III. Reich "Die Deutsche Wehrmacht" Zigaretten Sammelbilderalbum,

Dresden, Zigaretten-Bilderdienst, 1936, mit Farbtafeln zu Fahnen, Uniformen und Rangabzeichen der Wehrmacht, Hartkartoneinband, Großformat, komplett mit 269 Bildern, letzte Seite etwas eingerissen, Zustand 2.
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III. Reich "Die Deutsche Wehrmacht" Zigaretten Sammelbilderalbum,

Das Sammelbilderalbum "Die Deutsche Wehrmacht" aus dem Jahr 1936 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der nationalsozialistischen Propaganda und der zeitgenössischen Popularkultur im Dritten Reich dar. Herausgegeben vom Zigaretten-Bilderdienst in Dresden, gehört dieses Album zu einer langen Tradition von Sammelbilderalben, die seit dem späten 19. Jahrhundert von Zigarettenherstellern als Marketinginstrument eingesetzt wurden.

Die Sammelbildkultur hatte in Deutschland eine bedeutende Geschichte. Bereits ab den 1870er Jahren begannen Zigarettenfabrikanten, ihren Produkten kleine Bildkarten beizulegen, zunächst als Versteifung der Verpackung, später als gezieltes Werbemittel. In den 1920er und 1930er Jahren erreichte diese Praxis ihren Höhepunkt. Unternehmen wie Reemtsma, Sturm und andere große Zigarettenhersteller produzierten Millionen von Sammelbildern zu unterschiedlichsten Themen: Natur, Sport, Technik, Geschichte und eben auch militärische Themen.

Das vorliegende Album erschien 1936, einem entscheidenden Jahr für die Wehrmacht. Nach der offiziellen Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935, die einen klaren Verstoß gegen den Versailler Vertrag darstellte, befand sich die neue Wehrmacht in einer Phase rascher Expansion und Reorganisation. Das Jahr 1936 war geprägt von der weiteren Aufrüstung und der Remilitarisierung des Rheinlandes im März desselben Jahres.

Mit seinen 269 Bildern bot das Album eine umfassende visuelle Enzyklopädie der damaligen Wehrmacht. Die Sammlung enthielt Farbtafeln zu Fahnen, Uniformen und Rangabzeichen, die besonders wertvoll für das Verständnis der militärischen Hierarchie und Ausrüstung dieser Zeit sind. Die Wehrmacht war erst 1935 als Zusammenschluss von Heer, Kriegsmarine und der neu geschaffenen Luftwaffe entstanden, und solche Alben dienten dazu, der Bevölkerung die neue militärische Organisation vorzustellen und zu erklären.

Der propagandistische Charakter solcher Publikationen ist unverkennbar. Das NS-Regime nutzte alle verfügbaren Medien, um militärische Themen zu popularisieren und die Bevölkerung auf den kommenden Krieg vorzubereiten. Sammelbilderalben waren besonders effektiv, da sie Kinder und Jugendliche erreichten und militärische Inhalte in einem harmlosen, sammlerischen Kontext präsentierten. Das Sammeln und Tauschen der Bilder förderte zudem den sozialen Austausch über militärische Themen.

Die technische Ausführung solcher Alben war oft beachtlich. Der Hartkartoneinband im Großformat bot Stabilität und Repräsentativität. Die Farbdrucktechnologie der 1930er Jahre ermöglichte detailreiche und farbechte Darstellungen von Uniformen, Fahnen und Abzeichen, die für Sammler von großem Interesse waren. Die Bilder wurden typischerweise im Offsetdruck oder Chromolithografie hergestellt.

Aus militärhistorischer Perspektive sind solche Alben heute wertvolle Quellen. Sie dokumentieren den Stand der militärischen Ausrüstung und Organisation zu einem spezifischen Zeitpunkt. Die Darstellungen von Rangabzeichen und Uniformen folgen in der Regel den offiziellen Vorschriften wie der Heeresdienstvorschrift (H.Dv.) und anderen Regelwerken. Allerdings ist Vorsicht geboten: Propagandamaterial idealisierte oft und zeigte nicht immer die reale Praxis.

Der Zigaretten-Bilderdienst in Dresden war eine zentrale Institution für die Produktion solcher Sammelalben. Dresden hatte als traditionelles Zentrum der Druckindustrie und des grafischen Gewerbes beste Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Produktionen. Viele Künstler und Grafiker waren an der Gestaltung solcher Alben beteiligt.

Die Vollständigkeit eines solchen Albums mit allen 269 Bildern ist heute selten. Viele Alben blieben unvollständig, da nicht alle Bilder gesammelt werden konnten oder Bilder im Laufe der Zeit verloren gingen. Komplette Exemplare sind daher für Sammler besonders wertvoll, nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern auch als geschlossene historische Dokumentation.

Nach 1945 wurden viele dieser Alben vernichtet oder versteckt, da sie als NS-Propagandamaterial galten. Dies macht erhaltene Exemplare zu wichtigen Zeitdokumenten für die Forschung über Propaganda, Alltagskultur im Dritten Reich und militärische Ikonografie der 1930er Jahre. Heute werden solche Objekte in Museen und Archiven bewahrt und für wissenschaftliche Zwecke ausgewertet.