Lineol - Heer Soldat Handgranate stehend werfend
Lineol Wehrmacht-Soldat mit Handgranate – Ein Zeugnis der deutschen Spielzeugsoldat-Tradition
Die beschriebene Lineol-Figur eines stehenden, werfenden Heeres-Soldaten mit Handgranate aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Spielzeuggeschichte. Mit einer Höhe von 7,5 Zentimetern entspricht diese Figur dem charakteristischen Maßstab der Lineol-Produktion und befindet sich in einem sehr guten Erhaltungszustand (Zustand 2).
Die Firma Lineol wurde 1906 von Oskar Wiederholt in Brandenburg an der Havel gegründet. Der Name “Lineol” leitete sich von “Linoleum” ab, da die Figuren anfänglich aus einer Masse auf Leinölbasis hergestellt wurden. Diese Kompositionsmasse, bestehend aus Leinöl, Sägemehl, Kreide und anderen Bindemitteln, ermöglichte detaillierte Formen und war kostengünstiger als die Bleifiguren der Konkurrenz. Ab den 1920er Jahren entwickelte sich Lineol neben Elastolin (Hausser) zum führenden deutschen Hersteller von Massefiguren.
Die Wehrmacht-Figuren der 1930er und 1940er Jahre bildeten einen bedeutenden Teil der Lineol-Produktion. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Darstellung militärischer Szenen in Spielwaren systematisch gefördert, um die Jugend im Sinne der NS-Ideologie zu beeinflussen. Lineol produzierte umfangreiche Serien von Wehrmachtssoldaten in verschiedenen Uniformen und Posen, darunter marschierende Truppen, Offiziere, Funker, Maschinengewehrschützen und eben auch Handgranatenwerfende Soldaten.
Die dargestellte Wurfbewegung mit der Handgranate spiegelt eine wichtige Kampftechnik der damaligen Infanterie wider. Die deutsche Stielhandgranate M24, volkstümlich “Kartoffelstampfer” genannt, war die Standardhandgranate der Wehrmacht. Ihre charakteristische Form mit dem langen Holzstiel war international wiedererkennbar. Die Ausbildung im Handgranatenwurf gehörte zur Grundausbildung jedes Infanteristen. In der Heeresdienstvorschrift H.Dv. 130/2a aus dem Jahr 1935 wurde die korrekte Wurftechnik detailliert beschrieben: Der Soldat sollte aus der Deckung heraus die Granate mit schwungvoller Armbewegung in einem Bogen auf das Ziel werfen.
Herstellungstechnik und Kennzeichnung: Lineol-Figuren wurden in mehrteiligen Metallformen gegossen, wobei verschiedene Körperteile separat gefertigt und dann zusammengefügt wurden. Nach dem Guss erfolgte die Bemalung von Hand, was zu leichten Farbvariationen zwischen einzelnen Figuren führte. Die typische Lineol-Farbgebung zeichnete sich durch relativ matte, erdige Töne aus. Die Uniformen der Heerssoldaten wurden in Feldgrau gehalten, wobei Details wie Rangabzeichen, Koppelzeug und Stiefel sorgfältig akzentuiert wurden. Viele Figuren trugen auf der Unterseite der Basis die charakteristische Lineol-Markierung mit dem Firmennamen oder dem stilisierten “L”.
Der Sammler- und Dokumentationswert solcher Figuren ist heute vielfältig. Zum einen dokumentieren sie die Produktionsgeschichte eines bedeutenden deutschen Spielzeugherstellers, zum anderen spiegeln sie die militärhistorischen und gesellschaftspolitischen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit wider. Die Tatsache, dass militärisches Spielzeug in der NS-Zeit als Erziehungsmittel instrumentalisiert wurde, macht diese Objekte zu wichtigen Zeugnissen der Propaganda- und Alltagsgeschichte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischer Spielwaren in Deutschland zunächst von den Alliierten verboten. Lineol stellte in der Nachkriegszeit auf zivile Figuren um. Die Firma existierte bis 1983, wobei die Qualität der späteren Produktion nicht mehr an die Vorkriegsmodelle heranreichte. Die originalen Lineol-Wehrmachtsfiguren aus den 1930er und 1940er Jahren sind heute gesuchte Sammlerstücke, deren Wert von Seltenheit, Erhaltungszustand und historischer Bedeutung abhängt.
Bei der Bewertung des Zustands von Lineol-Figuren wird üblicherweise eine Skala von 1 (neuwertig) bis 5 (stark beschädigt) verwendet. Zustand 2 bedeutet, dass die Figur sehr gut erhalten ist, mit nur minimalen Gebrauchsspuren, vollständiger Bemalung und ohne Beschädigungen der Masse. Dies ist bei Objekten, die oft von Kindern bespielt wurden und inzwischen 75-90 Jahre alt sind, bemerkenswert.
Die historische Einordnung solcher Militaria erfordert heute einen reflektierten Umgang. Sie sind weder zu glorifizieren noch zu tabuisieren, sondern als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte zu verstehen und zu kontextualisieren. In Museen und Sammlungen dienen sie der historischen Bildung und Forschung über Alltagskultur, Kindheit und Propaganda im Nationalsozialismus.