Deutsche Arbeitsfront (DAF) Werkschar, dunkelblaues Schiffchen für Mannschaften in einem Betrieb
Das vorliegende Schiffchen repräsentiert ein bedeutendes Kleidungsstück der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Werkschar, einer paramilitärischen Organisation innerhalb des nationalsozialistischen Deutschlands. Die DAF, gegründet am 10. Mai 1933 unter der Leitung von Robert Ley, ersetzte die aufgelösten freien Gewerkschaften und entwickelte sich zur größten Massenorganisation des Dritten Reiches mit über 25 Millionen Mitgliedern.
Die Werkscharen der DAF wurden 1934 als militärisch organisierte Betriebseinheiten geschaffen. Ihr Zweck bestand darin, eine weltanschauliche Schulung der Arbeiterschaft durchzuführen, die Betriebsdisziplin zu überwachen und als Ordnungstruppe innerhalb der Unternehmen zu fungieren. Die Werkschar-Angehörigen trugen einheitliche Uniformen, die sich deutlich von den regulären DAF-Mitgliedern unterschieden und eine quasi-militärische Hierarchie widerspiegelten.
Das dunkelblaue Schiffchen mit seiner charakteristischen hellblauen Paspelierung war Teil der offiziellen Dienstkleidung für Mannschaftsdienstgrade der Werkschar. Die Farbgebung unterschied sich bewusst von anderen NS-Organisationen: Während die SA braune, die SS schwarze und die NSDAP selbst braune Uniformen trug, wählte die DAF-Werkschar das dunkle Blau, um ihre Verbindung zur Arbeitswelt zu symbolisieren. Die hellblaue Paspelierung diente als Rangabzeichen für einfache Werkscharmänner.
Das RZM-Etikett (Reichszeugmeisterei) im Inneren der Mütze dokumentiert die offizielle Zulassung und Kontrolle durch die zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP. Die RZM, gegründet 1929, überwachte die Herstellung und den Vertrieb aller Partei-Uniformen und -Ausrüstungsgegenstände. Das spezifische Etikett "Mütze für Werkscharen der DAF" kennzeichnet dieses Stück eindeutig als authentische, zugelassene Dienstbekleidung.
Der gestickte Adler auf dem Schiffchen zeigt das Hoheitszeichen der DAF – einen stilisierten Adler mit Hakenkreuz. Die Position und Ausführung des Adlers auf Kopfbedeckungen war durch genaue Vorschriften geregelt, die in den Uniformbestimmungen der DAF festgelegt waren. Die zwei Knöpfe, typischerweise aus lackiertem Metall, dienten sowohl funktionalen als auch dekorativen Zwecken.
Die Werkscharen waren in verschiedenen Industriebetrieben stationiert, besonders in der Rüstungsindustrie und in kriegswichtigen Produktionsstätten. Ihre Aufgaben umfassten die Durchführung von Appellen, sportliche Ertüchtigungsübungen, weltanschauliche Schulungen und die Überwachung der Arbeitsmoral. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erhielten die Werkscharen zusätzliche Aufgaben im Werkluftschutz und bei der Bewachung von Betriebsanlagen.
Die Uniformierung der Werkscharen folgte militärischen Vorbildern und umfasste neben dem Schiffchen auch Blusen, Hosen, Koppel und weitere Ausrüstungsgegenstände. Das Schiffchen wurde sowohl zum Dienstanzug als auch zu besonderen Anlässen getragen. Die Größe 57 entspricht einem durchschnittlichen Kopfumfang und deutet auf einen erwachsenen männlichen Träger hin.
Das schwarze Futter und das Lederschweißband waren Standardausstattung und sollten Tragekomfort sowie Haltbarkeit gewährleisten. Die Verarbeitung solcher Kopfbedeckungen erfolgte durch zugelassene Hersteller, die regelmäßig von der RZM kontrolliert wurden. Die Produktionsqualität variierte je nach Herstellungsjahr, wobei gegen Kriegsende zunehmend Materialengpässe zu Qualitätseinbußen führten.
Nach 1945 wurde die DAF zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch die Alliierten aufgelöst und verboten. Uniformstücke wie dieses Schiffchen wurden vielfach vernichtet, beschlagnahmt oder von ihren Trägern verborgen. Überlebende Exemplare besitzen heute dokumentarischen Wert für die Erforschung der nationalsozialistischen Arbeitspolitik und Organisationsgeschichte.
Das vorliegende Schiffchen stellt ein authentisches Zeugnis der komplexen Durchdringung des Arbeitslebens durch nationalsozialistische Organisationsstrukturen dar. Es veranschaulicht, wie das Regime versuchte, durch uniformierte Formationen, Hierarchien und Rituale auch die Betriebe ideologisch zu kontrollieren und die Arbeiterschaft in das System zu integrieren.