Elastolin - 2 BDM Mädel im braunen Kleid im Marsch
Die vorliegende Elastolin-Figur zeigt zwei BDM-Mädel (Bund Deutscher Mädel) in braunen Kleidern im Marschieren und repräsentiert ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Spielzeugproduktion während der Zeit des Nationalsozialismus. Mit einer Größe von 7,5 cm gehört diese Figur zu den standardisierten Massenproduktionen der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg, die unter dem Markennamen Elastolin weltweit bekannt wurde.
Die Firma Hausser wurde bereits im 19. Jahrhundert gegründet und entwickelte ab den 1920er Jahren das innovative Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Kaolin, Glyzerin und anderen Zusätzen, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Dieses Material ermöglichte die Herstellung detaillierter, relativ bruchfester Figuren, die gegenüber den traditionellen Bleisoldaten Vorteile aufwiesen. Ab 1933 passte sich die Firma, wie viele deutsche Unternehmen, den politischen Verhältnissen an und produzierte zunehmend Figuren, die die Organisationen des NS-Regimes darstellten.
Der Bund Deutscher Mädel wurde 1930 als weiblicher Zweig der Hitler-Jugend gegründet und wurde nach der Machtübernahme 1933 zur einzigen staatlich anerkannten Mädchenorganisation im Deutschen Reich. Ab 1936 wurde die Mitgliedschaft durch das Gesetz über die Hitler-Jugend faktisch verpflichtend. Der BDM umfasste Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren, während jüngere Mädchen (10-14 Jahre) im Jungmädelbund organisiert waren. Auf dem Höhepunkt der Organisation 1944 waren etwa 4,5 Millionen Mädchen Mitglieder.
Die braune Uniform, die auf diesen Figuren dargestellt wird, war die charakteristische Kleidung des BDM. Sie bestand typischerweise aus einem braunen Rock oder Kleid, einer weißen Bluse, einem schwarzen Halstuch mit Lederknoten und oft einer braunen Jacke. Diese Uniformierung sollte soziale Unterschiede nivellieren und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Die Darstellung “im Marsch” verweist auf die militärisch geprägten Aktivitäten der Organisation, zu denen Aufmärsche, Sportveranstaltungen und paramilitärische Übungen gehörten.
Aus sammlungsgeschichtlicher Perspektive sind solche Elastolin-Figuren heute bedeutende zeitgeschichtliche Dokumente. Sie belegen nicht nur die Spielzeugkultur der 1930er und 1940er Jahre, sondern auch, wie die NS-Ideologie in den Alltag und die Kinderzimmer eindrang. Spielzeug diente als Mittel der Indoktrination und sollte bereits bei Kindern die Akzeptanz und Bewunderung für die NS-Organisationen fördern. Die Firma Hausser produzierte neben BDM-Figuren auch Darstellungen von Wehrmacht, SA, SS und anderen NS-Formationen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion solcher Figuren eingestellt, und viele wurden vernichtet. Die erhaltenen Exemplare sind heute in Museen und Privatsammlungen zu finden, wo sie als historische Quellen zur Erforschung der NS-Zeit und der Alltagskultur dienen. Der Zustand 2, der in der Beschreibung angegeben ist, entspricht nach gängigen Sammlerbewertungen einem sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit möglicherweise minimalen Gebrauchsspuren, was bei über 75 Jahre alten Objekten bemerkenswert ist.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten ist wichtig für das Verständnis der Propagandamechanismen des NS-Regimes und der Durchdringung aller Lebensbereiche mit der Ideologie. Gleichzeitig werfen sie ethische Fragen bezüglich des Sammelns und Ausstellens auf. Während einige argumentieren, dass solche Objekte als Warnung und Lehrmittel dienen, sehen andere die Gefahr einer Verharmlosung oder sogar Verherrlichung. In Deutschland unterliegen Darstellungen von NS-Symbolen bestimmten rechtlichen Beschränkungen, wobei historische Objekte in wissenschaftlichem oder dokumentarischem Kontext in der Regel zulässig sind.
Die Elastolin-Figuren wurden in einem mehrstufigen Prozess hergestellt, bei dem zunächst Drahtgestelle geformt, dann mit der Elastolin-Masse umhüllt und schließlich von Hand bemalt wurden. Die Qualität der Bemalung variierte je nach Produktionszeitpunkt und wirtschaftlicher Lage. Figuren aus der Vorkriegszeit weisen oft eine feinere Detailarbeit auf als jene aus den Kriegsjahren, als Material- und Arbeitskräftemangel die Produktion beeinträchtigten.