Hitlerjugend ( HJ ) - 1938 - WEIHNACHTEN - DIE JUNGMÄDELSCHAFT,
Das vorliegende Objekt ist ein Weihnachtsheft der Jungmädelschaft aus dem Jahr 1938, Folge 3 in den Ausgaben A und B. Mit 32 Seiten enthält es Märchen, Zeichnungen und Lieder, die speziell für die jungen Mitgliederinnen der nationalsozialistischen Jugendorganisation konzipiert wurden.
Die Jungmädelschaft bildete die Unterorganisation des Bundes Deutscher Mädel (BDM) innerhalb der Hitler-Jugend (HJ) und umfasste Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren. Der BDM selbst wurde 1930 gegründet und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 massiv ausgebaut. Mit dem Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 und der nachfolgenden Jugenddienstpflicht von 1939 wurde die Mitgliedschaft faktisch obligatorisch.
Die ideologische Erziehung erfolgte durch verschiedene Medien, darunter speziell gestaltete Publikationen wie das hier beschriebene Weihnachtsheft. Diese Hefte dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern waren sorgfältig konzipierte Instrumente der weltanschaulichen Schulung. Sie sollten nationalsozialistische Werte bereits im Kindesalter vermitteln und traditionelle christliche Inhalte durch eine völkische Interpretation des Weihnachtsfestes ersetzen oder überlagern.
Das Jahr 1938 markiert einen bedeutenden Zeitpunkt in der Geschichte des NS-Regimes. Es war das Jahr des Anschlusses Österreichs im März, der Sudetenkrise und des Münchner Abkommens im September sowie der Novemberpogrome. Die Propaganda intensivierte ihre Bemühungen, die deutsche Jugend auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten und eine Generation zu formen, die bedingungslos dem Regime ergeben war.
Die Publikation als Folge 3 in zwei Ausgaben (A und B) deutet auf eine serielle Produktion hin, die regelmäßig erschien und möglicherweise regional unterschiedliche Versionen umfasste. Solche Differenzierungen waren in der HJ-Publizistik üblich, um verschiedene Gebietsstrukturen zu bedienen. Die Hefte wurden über die Reichsjugendführung unter Baldur von Schirach (bis 1940) und später Artur Axmann koordiniert und verteilt.
Der Inhalt mit Märchen, Zeichnungen und Liedern folgte einem pädagogischen Konzept, das an traditionelle Formen der Kinderliteratur anknüpfte, diese jedoch mit nationalsozialistischer Ideologie durchsetzte. Weihnachtslieder wurden häufig umgedichtet oder durch neue, ideologisch konforme Texte ersetzt. Märchen wurden interpretiert, um Tugenden wie Gehorsam, Opferbereitschaft und Volksgemeinschaft zu vermitteln. Die Zeichnungen dienten der visuellen Verstärkung dieser Botschaften.
Die Jungmädelschaft war in lokale Gruppen organisiert, die regelmäßige Heimabende, sportliche Aktivitäten und kulturelle Veranstaltungen durchführten. Die Hefte bildeten oft die Grundlage für diese Treffen und lieferten Material für gemeinsame Aktivitäten. Führerinnen nutzten sie zur Gestaltung der Zusammenkünfte und zur systematischen weltanschaulichen Erziehung.
Aus heutiger Sicht sind solche Publikationen wichtige historische Quellen für die Erforschung der NS-Erziehungsmethoden und der Indoktrinierung der Jugend. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, bereits Kinder im Grundschulalter zu erfassen und zu prägen. Die Verbindung traditioneller Feste wie Weihnachten mit nationalsozialistischer Ideologie zeigt die Durchdringung aller Lebensbereiche durch das Regime.
Der erhaltene Zustand solcher Hefte variiert stark. Viele wurden nach 1945 vernichtet, weshalb gut erhaltene Exemplare heute selten sind und einen dokumentarischen Wert für Museen, Archive und die wissenschaftliche Forschung besitzen. Sie ermöglichen Einblicke in die Alltagspropaganda und die Mechanismen der Massenbeeinflussung im Nationalsozialismus.