Bayern Pickelhaube für Offiziere im 2. Schweren Reiter-Regiment Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este

Um 1910. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorne das bayerische Wappen in der fein gearbeiteten Ausführung für Offiziere. Gewölbte Schuppenketten an Rosetten, beide Kokarden. Kreuzblatt mit kanneliertem Trichter mit weißem Büffelhaarbusch. Eckiger Vorderschirm. Innen mit braunem Lederschweißband, das Futter fehlt (!), der Vorderschirm grün und der Nackenschirm rot gefüttert, in der Glocke handschriftlich die Größe «56 1/2». Zustand 2.

Der Helm konnte so auch im 1., 3., 5. und 7. Chevaulegers-Regiment getragen werden.
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2.400,00

Bayern Pickelhaube für Offiziere im 2. Schweren Reiter-Regiment Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este

Der vorliegende Helm verkörpert die militärische Pracht des Königreichs Bayern in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Diese bayerische Pickelhaube für Offiziere des 2. Schweren-Reiter-Regiments “Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este” repräsentiert die höchste Qualität in der Ausstattung der königlich-bayerischen Kavallerie.

Das 2. Schwere-Reiter-Regiment blickte auf eine lange Tradition zurück. Ursprünglich am 10. September 1815 als 2. Kürassier-Regiment gegründet, erhielt es am 1. April 1879 seine Bezeichnung als Schweres-Reiter-Regiment. Die Friedensbesatzung befand sich in Landshut. Am 23. Mai 1899 übernahm Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie, das Amt des Regimentsinhabers. Diese Verbindung blieb sogar nach seiner Ermordung am 28. Juni 1914 bestehen – jenem Attentat in Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Nach den Stärkeberichten vom 3. Juli 1913 verfügte das Regiment über 25 Offiziere, 3 Ärzte, 3 Veterinäre, 5 Beamte, 739 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 726 Dienstpferde. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment stets gemeinsam mit dem 1. Schweren-Reiter-Regiment “Prinz Karl von Bayern”.

Die bayerische Armee führte das Modell 1886 der Pickelhaube im September 1886 ein, und dieses sollte das letzte und endgültige Muster der bayerischen Spitzhelme werden. Das charakteristische Merkmal war die kreuzförmige Spitzenbasis für alle Dienstgrade. Der vorliegende Helm stammt aus der Zeit um 1910 und verkörpert die Friedensglorie der kaiserlichen deutschen Kavallerie vor dem großen Krieg.

Offiziere des bayerischen Heeres mussten ihre Ausrüstung privat erwerben, weshalb ihre Helme nicht zentral ausgegeben wurden. Die vergoldeten Beschläge kennzeichneten diesen Helm als für das 2. Schwere-Reiter-Regiment bestimmt, konnten aber auch von Offizieren des 1., 3., 5. und 7. Chevaulegers-Regiments getragen werden – alle ungeradzahligen Regimenter verwendeten vergoldete Beschläge, während die geradzahligen Regimenter 2, 4, 6 und 8 Silberbeschläge trugen. Das 1. Schwere-Reiter-Regiment verwendete Silberbeschläge.

Der Helm aus geschwärztem, lackiertem Leder zeigt alle typischen Merkmale der bayerischen Offiziersspickelhaube. Das bayerische Staatswappen an der Vorderseite mit zwei aufgerichteten Löwen, die ein gekröntes Schild mit den bayerischen Wappen halten, ist in der feinen Ausführung für Offiziere gearbeitet. Die beiden Kokarden – die bayerische Staatskokarde in Blau-Weiß und die Reichskokarde in Schwarz-Rot-Weiß – markieren die doppelte Loyalität zum Königreich Bayern und zum Deutschen Kaiserreich. Der eckige Vorderschirm unterscheidet bayerische Offizierhelme deutlich von den gerundeten preußischen Visieren.

Die kreuzförmige Spitzenbasis mit kanneliertem Trichter ermöglichte das Abschrauben der Spitze, um den Paradehaarbusch anzubringen. Der weiße Büffelhaarbusch wurde ausschließlich zu Paraden und feierlichen Anlässen getragen; im Felddienst blieb die Spitze aufgesetzt oder wurde abgedeckt. Die gewölbten Schuppenketten unterscheiden Kavalleriehelme von denen der Infanterie, die flache Ketten trug.

Die Regimentskommandeure um 1910 waren Otto von Stetten (20. Juli 1908 bis 20. März 1909), Maximilian Dietrich (ab 20. März 1909) und Otto Freiherr von Eyb (ab 23. Januar 1913). Der Helm wurde von kommissionierten Offizieren des Regiments getragen, das Teil des I. Bayerischen Armeekorps, 1. Kavallerie-Brigade war. Ab 1910 wurde er mit der feldgrauen Uniform kombiniert.

Die Pickelhaube wurde 1916 durch den Stahlhelm ersetzt, da sie im modernen Kriegsgeschehen nur begrenzten Schutzwert bot. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Königreichs Bayern wurde das 2. Schwere-Reiter-Regiment 1919 aufgelöst. Die Traditionen des Regiments wurden teilweise im 17. (Bayerischen) Reiter-Regiment fortgeführt, das 1919 in Bamberg aufgestellt wurde und Personal beider bayerischer Schwere-Reiter-Regimenter aufnahm.