszahlen stiegen während des Krieges erheblich an, da der Bedarf an optischer Ausrüstung mit der Expansion der Kriegsmarine wuchs.
Diese Dienstgläser wurden auf verschiedenen Einheiten eingesetzt: von großen Schlachtschiffen wie der Bismarck und Tirpitz über Kreuzer und Zerstörer bis hin zu U-Booten und kleinen Schnellbooten. Besonders auf U-Booten waren sie unverzichtbar für den Wachoffizier auf dem Turm, der feindliche Schiffe oder Flugzeuge frühzeitig erkennen musste.
Nach dem Krieg wurden viele dieser Ferngläser von alliierten Soldaten als Souvenirs mitgenommen oder gingen in militärische Sammlungen über. Heute sind gut erhaltene Exemplare bei Sammlern militärischer Antiquitäten sehr gesucht. Der Zustand der Optik und die Vollständigkeit der Markierungen sind entscheidende Faktoren für den historischen und sammlerischen Wert.
Das beschriebene Exemplar mit leicht fleckiger Optik zeigt typische Alterungserscheinungen. Solche Flecken entstehen oft durch Pilzbefall, Oxidation oder Ablagerungen auf den inneren Linsenoberflächen – ein häufiges Problem bei historischen optischen Geräten, die jahrzehntelang unter wechselnden Lagerbedingungen aufbewahrt wurden.