Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für einen Beamten der Landgendarmerie

Fertigung um 1870, noch bis nach 1896 getragen. Schwerer Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der große Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern. Flache Schuppenketten an Durchsteckrosetten, beide Kokarden in Ausführung für Offiziere. Kreuzblatt mit abnehmbarer Spitze, der Hals mit Perlrand, eckiger Vorderschirm. Hinten mit Helmschiene. Innen mit gelaschtem Lederfutter, vorne in der Glocke der Stempel «L.G.1896», der Nackenschirm mit der Größe «56», dem Namen «Herbert» und der Markierung «I.C.2-6». Zustand 2.


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Preußen Pickelhaube Modell 1867/71 für einen Beamten der Landgendarmerie

Die preußische Pickelhaube Modell 1867/71 für Beamte der Landgendarmerie repräsentiert eine bedeutende Periode in der Geschichte der preußischen Polizeiuniformen. Dieser schwere Lederhelm verkörpert nicht nur die militärische Tradition des preußischen Staates, sondern auch die zunehmende Professionalisierung der ländlichen Polizeikräfte im Deutschen Reich.

Die Landgendarmerie wurde in Preußen als Teil der umfassenden Polizeireform etabliert, um die öffentliche Ordnung in ländlichen Gebieten zu gewährleisten. Im Gegensatz zur städtischen Schutzpolizei waren die Landgendarmen für weitläufige Bezirke zuständig und mussten oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Ihre Uniformierung folgte militärischen Vorbildern, was ihre Autorität unterstreichen sollte.

Das Modell 1867/71 stellt eine Weiterentwicklung früherer Pickelhauben dar und wurde nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 eingeführt. Die Fertigung um 1870 und die Verwendung bis nach 1896 zeigen die Langlebigkeit dieses Designs. Der Helm wurde aus hochwertigem, gehärtetem Leder gefertigt, was ihm erhebliches Gewicht verlieh, aber auch Schutz bot.

Das charakteristischste Merkmal dieses Helms ist der große Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern auf der Vorderseite. Dieser preußische Adler symbolisierte die Autorität des Staates und die Verbindung zur königlichen Macht. Die Verwendung des Gardeadlers bei der Landgendarmerie unterstreicht den hohen Status dieser Einheit innerhalb der preußischen Verwaltung.

Die flachen Schuppenketten an Durchsteckrosetten dienten als Kinnriemen und waren ein typisches Merkmal der Offiziers- und höheren Beamtenausstattung. Im Gegensatz zu den einfachen Lederriemen der Mannschaften waren diese Metallketten ein Statussymbol und wiesen auf den gehobenen Rang des Trägers hin.

Die beiden Kokarden in Offiziersausführung haben besondere Bedeutung: Die eine repräsentierte Preußen mit den Farben Schwarz-Weiß, die andere das Deutsche Reich mit Schwarz-Weiß-Rot. Nach der Reichsgründung 1871 wurden beide Kokarden an preußischen Helmen getragen, wobei die Reichskokarde auf der rechten Seite angebracht wurde.

Das Kreuzblatt mit abnehmbarer Spitze ist ein praktisches Detail, das den Transport und die Lagerung des Helms erleichterte. Die Spitze selbst war oft aus Messing gefertigt und mit einem Perlrand am Hals verziert, was der Pickelhaube ihr charakteristisches Aussehen verlieh. Der Begriff “Pickelhaube” selbst leitet sich von dieser markanten Spitze ab.

Der eckige Vorderschirm unterschied die preußischen Helme von anderen Modellen und bot praktischen Schutz vor Sonne und Regen. Die hintere Helmschiene verstärkte die Konstruktion und bot zusätzlichen Schutz für den Nacken des Trägers.

Das gelaschte Lederfutter im Inneren sorgte für Tragekomfort und passte sich der Kopfform an. Die Stempelung “L.G.1896” (Landgendarmerie 1896) datiert vermutlich eine Inspektion oder Überarbeitung des Helms. Solche Stempel waren üblich, um die Wartungshistorie und Zugehörigkeit des Ausrüstungsgegenstands zu dokumentieren.

Die Größenangabe “56” bezieht sich auf den Kopfumfang in Zentimetern, während der eingestempelte Name “Herbert” möglicherweise den ursprünglichen Träger oder einen späteren Besitzer identifiziert. Die Markierung “I.C.2-6” könnte eine Einheitsbezeichnung oder eine interne Inventarnummer darstellen, die typisch für die preußische Verwaltungspraxis war.

Die Verwendung bis nach 1896 ist besonders bemerkenswert, da in dieser Zeit bereits Diskussionen über die Modernisierung der Polizeiuniformen stattfanden. Die Pickelhaube blieb jedoch ein Symbol preußischer Tradition und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert allmählich durch praktischere Kopfbedeckungen ersetzt.

Die Landgendarmerie spielte eine wichtige Rolle in der preußischen Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts. Sie war für die Verbrechensbekämpfung, die Überwachung der öffentlichen Ordnung und oft auch für administrative Aufgaben zuständig. Die imposante Uniform mit der Pickelhaube sollte Respekt einflößen und die staatliche Autorität sichtbar machen.

Dieser Helmtyp ist heute ein begehrtes Sammlerobjekt und dokumentiert wichtige Aspekte der deutschen Militär- und Polizeigeschichte. Er zeigt die enge Verbindung zwischen militärischen und zivilen Traditionen im preußisch-deutschen Staat und illustriert die Bedeutung, die dem äußeren Erscheinungsbild und der Symbolik staatlicher Autorität beigemessen wurde.

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