U-Bootwaffe 1. Weltkrieg - Erinnerungsmedaille
Die vorliegende Erinnerungsmedaille an die U-Bootwaffe des Ersten Weltkriegs ist ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Marinegeschichte und der Gedenkkultur der Zwischenkriegszeit. Die Medaille aus Meissener Böttgersteinzeug trägt die Inschrift "Unseren gefallenen Unterseebootskämpfern 1914-1918“ und ehrt damit die im Ersten Weltkrieg gefallenen Besatzungsmitglieder deutscher U-Boote.
Das Böttgersteinzeug, benannt nach Johann Friedrich Böttger, dem Erfinder des europäischen Hartporzellans, wurde in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen hergestellt. Dieses Material war für seine Härte, Beständigkeit und die charakteristische rotbraune bis schwarze Färbung bekannt. Die Manufaktur Meissen produzierte in den 1920er und frühen 1930er Jahren zahlreiche Gedenkmedaillen und -plaketten für verschiedene militärische Einheiten und Verbände.
Die deutsche U-Bootwaffe spielte im Ersten Weltkrieg eine zentrale, wenn auch umstrittene Rolle. Zu Kriegsbeginn 1914 verfügte die Kaiserliche Marine über etwa 28 einsatzfähige U-Boote. Diese Zahl stieg bis Kriegsende auf über 360 in Dienst gestellte Boote. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg, der ab Februar 1917 geführt wurde, zielte darauf ab, Großbritannien durch die Unterbrechung seiner Versorgungswege in die Knie zu zwingen.
Die Verluste unter den U-Boot-Besatzungen waren erschreckend hoch. Von den etwa 13.000 Männern, die auf deutschen U-Booten Dienst taten, fielen rund 5.000 Besatzungsmitglieder - eine Verlustrate von nahezu 40 Prozent. 178 U-Boote gingen während des Krieges verloren, die meisten mit ihrer gesamten Besatzung. Diese außergewöhnlich hohe Verlustrate machte den U-Boot-Dienst zu einer der gefährlichsten Waffengattungen des Ersten Weltkriegs.
Nach Kriegsende entwickelte sich in Deutschland eine umfangreiche Erinnerungskultur. Veteranenverbände, Marinevereine und private Initiativen sorgten dafür, dass die Gefallenen nicht vergessen wurden. Die U-Boot-Kameradschaft blieb auch nach 1918 bestehen, und viele ehemalige Besatzungsmitglieder organisierten sich in Veteranenvereinigungen. Diese Organisationen gaben häufig Gedenkmedaillen und Erinnerungsstücke in Auftrag.
Medaillen wie die vorliegende wurden in der Regel nicht als staatliche Auszeichnungen verliehen, sondern als private Erinnerungsstücke von Veteranenverbänden, Traditionsvereinen oder Angehörigen in Auftrag gegeben. Sie dienten der Ehrung der Gefallenen und der Pflege der Kameradschaft unter den Überlebenden. Häufig wurden sie bei Gedenkveranstaltungen, Jahrestagen oder Kameradschaftstreffen überreicht oder verkauft.
Die Wahl des Meissener Böttgersteinzeugs als Material unterstreicht den qualitativ hochwertigen Charakter dieser Medaille. Meissen stand für höchste handwerkliche Qualität und deutsche Tradition. Die Verbindung von militärischem Gedenken mit renommiertem deutschem Kunsthandwerk war typisch für die Gedenkkultur der 1920er Jahre.
Der Durchmesser von 42 mm entspricht einem Standardformat für Gedenkmedaillen dieser Zeit. Die kompakte Größe ermöglichte es, die Medaille zu tragen oder in speziellen Sammelmappen aufzubewahren, wie sie viele Veteranen besaßen.
Die Bewertung des Zustands 2 nach numismatischen Standards deutet auf ein sehr gut erhaltenes Exemplar hin, das nur minimale Gebrauchsspuren aufweist. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt aus Steinzeug, das nun fast ein Jahrhundert alt ist.
Im historischen Kontext muss diese Medaille differenziert betrachtet werden. Einerseits ist sie ein legitimes Zeugnis des Gedenkens an gefallene Soldaten und des Leids, das der Krieg über die Besatzungen und ihre Familien brachte. Andererseits wurde die U-Boot-Waffe in der Nachkriegszeit teilweise verklärt und heroisch dargestellt, was kritisch zu sehen ist, insbesondere vor dem Hintergrund des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs und der Versenkung auch neutraler und ziviler Schiffe.
Heute sind solche Medaillen wichtige militärhistorische Sammlungsobjekte, die Einblick in die Erinnerungskultur der Weimarer Republik geben. Sie dokumentieren, wie die deutsche Gesellschaft mit dem Trauma des verlorenen Krieges und dem Gedenken an die Gefallenen umging. Für Sammler und Museen sind sie von Interesse, weil sie die Verbindung zwischen Militärgeschichte, Kunsthandwerk und Sozialgeschichte veranschaulichen.