Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz "Kr.Ver. Telgte 1870"

mit Hersteller, an Nadel und patriotischer Bandschleife, Zustand 2.
480668
55,00

Deutscher Kriegerbund - mit Kreuz "Kr.Ver. Telgte 1870"

Deutscher Kriegerbund - Verbandsabzeichen aus Telgte (1870)

Das vorliegende Abzeichen des Krieger-Vereins Telgte mit der Jahreszahl 1870 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Veteranenbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Art von Verbandsabzeichen verkörpert die tiefgreifende gesellschaftliche Bedeutung, die Kriegerveteranen im deutschen Kaiserreich und später in der Weimarer Republik innehatten.

Historischer Kontext der Kriegervereine

Die deutschen Kriegervereine erlebten nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 einen enormen Aufschwung. Der Sieg über Frankreich und die daraus resultierende Reichsgründung 1871 führten zu einer Welle patriotischer Begeisterung. Veteranen, die aus diesem Krieg zurückkehrten, organisierten sich zunehmend in lokalen Kriegervereinen. Diese Vereine dienten nicht nur der Kameradschaftspflege, sondern auch der gegenseitigen Unterstützung und der Pflege des Andenkens an gefallene Kameraden.

Die Jahreszahl 1870 auf diesem Abzeichen verweist entweder auf das Gründungsjahr des Vereins oder auf das zentrale Ereignis, das die Vereinsmitglieder miteinander verband - den Kriegsbeginn gegen Frankreich. Telgte, eine Stadt in Westfalen nahe Münster, hatte wie viele deutsche Gemeinden Soldaten in diesen Krieg entsandt, die nach ihrer Rückkehr den lokalen Kriegerverein bildeten.

Der Deutsche Kriegerbund

Der Deutsche Kriegerbund wurde als Dachorganisation der einzelnen Kriegervereine gegründet und entwickelte sich zu einer der mitgliederstärksten Organisationen im deutschen Reich. Bis zum Ersten Weltkrieg zählte der Bund mehrere Millionen Mitglieder. Die Organisation war hierarchisch strukturiert und eng mit dem preußischen Militarismus und der Monarchie verbunden. Kaiser Wilhelm II. selbst übernahm zeitweise Schutzherrschaften über verschiedene Kriegervereine.

Die Kriegervereine erfüllten mehrere gesellschaftliche Funktionen: Sie boten Veteranen soziale Sicherheit in einer Zeit ohne umfassendes Sozialsystem, pflegten militärische Traditionen, organisierten Gedenkveranstaltungen und Denkmalseinweihungen, und dienten der vormilitärischen Erziehung der Jugend. Gleichzeitig waren sie Träger nationalistischer und monarchistischer Ideologien.

Verbandsabzeichen und ihre Bedeutung

Abzeichen wie das vorliegende waren wesentliche Identifikationsmerkmale der Vereinsmitglieder. Sie wurden typischerweise an patriotischen Bandschleifen in den deutschen Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot getragen, wie auch bei diesem Exemplar der Fall. Das Kreuz als zentrales Motiv verweist auf das Eiserne Kreuz, die bedeutendste preußisch-deutsche Kriegsauszeichnung, die 1813 gestiftet und 1870 erneuert wurde.

Die Herstellerangabe auf dem Abzeichen weist auf die professionelle Fertigung durch spezialisierte Firmen hin. Mehrere Manufakturen, insbesondere in Städten wie Lüdenscheid, Berlin oder München, spezialisierten sich auf die Produktion von Vereinsabzeichen, Orden und militärischen Auszeichnungen. Diese Abzeichen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt - von einfachen Metallprägungen bis zu aufwendigen Emaille-Arbeiten.

Trageweise und soziale Funktion

Die Nadelkonstruktion ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung, typischerweise am Revers des Jacketts. Bei Vereinsveranstaltungen, Gedenkfeiern, Kaisers Geburtstag oder anderen patriotischen Anlässen trugen die Mitglieder ihre Abzeichen mit Stolz. Dies demonstrierte ihre Zugehörigkeit zur Veteranengemeinschaft und ihre Loyalität zu Kaiser und Reich.

Die Bandschleife in den Reichsfarben verstärkte die patriotische Aussage des Abzeichens. Solche Schleifen wurden oft zusätzlich mit den lokalen oder regionalen Farben kombiniert, wodurch sowohl die nationale als auch die lokale Identität zum Ausdruck kam.

Entwicklung nach 1918

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 mussten sich die Kriegervereine neu orientieren. Viele bestanden in der Weimarer Republik fort, nahmen nun auch Veteranen des Weltkriegs auf und behielten ihre gesellschaftliche Bedeutung. Allerdings gewannen sie zunehmend eine politische Dimension und wurden teilweise zu Sammelbecken antidemokratischer und revisionistischer Kräfte.

Die Tradition dieser Vereine und ihrer Abzeichen endete weitgehend mit dem Zweiten Weltkrieg und der nachfolgenden Neuordnung Deutschlands. Heute sind solche Abzeichen wichtige historische Zeugnisse einer Epoche, in der militärische Werte und Veteranentum eine zentrale Rolle in der deutschen Gesellschaft spielten.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Für Sammler militärhistorischer Objekte sind Kriegervereinabzeichen von besonderem Interesse, da sie die lokale Militärgeschichte dokumentieren. Jedes Abzeichen erzählt die Geschichte einer spezifischen Gemeinde und ihrer Veteranen. Der Erhaltungszustand, die Vollständigkeit mit Nadel und Bandschleife sowie die Herstellermarkierung sind wesentliche Faktoren für den historischen und Sammlerwert solcher Stücke.

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