Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Erinnerungsbrosche in Silber
Die Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ) Erinnerungsbrosche in Silber stellt ein bedeutendes Erinnerungsstück aus der Zeit des Nationalsozialismus dar. Diese silberfarbene Brosche aus Feinzink wurde von jungen Frauen getragen, die ihren Dienst im weiblichen Reichsarbeitsdienst absolviert hatten.
Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen eingeführt. Während der männliche RAD bereits seit den frühen 1930er Jahren existierte, wurde die weibliche Abteilung, der RAD/wJ (Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend), systematisch ab 1939 ausgebaut. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Arbeitsdienst für junge Frauen zunehmend verpflichtend.
Ab 1939 mussten alle deutschen Mädchen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren einen halbjährigen Dienst im RAD/wJ leisten, bevor sie eine Berufsausbildung beginnen oder heiraten durften. Die Dienstzeit wurde später auf ein Jahr verlängert. Die jungen Frauen wurden hauptsächlich in der Landwirtschaft, in ländlichen Haushalten und bei Ernteeinsätzen eingesetzt. Sie sollten die von Männern hinterlassenen Arbeitslücken füllen und gleichzeitig im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erzogen werden.
Die hier beschriebene Erinnerungsbrosche wurde als Andenken an die geleistete Dienstzeit vergeben. Sie war kein offizielles Dienstabzeichen, sondern vielmehr ein persönliches Erinnerungsstück, das die Trägerinnen nach Abschluss ihres Dienstes erwerben konnten. Solche Broschen wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt, typischerweise mit Symbolen des RAD wie Spaten, Ähren oder dem RAD-Emblem.
Der Hersteller J.B.u.Co. (vermutlich Julius Bauer und Companie) war einer von mehreren Produzenten von Abzeichen, Ehrenzeichen und Erinnerungsstücken während der NS-Zeit. Die Herstellung solcher Artikel unterlag bestimmten Qualitätsstandards, auch wenn es sich bei diesem Exemplar um Feinzink und nicht um echtes Silber handelt. Die silberne Oberflächenbehandlung sollte dennoch einen gewissen Wertcharakter vermitteln.
Die Verwendung von Feinzink als Material war während des Krieges aufgrund der Metallknappheit üblich. Echte Edelmetalle wurden für kriegswichtige Zwecke benötigt, sodass Ersatzmaterialien für zivile und halboffizielle Abzeichen verwendet wurden. Trotzdem wurde Wert auf eine ansprechende Verarbeitung gelegt, um die ideologische Bedeutung des geleisteten Dienstes zu unterstreichen.
Der RAD/wJ war streng hierarchisch organisiert und in Lager unterteilt, in denen die jungen Frauen unter militärähnlichen Bedingungen lebten. Sie trugen Uniformen, bestehend aus braunen Kleidern, weißen Blusen und charakteristischen Kopftüchern. Die Erziehung umfasste nicht nur körperliche Arbeit, sondern auch ideologische Schulung im Sinne des Nationalsozialismus.
Nach Kriegsende wurden alle Organisationen des NS-Regimes, einschließlich des Reichsarbeitsdienstes, durch die Alliierten aufgelöst. Die Erinnerungsstücke wie diese Brosche blieben jedoch als historische Zeugnisse einer Zeit erhalten, in der Millionen junger Menschen in staatlich organisierte Arbeitsdienste eingezogen wurden.
Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die Geschichtsforschung und Museumspädagogik. Sie dokumentieren die Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und zeigen, wie das Regime auch junge Frauen in sein System der Massenorganisation und ideologischen Indoktrination einband. Der Zustand 2 des beschriebenen Exemplars deutet auf einen gut erhaltenen Zustand mit nur leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein etwa 80 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist.