Nachlass des Korvettenkapitän Ernst Bartsch - Führer der U-Boote Ost z.Vf.

die abgeänderte Ordenschnalle mit Eisernem Kreuz 1914 2.Klasse, Ehrenkreuz für Frontkämpfer, Medaille zum preußischen roten Adler Orden, Wehrmacht Dienstauszeichnung für 25 Jahre mit Bandadler, Wehrmacht Dienstauszeichnung für 12 Jahre mit Bandadler, Griechenland bronzene Verdienstmedaille zum Hausorden. Dazu die Bandspange.
Eisernes Kreuz 1.Klasse, Nadelsystem entfernt, rückseitig Gewinde mit Mutter und Unterlegscheibe, dazwischen blaues Tuch.
Minensucher Kriegsabzeichen, Buntmetall, Wiederholungsspange 1939 zum Eisernen Kreuz 1914 II. Klasse, Wehrmacht Dienstauszeichnung Kreuz für 18 Jahre, Wehrmacht Dienstauszeichnung Medaille für 4 Jahre. 2 Hoheitsadler.
Kriegsverdienstkreuz 1939 2.Klasse mit Schwertern, die Tüte mit Notiz "Bartsch".
Medaille 10.Oktober 1939, die Tüte mit Notiz "Kaptlt. Bartsch".
Ein Originalfoto mit der Aufschrift "Verabschiedung von der Besatzung"

Ernst Bartsch (2.5.1887 - 2.2.1982), Eintritt in die Marine 1903, Kommandant U-Tender Saar Juni 1937 - April 1944.
5.U-Fl. Ausb.Leiter Mai 44 bis August 44, F.d.U. Ost z.Vf. August 44 bis April 45, Verabschiedet 30.April 1945.


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2.500,00

Nachlass des Korvettenkapitän Ernst Bartsch - Führer der U-Boote Ost z.Vf.

Der militärische Nachlass des Korvettenkapitän Ernst Bartsch repräsentiert eine bemerkenswerte Karriere, die sich über mehr als vier Jahrzehnte deutscher Marinegeschichte erstreckte – von der Kaiserlichen Marine über die Reichsmarine bis zur Kriegsmarine des Zweiten Weltkriegs. Geboren am 2. Mai 1887, trat Bartsch 1903 im Alter von nur 16 Jahren in die Marine ein und erlebte die dramatischen Umbrüche der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert.

Die umfangreiche Ordenschnalle dokumentiert Bartschs militärischen Werdegang durch drei politische Systeme. Das Eiserne Kreuz 1914 2. Klasse und das Ehrenkreuz für Frontkämpfer bezeugen seinen Dienst im Ersten Weltkrieg. Die Medaille zum preußischen Roten Adler-Orden, eine seltene Auszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften, unterstreicht seine frühen Verdienste. Besonders bemerkenswert sind die Wehrmacht-Dienstauszeichnungen für 25 und 12 Jahre, die seine außergewöhnlich lange Dienstzeit dokumentieren. Die griechische bronzene Verdienstmedaille weist auf internationale militärische Beziehungen oder Einsätze hin.

Das Eiserne Kreuz 1. Klasse mit entferntem Nadelsystem und nachträglich angebrachtem Gewinde zeigt eine typische Nachkriegsmodifikation. Nach 1945 entfernten viele Träger die Hakenkreuze von ihren Auszeichnungen, um sie weiterhin tragen zu können. Die Konstruktion mit Mutter, Unterlegscheibe und blauem Tuch dazwischen deutet auf eine sorgfältige handwerkliche Umarbeitung hin.

Das Minensucher-Kriegsabzeichen ist eine besondere Auszeichnung, die erst am 31. August 1940 gestiftet wurde. Es würdigte den gefährlichen Dienst auf Minensuchbooten, einer für die Kriegführung zur See essentiellen, aber oft unterschätzten Aufgabe. Die Wiederholungsspange 1939 zum Eisernen Kreuz 1914 II. Klasse dokumentiert, dass Bartsch als Träger des Eisernen Kreuzes aus dem Ersten Weltkrieg auch im Zweiten Weltkrieg entsprechende Verdienste erwarb.

Die weiteren Wehrmacht-Dienstauszeichnungen für 18 und 4 Jahre ergänzen das Bild einer kontinuierlichen militärischen Laufbahn. Das Kriegsverdienstkreuz 1939 2. Klasse mit Schwertern wurde für Verdienste im Kriegseinsatz verliehen, wobei die Schwerter auf Verdienste unter Feindeinwirkung hinweisen. Die Medaille 10. Oktober 1939 erinnert an die Annexion des Sudetenlandes und wurde an Teilnehmer des Einmarsches verliehen.

Bartschs bedeutendste Position war sein Kommando über den U-Tender Saar von Juni 1937 bis April 1944. U-Tender waren spezialisierte Versorgungsschiffe, die U-Boote auf See mit Torpedos, Treibstoff, Proviant und Ersatzteilen versorgten und kleinere Reparaturen durchführten. Die Saar war ein wichtiges Unterstützungsschiff für die U-Boot-Waffe und ermöglichte längere Operationszeiten der U-Boote fern ihrer Heimathäfen. Diese fast siebenjährige Kommandozeit war außergewöhnlich lang und spricht für Bartschs Kompetenz und Zuverlässigkeit.

Von Mai bis August 1944 diente Bartsch als Ausbildungsleiter der 5. U-Flottille. U-Flottillen waren administrative und taktische Einheiten, die mehrere U-Boote zusammenfassten. In der kritischen Phase des Krieges war die Ausbildung neuer U-Boot-Besatzungen von höchster Bedeutung, da die Verluste dramatisch gestiegen waren.

Seine letzte Position von August 1944 bis April 1945 war die des Führers der U-Boote Ost zur Verfügung (z.V.f.). Der Zusatz “zur Verfügung” bedeutete, dass er für besondere Aufgaben oder als Vertretung eingesetzt wurde. Die Position des F.d.U. Ost war für die Koordination der U-Boot-Operationen in der Ostsee verantwortlich, die in der Endphase des Krieges vor allem Evakuierungsoperationen und den Kampf gegen die vordringende Sowjetmarine umfassten.

Bartsch wurde am 30. April 1945 verabschiedet, dem Tag, an dem Adolf Hitler Selbstmord beging und eine Woche vor der deutschen Kapitulation. Das Originalfoto mit der Aufschrift “Verabschiedung von der Besatzung” dokumentiert diesen emotionalen Moment am Ende einer 42-jährigen Marinekarriere.

Der Nachlass Ernst Bartschs ist ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument, das die Kontinuitäten und Brüche deutscher Militärgeschichte im 20. Jahrhundert veranschaulicht. Die sorgfältig aufbewahrten Auszeichnungen und die beigefügten Notizen auf den Tüten zeigen, dass diese Objekte nicht nur militärische Ehrenzeichen waren, sondern auch persönliche Erinnerungsstücke an ein langes Leben im Dienst der deutschen Marine. Bartsch überlebte beide Weltkriege und verstarb 1982 im Alter von 94 Jahren.