Luftwaffe Stahlhelm M 35 mit 2 Emblemen, "chicken wire" und Tarnlackierung

Grün-braune Tarnlackierung, darunter ist die graublaue Lackierung sichtbar, mit Draht überzogen, Luftwaffenadler zu ca. 70 Prozent und Nationalschild zu ca. 65 Prozent erhalten. Die Helmglocke ist innen am Nacken mit "S 163" und seitlich mit "ET66" gestempelt. Mit Lederfutter am Blechring, der Kinnriemen wurde gekürzt, Kopfgrößenangabe "60". Draht korrodiert, Zustand 2-.
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4.500,00

Luftwaffe Stahlhelm M 35 mit 2 Emblemen, "chicken wire" und Tarnlackierung

Der Stahlhelm M35 der deutschen Luftwaffe mit seinen charakteristischen Merkmalen repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt der militärischen Ausrüstungsgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Dieses spezielle Exemplar vereint mehrere wichtige Entwicklungsstufen der deutschen Helmentwicklung zwischen 1935 und 1945.

Der Modell 35 wurde 1935 eingeführt und stellte eine Weiterentwicklung des bewährten M16/18 aus dem Ersten Weltkrieg dar. Die wesentlichen Änderungen betrafen vor allem die Belüftungsöffnungen, die nun als Durchzüge statt aufgesetzter Büchsen gestaltet waren. Dies vereinfachte die Produktion erheblich und reduzierte die Herstellungskosten. Der Helm wurde aus einem Stück Stahl in einem mehrstufigen Pressverfahren gefertigt.

Die Kennzeichnung “ET66” identifiziert den Hersteller als die Firma Emaillierwerke AG in Fulda, die zwischen 1935 und 1940 Stahlhelme produzierte. Die Prägung “S 163” bezeichnet eine Chargennummer. Die Kopfgröße 60 entsprach einem Kopfumfang von 60 Zentimetern und war eine der gängigeren Größen.

Besonders bemerkenswert an diesem Helm sind die beiden Embleme. Der Luftwaffenadler auf der rechten Seite war ab 1935 vorgeschrieben und zeigte einen nach rechts blickenden, stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in den Fängen hielt. Das Nationalschild auf der linken Seite zeigte die Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot in Form eines Schildes. Beide Embleme wurden üblicherweise als Abziehbilder aufgebracht oder aufgemalt. Helme mit beiden erhaltenen Emblemen sind heute deutlich seltener als Exemplare, bei denen eines oder beide Embleme entfernt wurden.

Die graublaue Grundlackierung ist charakteristisch für die Luftwaffe. Während die Heereshelme feldgrau und die Kriegsmarine-Helme dunkelgrau lackiert wurden, erhielt die Luftwaffe ihre Helme in diesem typischen Grau-Blau-Ton. Diese Farbgebung wurde von 1935 bis etwa 1940/41 standardmäßig verwendet.

Die grün-braune Tarnlackierung, die über der ursprünglichen Lackierung aufgebracht wurde, entspricht den Tarnanweisungen, die im Verlauf des Krieges immer wichtiger wurden. Ab etwa 1940 begannen Soldaten, ihre Ausrüstung an die jeweiligen Einsatzgebiete anzupassen. Die Tarnbemalung konnte im Feld oder in Werkstätten aufgebracht werden. Das Farbschema in Grün und Braun war besonders für den Einsatz in mitteleuropäischen Vegetationsgebieten geeignet.

Der “Chicken Wire”-Drahtüberzug stellt eine besonders interessante feldmäßige Modifikation dar. Diese Drahtnetze wurden über den Helm gespannt, um Vegetation wie Gras, Zweige oder Blätter einzuflechten und so die Tarnung zu verbessern. Die Bezeichnung “Chicken Wire” (Hühnerdraht) stammt aus dem englischsprachigen Sammlerbereich und beschreibt das maschendrahtähnliche Geflecht. Solche Drahtüberzüge waren keine offizielle Ausrüstung, sondern feldmäßige Improvisationen. Sie wurden von den Soldaten selbst angebracht oder von Einheitswerkstätten gefertigt. Der korrodierte Zustand des Drahtes ist typisch für die jahrzehntelange Lagerung und bestätigt die Authentizität der feldmäßigen Verwendung.

Das Innenfutter bestand aus dem standardmäßigen Ledereinsatz mit acht Fingern, die an einem Aluminiumring befestigt waren. Der Ring selbst war durch eine Schnürzung größenverstellbar. Der gekürzte Kinnriemen deutet auf eine Anpassung durch den Träger hin, wie sie im Feldeinsatz üblich war.

Die Kombination aller dieser Merkmale – originale Luftwaffe-Embleme, graublaue Grundlackierung, feldmäßige Tarnung und Drahtüberzug – macht diesen Helm zu einem aussagekräftigen Zeugnis der Entwicklung und praktischen Verwendung deutscher Militärhelme während des Zweiten Weltkriegs. Er dokumentiert sowohl die offizielle Standardausrüstung als auch die individuellen Anpassungen durch die Soldaten an die Realitäten des Kriegseinsatzes.

Der Erhaltungszustand mit teilweise erhaltenen Emblemen und sichtbarer Mehrschichtlackierung erlaubt es, die verschiedenen Verwendungsphasen des Helmes nachzuvollziehen – von der ursprünglichen Auslieferung in Luftwaffen-Grau über die spätere Tarnung bis hin zum feldmäßigen Drahtüberzug. Solche Helme sind wichtige Studienobjekte für die Militärgeschichte und die Entwicklung der Tarntechnik.

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