Preußen Paar Epauletten für einen Oberleutnant im 1. Ober-Elsässischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 15
Das Regiment gehörte von 1871 bis 1881 erst dem XIV. und dann bis 1912 dem XV. Armeekorps an. Die Farbe der Felder ist dementsprechend ponceaurot.
Die vorliegenden Epauletten eines Oberleutnants des 1. Ober-Elsässischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 15 repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte im Reichsland Elsaß-Lothringen während der Kaiserzeit um 1900.
Das Feld-Artillerie-Regiment Nr. 15 wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 als eines der ersten Regimenter im neu erworbenen Reichsland Elsaß-Lothringen aufgestellt. Mit Standort in Straßburg, der Hauptstadt des Reichslandes, symbolisierte das Regiment die deutsche Militärpräsenz in dieser strategisch wichtigen Region. Von 1871 bis 1881 gehörte das Regiment zunächst dem XIV. Armeekorps an, bevor es bis 1912 dem XV. Armeekorps zugeteilt wurde.
Die Waffenfarbe Ponceaurot der Epauletten-Felder ist charakteristisch für die Artillerie der preußischen Armee. Diese leuchtend rote Farbe, die sich vom dunkleren Karmesinrot anderer Waffengattungen unterschied, war in den preußischen Uniformvorschriften genau festgelegt und diente der unmittelbaren Identifikation der Truppengattung. Die Artillerie spielte im deutschen Heer eine herausragende Rolle, und ihre technische Modernisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte sie zu einer der schlagkräftigsten Waffengattungen.
Epauletten waren traditionelle Schulterklappen, die auf beiden Schultern der Uniform getragen wurden und den Rang sowie die Regimentszugehörigkeit des Trägers anzeigten. Der Rang des Oberleutnants war ein wichtiger Offiziersrang in der preußischen Armee, der zwischen Leutnant und Hauptmann stand. Oberleutnante fungierten häufig als Kompanie- oder Batterieoffiziere und trugen erhebliche Verantwortung für die Ausbildung und Führung ihrer Einheiten.
Die handwerkliche Ausführung von Epauletten um 1900 folgte strengen militärischen Vorschriften. Sie bestanden typischerweise aus einer gepolsterten Grundplatte, die mit Stoff in der Waffenfarbe bezogen war, sowie aus goldenen oder silbernen Metallfransen, deren Ausführung den Rang anzeigte. Bei Artillerieoffizieren waren die Metallteile in der Regel golden. Die Regimentsnummer 15 und andere Insignien waren oft auf den Epauletten angebracht, wobei die genaue Gestaltung den jeweiligen Uniformvorschriften entsprach.
Das Reichsland Elsaß-Lothringen nahm im Deutschen Kaiserreich eine besondere Stellung ein. Nach der Annexion 1871 wurde die Region nicht als regulärer Bundesstaat, sondern als Reichsland direkt dem Kaiser unterstellt. Die Stationierung deutscher Truppen, insbesondere in Straßburg, hatte sowohl militärstrategische als auch politische Bedeutung. Die Festung Straßburg war ein wichtiger Bestandteil des deutschen Verteidigungssystems gegen Frankreich.
Die Offiziere des Regiments Nr. 15 stammten teils aus dem Elsass selbst, überwiegend jedoch aus anderen Teilen des Deutschen Reiches. Sie bildeten einen wichtigen Teil der deutschen Verwaltungs- und Militärelite im Reichsland. Die Uniformen und Rangabzeichen, wie die hier beschriebenen Epauletten, waren nicht nur funktionale Kennzeichnungen, sondern auch Symbole der preußisch-deutschen Militärtradition und Autorität.
Um 1900 befand sich die preußische Armee in einer Phase der Modernisierung. Die Feldartillerie wurde mit neuen Geschützen ausgerüstet, die Ausbildung wurde reformiert, und die taktischen Konzepte wurden den Erfahrungen moderner Kriegsführung angepasst. Gleichzeitig hielt man an traditionellen Uniformbestandteilen wie den Epauletten fest, die erst im Ersten Weltkrieg durch praktischere Schulterklappen ersetzt wurden.
Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Paar Epauletten hin, das die Zeit überdauert hat. Solche Objekte sind heute wichtige Sammlerstücke und historische Dokumente, die Einblick in die Uniformierungspraxis, militärische Hierarchien und die Geschichte des Deutschen Kaiserreichs geben. Sie dokumentieren auch die komplexe Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen und die Integration des Elsass in das Deutsche Reich zwischen 1871 und 1918.
Die Epauletten des 1. Ober-Elsässischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 15 sind somit mehr als bloße Uniformteile – sie sind Zeugnisse einer historischen Epoche, die durch militärische Tradition, nationale Identitätsfragen und die spezifische Geschichte des Elsass geprägt war.