Reichsarbeitsdienst (RAD) Hauer für Mannschaften und Unterführer, 1. Modell mit besonderen Griffschalen

Frühe Fertigung mit schwerem Nickelgefäß. Die Griffschalen als Sonderanfertigung aus Horn anstelle der sonst üblichen Hirschhorngriffschalen, hinten an der oberen Niete mit einem Riß im Holz. Bei dem 1. Modell gehen die Griffschalen gehen bis über den "Adlerkopf" Knauf. Die Klinge mit Devise "Arbeit adelt" und Hersteller "Carl Eickhorn Solingen". Die Scheide mit der frühen original Lackierung, diese zu 60 % erhalten, die Scheidenbeschläge aus Neusilber, am unteren Beschlag fehlt 1 Schraube. Komplett mit dem Ledertragegehänge 1. Modell.
Getragenes Stück, Zustand 2-.

Wir hatten von einigen Jahren einen weiteren RAD Hauer 1. Modell mit Holzgriffschalen, ebenfalls von Eickhorn. Wahrscheinlich gab es 2 Ausführungen.


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3.200,00

Reichsarbeitsdienst (RAD) Hauer für Mannschaften und Unterführer, 1. Modell mit besonderen Griffschalen

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) Hauer stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der deutschen Arbeitsdienstorganisation während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Dieses spezielle Exemplar repräsentiert das 1. Modell, das zwischen 1934 und 1937 in Verwendung stand und sich durch charakteristische Konstruktionsmerkmale von späteren Varianten unterscheidet.

Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 offiziell als Pflichtdienst eingeführt, hatte jedoch Vorläufer in der Freiwilligen Arbeitsdienstorganisation (FAD), die bereits in der Weimarer Republik existierte. Alle jungen Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren mussten einen sechsmonatigen Arbeitsdienst leisten, bevor sie ihren Militärdienst antraten. Der RAD war in paramilitärischer Form organisiert und trug Uniformen sowie symbolische Ausrüstungsgegenstände.

Das Seitengewehr oder der Hauer des RAD diente als zeremonielles Würdezeichen und praktisches Werkzeug zugleich. Die Bezeichnung “Hauer” leitet sich vom österreichischen Begriff für ein kurzes Hiebwerkzeug ab. Anders als militärische Seitengewehre hatte der RAD-Hauer primär symbolische Bedeutung und verkörperte die Verbindung von Arbeit und Dienst am Volk.

Das 1. Modell des RAD-Hauers zeichnet sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus: Die Griffschalen reichen bis über den charakteristischen Adlerkopfknauf hinaus, der das Emblem des RAD darstellte. Bei diesem speziellen Exemplar sind die Griffschalen aus Horn gefertigt, was eine Sonderanfertigung darstellt. Üblicherweise wurden beim 1. Modell Griffschalen aus Hirschhorn verwendet, was die Naturverbundenheit und den rustikal-völkischen Charakter der Organisation unterstreichen sollte.

Die Klinge trägt die Devise “Arbeit adelt”, die das zentrale Motto des Reichsarbeitsdienstes war. Diese Inschrift betonte die ideologische Aufwertung der körperlichen Arbeit und sollte die Überwindung von Klassengegensätzen symbolisieren. Der Hersteller Carl Eickhorn aus Solingen gehörte zu den renommiertesten Produzenten von Blankwaffen in Deutschland. Die Firma Eickhorn, gegründet 1865, belieferte sowohl das Kaiserreich als auch später den nationalsozialistischen Staat mit hochwertigen Seitengewehren und Dolchen.

Das schwere Nickelgefäß ist typisch für frühe Fertigungen des 1. Modells. Die Parierstange und der Knauf bestanden aus vernickeltem Metall, was einen silbernen Glanz erzeugte. Diese frühen Ausführungen waren aufwendiger gefertigt als spätere Modelle, die im Zuge der Rationalisierung und Kriegsvorbereitung vereinfacht wurden.

Die Scheide mit ihren Neusilberbeschlägen zeigt die charakteristische frühe Lackierung, die bei diesem Exemplar noch zu 60% erhalten ist. Die schwarze Lackierung der Holzscheide sollte einen einheitlichen, gepflegten Eindruck vermitteln. Die Beschläge aus Neusilber (einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung) waren haltbarer als spätere Ausführungen aus lackiertem Stahlblech.

Das Ledertragegehänge des 1. Modells unterschied sich von späteren Versionen durch seine robustere Konstruktion und hochwertigere Lederverarbeitung. Es ermöglichte das Tragen des Hauers am Koppel während des Dienstes und bei zeremoniellen Anlässen.

Ab 1937 wurde das 1. Modell durch das 2. Modell abgelöst, bei dem die Griffschalen nicht mehr über den Knauf hinausreichten und die Verarbeitung insgesamt vereinfacht war. Diese Änderung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen und um die Produktion zu standardisieren. Das 1. Modell blieb jedoch bei vielen Trägern bis Kriegsende in Verwendung.

Die Existenz von Varianten mit unterschiedlichen Griffschalenmaterialien - wie das hier beschriebene Exemplar mit Horngriffschalen - deutet darauf hin, dass verschiedene Zulieferer und möglicherweise auch individuelle Wünsche zu Abweichungen vom Standard führten. In den frühen Jahren der RAD-Uniformierung waren die Spezifikationen noch nicht vollständig standardisiert.

Der Reichsarbeitsdienst wurde während des Zweiten Weltkrieges zunehmend militarisiert und in kriegswichtigen Projekten eingesetzt, von Befestigungsanlagen bis zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 wurde der RAD aufgelöst, und seine Ausrüstungsgegenstände wurden von den Alliierten beschlagnahmt oder von den Trägern entsorgt.

Heute sind RAD-Hauer des 1. Modells in gutem Zustand selten, da sie nur in einem kurzen Zeitraum produziert wurden und viele Exemplare während des Krieges verloren gingen oder nach 1945 zerstört wurden. Sie stellen wichtige Dokumente der deutschen Militärgeschichte und der paramilitärischen Organisationen der NS-Zeit dar.