Emirat Buchara - Säbel für Offiziere der Kavallerie

Um 1900/1910. Englische Fertigung, Säbel Modell 1895/97. Vernickelte, beidseitig geätzte Klinge, verziert mit floralen Mustern, auf beiden Seiten arabische Inschrift in Bandeau, terzseitig auf der Fehlschärfe mit Hersteller "...Wilkinson Sword...". Vernickeltes, durchbrochen gearbeitetes Gefäß, im Korb mit Wappen mit Wappen, Halbmond und Krone, belederter Griff mit intakter Drahtwicklung. Vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen. Nur leichte trage- und Alterungsspuren. Zustand 2.

Gesamtlänge 100 cm.

Das Emirat Buchara lag nördlich Afghanistans. Zentralasien mit Afghanistan und Buchara war im 19. Jahrhundert Schauplatz des sog. "Great Games", dem Konflikt um Einflusszonen zwischen Großbritannien und Rußland. Der Säbel stammt aus der Zeit Abdul-Ahad bin Muzaffar al-Din oder Muhammad Alim Khan bin Abdul-Ahad. Letzterer war der letzte Emir vom Buchara und starb im Exil in Afghanistan.

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1.450,00

Emirat Buchara - Säbel für Offiziere der Kavallerie

Dieser prächtige Kavallerie-Offizierssäbel repräsentiert die faszinierende Verbindung zwischen britischer Waffenhandwerkskunst und der militärischen Tradition des Emirats Buchara, eines zentralasiatischen Staates, der im frühen 20. Jahrhundert zwischen den Großmächten Russland und Großbritannien gefangen war.

Das Emirat Buchara (auch Bukhara) war ein usbekischer Staat in Zentralasien, der von 1753 bis 1920 existierte. In seiner Blütezeit erstreckte sich das Emirat über weite Teile des heutigen Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Die Hauptstadt Buchara war jahrhundertelang ein bedeutendes Zentrum islamischer Gelehrsamkeit und Kultur an der Seidenstraße. Ab 1873 geriet das Emirat unter russisches Protektorat, behielt aber formal seine Unabhängigkeit und eigene militärische Strukturen.

Der vorliegende Säbel wurde um 1900-1910 von der renommierten Firma Wilkinson Sword in London gefertigt. Diese Firma, gegründet 1772, war einer der führenden Hersteller von Militärwaffen des britischen Empire und belieferte auch zahlreiche ausländische Potentaten und Streitkräfte. Das Modell basiert auf dem britischen Kavalleriesäbel Modell 1895/97, der sich durch seine charakteristische Klingenform und das durchbrochene Korbgefäß auszeichnete.

Die Zeit um 1900-1910 fällt in die Regierungsperioden zweier bedeutender Emire: Abd al-Ahad Khan (reg. 1885-1910) und seinem Sohn Muhammad Alim Khan (reg. 1910-1920). Abd al-Ahad war bekannt für seine Versuche, das Militär des Emirats zu modernisieren und nach europäischem Vorbild zu reformieren. Er unterhielt diplomatische Beziehungen sowohl zu Russland als auch zu Großbritannien und bemühte sich, die Unabhängigkeit seines Reiches im Spannungsfeld des “Great Game” zu bewahren.

Das “Great Game” bezeichnete den strategischen Konflikt zwischen dem Britischen Empire und dem Russischen Zarenreich um die Vorherrschaft in Zentralasien im 19. Jahrhundert. Afghanistan und die angrenzenden Khanate und Emirate, einschließlich Buchara, bildeten die Pufferzone zwischen den beiden expandierenden Imperien. Während Russland von Norden vordrang und Buchara 1868 militärisch besiegte, versuchte Großbritannien, seinen Einfluss von Indien aus zu projizieren.

Die Beschaffung britischer Waffen durch das Emirat Buchara spiegelt diese komplexen geopolitischen Beziehungen wider. Obwohl Buchara unter russischer Oberhoheit stand, behielt der Emir das Recht, eigene Streitkräfte zu unterhalten. Die Wahl britischer Waffen könnte ein Ausdruck des Wunsches nach Ausgleich gegenüber dem russischen Einfluss gewesen sein oder einfach die Wertschätzung für die hohe Qualität britischer Waffenschmiedekunst reflektieren.

Der Säbel zeigt charakteristische Elemente seiner doppelten kulturellen Identität. Das durchbrochene Korbgefäß mit dem Wappen, das einen Halbmond und Krone zeigt, vereint islamische Symbolik mit monarchischen Insignien. Die arabischen Inschriften auf beiden Seiten der Klinge betonen die islamische Tradition des Emirats, während die technische Ausführung und das Grundmodell eindeutig europäisch sind. Diese Synthese war typisch für viele Reformbemühungen in islamischen Staaten dieser Epoche, die westliche Militärtechnologie adaptierten, ohne ihre kulturelle Identität aufzugeben.

Die vernickelte Klinge mit floralen Ätzungen und die sorgfältig gearbeiteten Details weisen darauf hin, dass es sich um einen Paradedegen für Offiziere handelte, nicht um eine reine Kampfwaffe. Solche Säbel waren Statussymbole und Ausdruck des Rangs innerhalb der militärischen Hierarchie. Die Kavallerie genoss im Emirat Buchara, wie in vielen zentralasiatischen Staaten, hohes Prestige, da die Reitertradition tief in der nomadischen Geschichte der Region verwurzelt war.

Muhammad Alim Khan, der letzte Emir von Buchara, versuchte vergeblich, sein Reich gegen die bolschewistische Revolution zu verteidigen. Nach der russischen Revolution 1917 und dem anschließenden Bürgerkrieg eroberte die Rote Armee im September 1920 Buchara. Der Emir floh nach Afghanistan, wo er 1944 im Exil in Kabul starb. Mit ihm endete die jahrhundertealte Tradition der Mangit-Dynastie und die Unabhängigkeit Bucharas.

Dieser Säbel ist somit nicht nur ein Zeugnis exquisiter Waffenschmiedekunst, sondern auch ein historisches Dokument einer untergehenden Welt. Er repräsentiert die letzte Phase eines zentralasiatischen Fürstentums, das versuchte, seine Identität und Souveränität im Zeitalter der imperialen Expansion und technologischen Modernisierung zu bewahren. Heute erinnern solche Objekte an die komplexen kulturellen und politischen Verflechtungen, die Zentralasien am Vorabend des 20. Jahrhunderts prägten.