Rußland Dragoner Schaschka (Шашка) Modell 1881/09 für Offiziere mit aufgelegtem für Tapferkeit verliehenem St. Anna-Orden

Um 1910. In Deutschland gefertigte stark geschwungene, beidseitig dreifach gekehlte Klinge, die untere Hälfte der Klinge beidseitig geätzt, die Flächen geschwärzt, die Muster ursprünglich vergoldet, terzseitig als Verzierung ein reitender Kosake, das gekrönte kyrillische Herrschermonogramm "HII" für Zar Nikolaus II. und der Qualitätsnachweis "Eisenhauer", quartseitig ein Offizier zu Pferde, sowie das zaristische Wappen und der Hersteller "Alex Coppel Solingen", die Klinge leicht fleckig. Vergoldetes Messingbügelgefäß mit floralem Dekor, Kautschukgriff, auf der Griffkappe wieder das Herrschermonogramm Zar Nikolaus II., auf der Parierstange beidseitige die kyrillische Gravur "За храбрость" (Für Tapferkeit), auf dem Knauf aufgelegte emaillierte Miniatur des St. Anna-Ordens, die Emaillierung mit einer Beschädigung. Anhängend das original gewickelte Portepee. Schwarz lackierte Lederscheide mit Holzkern und Messingbeschlägen, auf der Scheide ein alter Inventarzettel "Shashka Officers 1909 Pattern". Mit leichten Trage- und Alterungsspuren, gut erhalten. Zustand 2.

Gesamtlänge 90 cm.

Es handelt sich bei der vorliegenden Waffe um ein Prunkstück, welches aus der Hand des Zaren verliehen wurde. Dies muss zwischen 1909 und 1917 geschehen sein. Der englische Inventarzettel könnte darauf hinweisen, dass die Waffe als Geschenk während des Bürgerkrieges an einen Angehörigen der amerikanischen Expeditionsstreitkräfte gelangte, welche zwischen 1918 und 1920 an der Seite der Weißen Armee in Sibirien kämpfte.

373467
15.500,00

Rußland Dragoner Schaschka (Шашка) Modell 1881/09 für Offiziere mit aufgelegtem für Tapferkeit verliehenem St. Anna-Orden

Die Schaschka (russisch: Шашка) gehört zu den charakteristischsten Blankwaffen der russischen Kavallerie und repräsentiert eine jahrhundertealte Waffentradition der Kaukasusregion. Als leichte Kavalleriesäbelwaffe ohne Parierstange entwickelte sich die Schaschka ursprünglich bei den Bergvölkern des Kaukasus und wurde im 19. Jahrhundert von der russischen Armee übernommen, nachdem sie ihre außergewöhnliche Effektivität im Kampf bewiesen hatte.

Das Modell 1881 markierte die erste offizielle Standardisierung der Schaschka für die gesamte russische Kavallerie unter Zar Alexander III. Diese Waffe ersetzte schrittweise die traditionellen Säbel westeuropäischen Typs und symbolisierte eine Rückbesinnung auf östliche Waffentraditionen. Die Modifikation von 1909 unter Zar Nikolaus II. brachte weitere Verfeinerungen, insbesondere für Offizierswaffen, die nun häufiger mit hochwertigen, in Deutschland gefertigten Klingen ausgestattet wurden.

Die deutschen Klingenmanufakturen, insbesondere aus Solingen, genossen weltweit einen hervorragenden Ruf für die Qualität ihrer Klingen. Firmen wie Alex Coppel und der Qualitätsnachweis “Eisenhauer” standen für höchste handwerkliche Präzision. Die russische Armee importierte regelmäßig Klingen aus Solingen, die dann in Russland mit entsprechenden Gefäßen versehen wurden. Die charakteristische starke Krümmung und die beidseitig dreifach gekehlte Form der Klinge waren typisch für Dragonerschaschkas und unterschieden sich von den stärker gekrümmten Kosakenvarianten.

Die Ätzungen und Verzierungen auf solchen Offiziersklingen folgten einem etablierten Ikonographie-System: Der reitende Kosak symbolisierte die russische Reitertradition, während das gekrönte Monogramm “НII” (Nikolaus II.) die Autorität des Zaren repräsentierte. Das zaristische Wappen unterstrich die staatliche Legitimität der Waffe. Diese Dekoration wurde üblicherweise durch Ätzen und anschließende Schwärzung mit vergoldeten Akzenten hergestellt – ein aufwendiges Verfahren, das die Wertigkeit der Waffe unterstrich.

Besondere Bedeutung kommt der Gravur “За Храбрость” (Für Tapferkeit) zu. Diese Inschrift kennzeichnete Waffen, die für außergewöhnliche Tapferkeit verliehen wurden. Der St. Anna-Orden, einer der bedeutendsten russischen Militärorden, wurde 1735 von Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorp gestiftet und 1797 von Zar Paul I. in das russische Ordenssystem übernommen. Der Orden hatte vier Klassen, wobei die vierte Klasse speziell für Tapferkeit im Angesicht des Feindes vergeben wurde und häufig auf Blankwaffen getragen wurde.

Die Verleihung einer solchen Prunkwaffe direkt durch den Zaren war eine außerordentliche Ehre und erfolgte nur an verdiente Offiziere. Im Zeitraum zwischen 1909 und 1917 befand sich das Russische Reich zunächst in einer Phase relativer Stabilität, bevor der Erste Weltkrieg ab 1914 das Land in eine tiefe Krise stürzte. Viele dieser Ehrenwaffen wurden an Offiziere verliehen, die sich in den verschiedenen Konflikten dieser Ära auszeichneten, sei es im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905), in den Balkankriegen oder später im Ersten Weltkrieg.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem Ausbruch des Russischen Bürgerkriegs (1918-1922) gelangten viele zaristische Militaria auf verschiedenen Wegen ins Ausland. Die Weiße Armee, die gegen die Bolschewiki kämpfte, erhielt Unterstützung von alliierten Expeditionsstreitkräften, darunter amerikanische, britische, französische und japanische Truppen. Die American Expeditionary Force Siberia war zwischen 1918 und 1920 in Wladiwostok und Umgebung stationiert und arbeitete eng mit weißrussischen Offizieren zusammen.

In dieser chaotischen Zeit wurden häufig wertvolle Waffen und Ausrüstungsgegenstände als Geschenke ausgetauscht, verkauft oder als Kriegsbeute mitgenommen. Der englischsprachige Inventarzettel “Shashka Officers 1909 Pattern” deutet auf eine spätere Katalogisierung in einem englischsprachigen Kontext hin, möglicherweise durch einen amerikanischen oder britischen Veteranen oder Sammler. Solche Dokumentationen waren typisch für militärische Sammlungen, die in der Zwischenkriegszeit in Europa und Amerika zusammengetragen wurden.

Das Portepee, die charakteristische Faustschlaufe an Offiziersblankwaffen, war in der russischen Armee ein wichtiges Rangabzeichen. Die ursprüngliche Wicklung und Erhaltung dieses Elements erhöht den historischen Wert des Objekts erheblich. Die schwarz lackierte Lederscheide mit Holzkern und Messingbeschlägen entspricht der standardmäßigen Ausführung für Dragonerschaschkas dieser Periode.

Als historisches Zeugnis repräsentiert eine solche Waffe nicht nur die militärische Handwerkskunst ihrer Zeit, sondern auch die komplexen internationalen Beziehungen, den Untergang des Zarenreiches und die turbulenten Jahre des Bürgerkriegs. Sie verkörpert die letzte Blütezeit der traditionellen Kavallerie vor deren Ablösung durch moderne Kriegsführung und steht symbolisch für eine Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg und den nachfolgenden Revolutionen unwiderruflich endete.