Preußen Kartuschkasten für Offiziere im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Standort Pasewalk, um 1910. Kartuschkasten aus schwarzem Lackleder mit vergoldeten Auflagen: preußischer Adler über Trophäen, seitlich 2 flammende Granaten. Leicht gealtert, der auf der Rückseite angebrachte Lederriemen gerissen, aber noch vorhanden. Zustand 2. Sehr selten.
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Preußen Kartuschkasten für Offiziere im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Der Kartuschkasten für Offiziere des Kürassier-Regiments Königin (Pommersches) Nr. 2 repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der militärischen Ausrüstung der preußischen Kavallerie im späten Kaiserreich. Dieser um 1910 in Pasewalk gefertigte Gegenstand verkörpert die Tradition und den Stolz einer der elitärsten Kavallerieeinheiten Preußens.

Das Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2 wurde 1717 gegründet und stand in einer langen militärischen Tradition. Das Regiment trug den Ehrennamen “Königin” zu Ehren der preußischen Königin und war in der pommerschen Garnisonsstadt Pasewalk stationiert. Die Kürassiere gehörten zur schweren Kavallerie und waren als Elitetruppe für entscheidende Schlachtmomente vorgesehen. Ihre Ausrüstung musste entsprechend dem hohen Status der Einheit gestaltet sein.

Der Kartuschkasten, auch als Patronentasche bekannt, diente ursprünglich zur Aufbewahrung von Munition. In der Entwicklung der militärischen Ausrüstung hatten Kartuschen im 18. Jahrhundert eine praktische Funktion: Sie enthielten vorbereitete Pulverladungen für Musketen und später für Karabiner. Mit der Modernisierung der Waffentechnik im 19. Jahrhundert und der Einführung von Hinterladergewehren sowie Metallpatronen veränderte sich die Funktion dieser Ausrüstungsgegenstände grundlegend.

Um 1910, zur Zeit der Anfertigung dieses Exemplars, hatte der Kartuschkasten für Offiziere weitgehend seine ursprüngliche praktische Funktion verloren und war zu einem überwiegend repräsentativen Ausrüstungsgegenstand geworden. Er wurde als Teil der Galauniform bei Paraden, Inspektionen und zeremoniellen Anlässen getragen. Dies erklärt die aufwendige Gestaltung mit vergoldeten Metallauflagen und dem hochwertigen schwarzen Lackleder.

Die Symbolik der Verzierungen ist von besonderer Bedeutung: Der preußische Adler über Trophäen repräsentiert die Macht und militärische Tradition Preußens. Die beiden seitlich angebrachten flammenden Granaten waren ein traditionelles militärisches Symbol, das Kampfkraft und Artillerietradition symbolisierte. Diese Ikonographie folgte den strengen Uniform- und Ausrüstungsvorschriften der preußischen Armee, die im Detail regelten, wie militärische Ausrüstungsgegenstände auszusehen hatten.

Die Fertigung solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte durch spezialisierte Handwerksbetriebe, die oft über Generationen hinweg für die Armee arbeiteten. Das schwarze Lackleder musste bestimmten Qualitätsstandards entsprechen und wurde sorgfältig verarbeitet. Die vergoldeten Metallauflagen wurden in der Regel aus Messing gefertigt und anschließend feuervergoldet, ein aufwendiges Verfahren, das die Langlebigkeit und den repräsentativen Charakter sicherstellen sollte.

Die Stationierung des Regiments in Pasewalk, einer kleinen pommerschen Stadt, war typisch für die Verteilung preußischer Militäreinheiten. Pasewalk lag strategisch günstig in der Provinz Pommern und bot ausreichend Platz für Kasernen und Übungsgelände. Die Präsenz eines Kürassierregiments prägte das gesellschaftliche Leben der Stadt erheblich, und Offiziere genossen ein hohes soziales Ansehen.

Der Zustand des Objekts mit dem gerissenen Lederriemen auf der Rückseite zeugt von tatsächlicher Verwendung. Der Riemen diente zur Befestigung des Kartuschkastens am Leibgurt der Offiziersuniform. Die Altersspuren verleihen dem Stück Authentizität und dokumentieren seine Geschichte als getragenes Ausrüstungsstück.

Im Kontext der Militärgeschichte des Deutschen Kaiserreichs steht dieser Kartuschkasten für eine Epoche, die nur wenige Jahre später mit dem Ersten Weltkrieg ein dramatisches Ende finden sollte. Die glanzvolle Kavallerietradition, die sich in solchen Ausrüstungsgegenständen manifestierte, wurde durch die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und später Panzern obsolet. Das Kürassier-Regiment Nr. 2 nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde nach Kriegsende 1919 aufgelöst.

Die Seltenheit solcher Objekte erklärt sich durch mehrere Faktoren: Erstens wurden viele militärische Ausrüstungsgegenstände nach dem Ersten Weltkrieg vernichtet oder eingeschmolzen. Zweitens waren Offiziersausrüstungen generell in geringerer Stückzahl vorhanden als die Ausrüstung der einfachen Soldaten. Drittens haben regimentsspezifische Stücke einen besonderen Seltenheitswert, da sie nur für eine bestimmte Einheit gefertigt wurden.

Heute sind solche Kartuschenkasten wertvolle militärhistorische Dokumente, die Einblick in die materielle Kultur, Handwerkskunst und militärische Tradition des preußischen Offizierkorps geben. Sie dokumentieren eine Epoche deutscher Geschichte, in der militärische Traditionen und Zeremonien noch eine zentrale gesellschaftliche Rolle spielten.