Königin-Luise-Bund ( KLB )

Mitgliedsabzeichen hohlgeprägt, Höhe 37 mm, an Nadel, Zustand 2.
525868
€ 35,00

Königin-Luise-Bund ( KLB )

Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Bund Königin Luise (BKL) stellt ein faszinierendes Zeugnis einer rechtskonservativen Frauenorganisation der Weimarer Republik dar. Das ovale, mattierte Hohlprägungsabzeichen mit einer Höhe von 37 mm zeigt einen Eichenblätterkranz mit einem Schild am unteren Rand. Im geöffneten Zentrum befindet sich ein verzierter Buchstabe L unter der preußischen Krone. Die horizontale Nadel auf der Rückseite ist mit einem Gegenhaken aus Blech oder Draht versehen. Das Abzeichen wurde in versilbertem Buntmetall oder Silber hergestellt, wobei einige Exemplare die Punzierung 830 Silber tragen.

Der Bund Königin Luise wurde im Mai 1923 in Halle (Saale) von Else Reichenbach (ab 1930 verheiratete Sennewald) gegründet. Die Gründungsmotivation lag in der Ruhrbesetzung durch französische Truppen im Jahr 1923. Die Organisation war inspiriert von Luise von Mecklenburg-Strelitz, der Königin von Preußen, die von vielen Deutschen mit großer Ehrfurcht betrachtet wurde. Bis 1928 fungierte der Bund als inoffizielle Frauenorganisation des Stahlhelm und stand der konservativ-monarchistischen DNVP nahe. Die Organisation genoss die Unterstützung des Hauses Hohenzollern, und Kronprinzessin Cecilie von Preußen, geborene zu Mecklenburg, übernahm die Schirmherrschaft.

Das erklärte Ziel des Bundes war die „Erziehung des weiblichen Geschlechts zur Mithilfe bei den Vorbereitungen zu Deutschlands großem Befreiungswerk von seinen Feinden, im Geiste unserer Vorfahren von 1813 und der unvergesslichen Königin Luise". Die Organisation verfolgte eine rechtskonservative, antisemitische Ideologie und schloss jüdische Frauen sowie Frauen „fremder Rasse" von Anfang an von der Mitgliedschaft aus. Die Ziele umfassten die Erziehung von Mädchen und Frauen nach monarchistischem Vorbild – aufopferungsvoll und hingabevoll wie die verehrte Königin – sowie wohltätige Zwecke.

Der Bund Königin Luise entwickelte sich zu einer bedeutenden Organisation mit beachtlichem Mitgliederzuwachs. Ende 1926 hatte die Organisation bereits 100.000 Mitglieder erreicht. Die starke Bindung zur nationalsozialistischen Bewegung ergab sich aus der gemeinsamen extrem konservativen Ideologie und dem ausgeprägten deutschen Nationalismus.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich die Situation für den Bund grundlegend. Am 2. März 1934 löste sich der Bund Königin Luise selbst auf. Nach der Auflösung wurden die Mitglieder und Abteilungen in die entsprechenden Zweige für Frauen und Kinder der NSDAP integriert, darunter die NS-Frauenschaft, der Bund Deutscher Mädel und der Nationalsozialistische Schülerbund. Ab dem 1. April 1934 durfte das Abzeichen nicht mehr getragen werden. Bemerkenswert ist, dass die Organisation in Berlin noch jahrzehntelang im Untergrund weiterbestand.

Die Abzeichen wurden in verschiedenen Größen produziert. Es existierten mehrere Varianten, darunter Clip-Versionen, Anhänger, emaillierte Spangen und Ehrenabzeichen. Die vorliegende Variante mit 37 mm Höhe an Nadel repräsentiert die klassische Ausführung des Mitgliedsabzeichens, das die monarchistische Gesinnung und die Verehrung der preußischen Königin Luise symbolisierte.

Dieses Abzeichen dokumentiert eine komplexe Periode deutscher Geschichte, in der monarchistische Traditionen, extreme konservative Ideologie und der aufkommende Nationalsozialismus miteinander verwoben waren. Es steht als materielles Zeugnis für eine Frauenorganisation, die versuchte, traditionelle preußische Werte in der Weimarer Republik zu bewahren, letztlich aber in den totalitären Strukturen des NS-Regimes aufging.