Bayern Artillerie-Extrasäbel .
Der vorliegende bayerische Artillerie-Extrasäbel repräsentiert einen charakteristischen Typ militärischer Blankwaffen, der im Königreich Bayern während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verwendet wurde. Solche Säbel wurden typischerweise von Unteroffizieren und Mannschaften der Artillerie-Regimenter getragen und dienten sowohl als Dienstwaffe als auch als persönliches Andenken an die Militärzeit.
Das 6. Feldartillerie-Regiment war Teil der königlich-bayerischen Armee, die als eigenständige Streitmacht innerhalb des Deutschen Kaiserreiches existierte. Nach der Reichsgründung 1871 behielt Bayern weitgehende militärische Autonomie, einschließlich eigener Uniformen, Rangabzeichen und Ausrüstung. Die bayerischen Feldartillerie-Regimenter waren mit modernen Geschützen ausgestattet und spielten eine wichtige Rolle in der Verteidigungsstruktur des Königreichs.
Die Ausführung mit einfachem Parierbügel nach Art eines Husarensäbels war typisch für Extrasäbel, die nicht zur standardmäßigen militärischen Ausrüstung gehörten, sondern von den Soldaten privat erworben wurden. Der Begriff “Extra” bezieht sich darauf, dass diese Waffen zusätzlich zur regulären Ausrüstung angeschafft wurden, oft zum Ende der Dienstzeit als Erinnerungsstück. Die gekrümmte Klinge mit beidseitiger Hohlkehle folgt den traditionellen Konstruktionsprinzipien europäischer Kavallerie- und Artilleriesäbel des 19. Jahrhunderts.
Die Zierätzung auf geblähtem Grund ist besonders bemerkenswert. Die Ätzung war ein aufwendiges Verfahren, bei dem die Klinge zunächst geätzt und dann chemisch gebläut wurde, wodurch die Schrift und Ornamente hell auf dunklem Grund erschienen. Die Inschrift “Königl.Bayer. 6. FeldArt.Regt.” identifiziert eindeutig die Truppenzugehörigkeit, während die persönliche Widmung “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit” den individuellen Charakter dieser Waffe unterstreicht. Solche personalisierten Inschriften waren bei Extrasäbeln üblich und zeigen die emotionale Bindung der Soldaten an ihre Militärzeit.
Die Punze “Alex Coppel Solingen” weist auf einen renommierten Hersteller hin. Solingen war seit dem Mittelalter das Zentrum der deutschen Klingenherstellung und hatte im 19. Jahrhundert einen weltweiten Ruf für qualitativ hochwertige Blankwaffen. Die Firma Alex Coppel gehörte zu den zahlreichen Solinger Betrieben, die militärische Ausrüstung produzierten. Diese Hersteller arbeiteten sowohl für staatliche Aufträge als auch für den privaten Markt der Extrasäbel.
Die Vernickelung der Metallteile war ein typisches Merkmal von Extrasäbeln aus dieser Periode. Im Gegensatz zu den einfacheren Dienstwaffen mit Messingbeschlägen wurden Extrasäbel oft mit vernickelten oder verchromten Beschlägen ausgestattet, die einen edleren Eindruck machten und besser vor Korrosion schützten. Die aufwendigere Verarbeitung spiegelte den persönlichen Stolz des Besitzers wider.
Der beLederte Griff entspricht der üblichen Konstruktion von Säbelgriffen dieser Zeit. Die Lederwicklung bot einen sicheren Halt und wurde oft über einem hölzernen Kern angebracht. Die erwähnte Beschädigung ist typisch für Objekte, die über hundert Jahre alt sind, und zeugt von der tatsächlichen Nutzung der Waffe.
Die bayerische Armee wurde 1919 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgelöst. Während des Krieges 1914-1918 kämpften bayerische Artillerie-Regimenter an verschiedenen Fronten und erlitten erhebliche Verluste. Das 6. Feldartillerie-Regiment nahm an zahlreichen Schlachten teil, und seine Soldaten wurden mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt.
Extrasäbel wie dieser wurden oft bei feierlichen Anlässen getragen, bei Veteranentreffen oder als Familienerbstücke aufbewahrt. Sie dokumentieren nicht nur militärische Geschichte, sondern auch persönliche Schicksale und die Bedeutung, die der Militärdienst für die einzelnen Soldaten hatte. In der Zwischenkriegszeit und nach 1945 wurden viele dieser Säbel zu begehrten Sammlerobjekten.
Die militärhistorische Bedeutung solcher Objekte liegt in ihrer Fähigkeit, die Organisationsstruktur, die handwerkliche Qualität und die militärische Kultur des Kaiserreichs zu dokumentieren. Sie sind materielle Zeugnisse einer Epoche, in der militärische Traditionen und persönliche Ehre eng miteinander verknüpft waren. Heute sind gut erhaltene bayerische Artillerie-Extrasäbel wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und gefragte Exponate in Museen und Sammlungen.