SS Porzellanmanufaktur Allach kleiner 5-armiger Barock Kerzenleuchter.

Es handelt sich um einen Entwurf des Künstlers Franz Nagy. 5-armiger Kerzenleuchter im Barockstil, weiß glasiert, Höhe 33 cm. Auf der Unterseite mit eingepresster SS-Allachmarke und Nr. 21. 
Absolut unbeschädigt, Zustand 2+.
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€ 4.850,00

SS Porzellanmanufaktur Allach kleiner 5-armiger Barock Kerzenleuchter.

Die Porzellanmanufaktur Allach stellt ein komplexes und kontroverses Kapitel in der Geschichte der deutschen Keramikproduktion dar. Die Manufaktur wurde 1935 in dem kleinen Ort Allach bei München gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden Produzenten von hochwertigem Porzellan während der NS-Zeit.

Ursprünglich als privatwirtschaftliches Unternehmen von Franz Nagy und Karl Diebitsch gegründet, wurde die Manufaktur 1936 von der SS übernommen und in den Wirtschaftsbetrieb der SS-Organisation eingegliedert. Sie wurde Teil des umfangreichen Wirtschaftsimperiums, das von der SS aufgebaut wurde, um finanzielle Unabhängigkeit und ideologische Zwecke zu verfolgen.

Franz Nagy (1888-1979) war ein ungarisch-deutscher Bildhauer und Keramiker, der als künstlerischer Leiter der Manufaktur eine zentrale Rolle spielte. Seine Entwürfe zeichneten sich durch technische Präzision und klassische Formensprache aus. Nagy schuf zahlreiche Modelle für Allach, darunter Tierfiguren, Büsten und dekorative Gegenstände wie Kerzenleuchter. Seine Arbeiten bewegten sich oft in traditionellen Stilrichtungen wie Barock und Klassizismus.

Der vorliegende fünfarmige Barockkerzenleuchter (Modellnummer 21) repräsentiert die künstlerische Ausrichtung der Manufaktur, die sich bewusst an historischen Vorbildern orientierte. Die weiße Glasur und die barocke Formensprache sollten Eleganz und kulturelle Tradition vermitteln. Solche Stücke wurden sowohl für repräsentative Zwecke innerhalb der SS-Hierarchie als auch für den kommerziellen Verkauf produziert.

Die Produktion in Allach umfasste ein breites Spektrum: von kleinen Porzellanfiguren über Geschirr bis hin zu repräsentativen Objekten wie Leuchtern und Vasen. Die Qualität der Erzeugnisse war durchweg hoch, was die Manufaktur zu einem geschätzten Lieferanten machte. Die charakteristische Allach-Marke auf der Unterseite der Objekte - oft mit SS-Runen und Modellnummer - macht diese Stücke heute eindeutig identifizierbar.

Ab 1940 wurde ein zweites Werk in Dachau eröffnet, das in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager lag. Die Expansion der Produktion erfolgte unter zunehmend problematischen Bedingungen. Historische Forschungen haben dokumentiert, dass in der Manufaktur Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, was die dunkle Seite dieses Unternehmens offenbart.

Die künstlerischen Leiter der Manufaktur, neben Nagy auch Theodor Kärner und Richard Förster, schufen Entwürfe, die oft politisch instrumentalisiert wurden. Dennoch zeigen viele Objekte, wie der Barockleuchter, auch eine Kontinuität mit traditionellen europäischen Keramiktraditionen, die unabhängig von der politischen Vereinnahmung Bestand hatten.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Produktion eingestellt. Die Formen und Werkzeuge wurden teilweise von anderen Manufakturen übernommen. Die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmte das Werk, und die Anlage wurde zunächst für andere Zwecke genutzt.

Heute befinden sich Objekte aus Allach in Museen und Sammlungen weltweit. Sie werden als historische Dokumente einer problematischen Epoche betrachtet. Der Handel mit solchen Objekten unterliegt in vielen Ländern rechtlichen Beschränkungen hinsichtlich der Darstellung von NS-Symbolen. Die wissenschaftliche und museale Auseinandersetzung mit diesen Objekten dient der historischen Aufklärung und Dokumentation.

Der künstlerische Wert einzelner Entwürfe, insbesondere von Franz Nagy, wird in der Kunstgeschichte durchaus anerkannt, allerdings immer im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte. Die Barockleuchter repräsentieren eine Formtradition, die weit über die NS-Zeit hinausreicht, wurden aber in einem spezifischen historischen und politischen Rahmen produziert, der nicht ignoriert werden kann.

Die Erforschung der Porzellanmanufaktur Allach hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Archive wurden erschlossen, Zeitzeugen befragt und die wirtschaftlichen sowie sozialen Strukturen der Produktion aufgearbeitet. Diese Forschung ist wichtig für das Verständnis der Verflechtung von Kunst, Wirtschaft und Politik in der NS-Zeit.